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Klimastreik an der Kanti St.Gallen: Wie Schüler die Umwelt schützen – und sich dennoch ins Flugzeug setzen

Hunderte Absolventinnen und Absolventen der Kantonsschule St.Gallen haben am Freitagmorgen eine Lektion bestreikt. Sie wollten ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Gespräche mit dreien von ihnen zeigen: Alle machen sich Sorgen ums Klima, alle achten darauf, umweltbewusst zu leben – aufs Fliegen und aufs Autofahren wollen sie aber nicht verzichten.
Daniel Walt
Kantischülerinnen und Kantischüler machen gegen den Klimawandel mobil. (Bild: Daniel Walt)

Kantischülerinnen und Kantischüler machen gegen den Klimawandel mobil. (Bild: Daniel Walt)

Er ist 17, sorgt sich um die Zukunft unseres Planeten – und ist vor kurzem trotzdem mal schnell nach Amsterdam gejettet: Filip Mihajlovic, Kantischüler aus Rorschach. «Ich weiss, es tönt egoistisch. Aber wenn ich als Einzelperson auf einen Flug verzichte, hebt die Maschine trotzdem ab», sagt Mihajlovic, der sich pro Jahr auch für Familienferien ein-, zweimal ins Flugzeug setzt. Gäbe es allerdings eine Bewegung, die das innereuropäische Fliegen boykottieren würde, würde Filip Mihajlovic nach eigenem Bekunden sofort mitmachen.

Velo statt Töffli

Filip Mihajlovic (17), Rorschach.

Filip Mihajlovic (17), Rorschach.

Im Unterricht an der Kanti hat Filip Mihajlovic schon viel über die Klimaveränderung gelernt. «Es ist kein Thema, das alle Schüler übermässig beschäftigt», bekennt er. Den Klimastreik vom Freitagmorgen empfindet der 17-Jährige aber als stimmiges Signal – auch wenn er sich fragt, ob dieses bei den Mächtigen dieser Welt ankommen wird.

Abgesehen vom Fliegen macht Filip Mihajlovic in seinem Alltag einiges, um die Umwelt zu schonen. Er hält fest:

«Ich habe bewusst nie ein Töffli gekauft. Ich finde es unnötig, man kann doch genauso gut mit dem Velo unterwegs sein.»

Zudem sei er oft im Zug anzutreffen und trenne daheim den Abfall. «Und ich bemühe mich, saisonal einzukaufen», hält er fest.

Sandwich im Brotpapier

Die 14-jährige Laura Oss aus Thal ärgert sich in Sachen Klimaerwärmung vor allem darüber, dass viel geredet wird, aber wenig passiert. «Ich mag Schnee und fahre gerne Ski. Deshalb finde ich es schade, dass es hierzulande wegen des Klimawandels immer weniger Schnee gibt», sagt sie.

Laura Oss (14), Thal.

Laura Oss (14), Thal.

Was tut Laura Oss persönlich gegen den Klimawandel? «Wir versuchen so wenig Essensreste wie möglich zu produzieren und daheim möglichst wenig das Licht brennen zu lassen», antwortet sie. In ihrer Familie werde auch darauf geachtet, Plastiksäcke und Petflaschen möglichst oft wiederzuverwenden. Und wenn die 14-Jährige ein Sandwich von daheim mitnimmt, wickelt sie es jeweils in altes Brotpapier ein. Auch sie winkt aber ab, als sie gefragt wird, ob sie zugunsten des Klimas aufs Fliegen verzichtet und später auch nicht Autofahren lernen möchte. Sie wolle beides aber auf ein Minimum reduzieren, sagt Laura Oss, die Verwandte in fernen Ländern hat.

«Irgendwann ist es zu spät»

«An der Kanti wird zwar viel Wissen über den Klimaschutz vermittelt. Aber irgendwann ist es zu spät, etwas dagegen zu unternehmen», sagt der 18-jährige Yves Nossack. Der Abtwiler ärgert sich vor allem darüber, dass der Staat seine Hausaufgaben in Sachen Klimaschutz nicht mache.

«Zudem machen viele Parteien Politik für Unternehmen, welche den CO2-Ausstoss weiter in die Höhe treiben.»

Yves Nossack (18), Abtwil.

Yves Nossack (18), Abtwil.

Yves Nossack lebt grösstenteils vegetarisch, achtet auf die korrekte Abfalltrennung und darauf, woher die Produkte seines täglichen Bedarfs kommen. Und er ist oft mit dem Velo und dem Bus unterwegs, um das Klima zu schonen. Allerdings hat er sich auch schon in Flugzeuge gesetzt – zuletzt im Herbst nach Thailand. «Eigentlich fliege ich aber nicht gerne und nehme lieber den Zug oder den Flixbus», betont er.

Zum Stichwort Autofahren sagt Nossack, er wolle das schon lernen. Es komme eben immer darauf an, wie man das Auto nutze: «Ich möchte später Fahrgemeinschaften bilden und sicher kein benzin- oder dieselgetriebenes Auto fahren. Ich bin überzeugt, dass es künftig viel mehr Möglichkeiten geben wird, auf umweltschonendere Fahrzeuge zu setzen.»

Im Schulstreik fürs Klima

«Der Himmel gehört dem Schnee, nicht den Flugzeugen» oder «Die Welt ohne Klimaschutz ist wie eine Suppe ohne Salz»: Mit Plakaten mit diesen und weiteren Botschaften haben Schülerinnen und Schüler der Kanti am Burggraben in St.Gallen am Freitagmorgen für den Klimaschutz mobil gemacht und eine Lektion bestreikt. Auch Schüler in anderen Städten beteiligten sich an der Aktion. Als Vorbild diente dabei die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg: Jeden Freitag steht sie vor dem Parlament ihres Landes und demonstriert für das Klima. An der Klimakonferenz in Polen prangerte sie vor kurzem zudem die Mächtigen dieser Welt an – ein entsprechendes Video ging viral. Die Aktion an der Kanti am Burggraben war der Schulleitung im Vorfeld angekündigt worden. Rektor Marc König gab daraufhin zu Protokoll, als Schule könne die Kanti einen Streik nicht gutheissen. Das Thema Klima bewege die jungen Menschen allerdings, und die Schule müsse den Absolventinnen und Absolventen Politik und soziales Engagement näherbringen. Deswegen akzeptierte die Kanti die Teilnahme am Klimastreik vom Freitagmorgen als Absenzengrund. (dwa)

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