"Kein Freipass zum Streik": St.Gallen lockert Absenzenregelung für Schüler

St.Galler Schüler müssen keine unentschuldigten Absenzen mehr fürchten, wenn sie an einen Klimastreik gehen. Dass der verpasste Unterricht kompensiert werden musst, passt dem Ostschweizer Streikkollektiv nicht.

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Am 15.März veranstalteten die Schüler eine Klimademo in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Am 15.März veranstalteten die Schüler eine Klimademo in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

(nh/sda) Schülerinnen und Schüler müssen im Kanton St.Gallen keine unentschuldigten Absenzen mehr fürchten, wenn sie während der Schulzeit an einer Klimademonstration teilnehmen. Das schreibt das Ostschweizer Klimakollektiv in einer Mitteilung. Voraussetzung sei, dass die Streikenden ein Urlaubsgesuch mit Kompensationsleistung einreichen.

Die Schulleitung beurteilt Urlaubsgesuche

Tina Cassidy, Leiterin des kantonalen Amtes für Mittelschulen, bestätigt das neue Absenzenregime, das von der Rektorenkonferenz zusammen mit dem Amt beschlossen wurde. Die neue Lösung soll laut Cassidy «gesetzeskonform, verträglich und konstruktiv» sein. Sie ergänzt: «Die verpasste Unterrichtszeit muss zwingend kompensiert werden.» In welcher Form, werde von der jeweiligen Schulleitung entschieden, die auch über die Urlaubsgesuche bestimmt. Sie betont: 

«Die Regelung ist kein Freipass zum Streik.»

Man wolle kein billiges Schuleschwänzen unter dem Klimavorwand ermöglichen, sagt auch Marc König, Rektor der Kantonsschule am Burggraben. Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern, ihr Engagement auch in ihrer Freizeit hätten überzeugt.

«Deshalb ist die Urlaubsregelung richtig und – im Sinne der Glaubwürdigkeit – auch die Kompensationsaufgabe.»

Diese Kompensation stösst auch auf Kritik: Zwar betrachte das Klimakollektiv die Massnahme im Vergleich zur vorherigen Behandlung als pädagogisch geeignete Lösung. Allerdings sei die Kompensation ungerechtfertigt. Musikalische oder sportliche Abwesenheiten müssen nämlich nicht kompensiert werden, schreibt das Kollektiv.

Nach den beiden ersten Klimastreiks im Dezember 2018 und Januar 2019 hatte das St. Galler Bildungsdepartement die Absenzenschraube angezogen. Wer wegen einer Kundgebung im Unterricht fehlte, musste fortan mit einer unentschuldigten Absenz rechnen.

Der nächste weltweite Klimastreik findet am Freitag, 24. Mai, statt.