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Klimagarten: In Rapperswil-Jona den Treibhauseffekt hautnah erleben

In zwei Gewächshäusern an der HSR Rapperswil simulieren Forscher, was der Klimawandel mit der heimischen Pflanzenwelt macht. Ab Montag ist der Klimagarten öffentlich zugänglich.
Kaspar Enz
Das Futtergras der Zukunft? Juanita Schläpfer (links) und Viola Thiel im Klimagarten an der HSR. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Das Futtergras der Zukunft? Juanita Schläpfer (links) und Viola Thiel im Klimagarten an der HSR. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Draussen ist es noch frisch. Im kleinen Treibhaus ist die Hitze mit Jacke kaum auszuhalten. «Das ist das kühlere der zwei», sagt Viola Thiel, Landschaftsarchitektin an der Rapperswiler Fachhochschule HSR. 28 Grad heiss ist es. Das könnte im Jahr 2085 die durchschnittliche Sommertemperatur sein in der Schweiz. Drei Grad wärmer als heute – wenn die Menschheit ernst macht mit dem Klimaschutz.

Was sonst geschieht, erfährt man im Treibhaus daneben: 31 Grad heiss ist hier, das merken auch die Pflanzen im Klimagarten. Es sind hauptsächlich Pflanzen, die in Schweizer Wiesen, Feldern und Gärten heimisch sind: Sumpfdotterblumen oder Basilikum, Mais oder Zuckerrüben, Erbsen oder Weizen.

Erwärmung zu schnell für Pflanzen


Zwei Monate lang wachsen sie in den beiden Gewächshäusern auf dem Gelände der HSR, direkt am Zürichsee. Oder eben nicht. Denn der Klimawandel wird die Pflanzenwelt der Schweiz verändern. Wärmere und kältere Perioden habe es zwar schon immer gegeben. «Aber so schnell wurde es noch nie so viel wärmer. Die Pflanzen können sich nicht so schnell anpassen», sagt Juanita Schläpfer. Sie ist Wissenschaftskommunikatorin am Plant Science Center, dem Zentrum für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich und der Unis Zürich und Basel.

Die Idee kam bei der Gartenarbeit

«2011 fragte mich meine Tochter bei der Gartenarbeit, was wohl im Garten wachse, wenn sie selber alt sei», sagt Schläpfer. So entstand die Idee für den Klimagarten. Der soll die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflanzenwelt darstellen. «Ein genaues wissenschaftliches Experiment ist es zwar nicht», meint sie. «Aber es macht den Klimawandel erlebbar.»

Das habe das Experiment allen wissenschaftlichen Messungen und Zahlenreihen voraus: «Wenn man etwas selber erfährt, kann man es auch besser verstehen.»

Positives Echo

2016 baute Schläpfer den ersten Klimagarten in Zürich auf. Einige ähnliche Projekte sind seither entstanden und geplant, auch in San Francisco oder Brasilien.

Und auch an der HSR hat der Klimagarten ein positives Echo ausgelöst. Ab Montag ist er für zwei Monate geöffnet. Mehrere Schulen haben sich schon angemeldet. «Und die Studenten sind Feuer und Flamme», sagt Viola Thiel, die den Klimagarten an der HSR betreut. Sie bringt auch die Sicht der Landschaftsarchitektur ein. «Wir haben auch Pflanzen hier, die oft für Garten- und Parkgestaltung eingesetzt werden.» Auch die wird sich anpassen müssen: «Buchsbäume werden es schwer haben. Und der Bergahorn wird sein Verbreitungsgebiet nach Norden verschieben.»

Nicht nur ihm wird es in der Schweiz bald zu heiss. «Auch Zuckerrüben würden in ein paar Jahrzehnten eher in Norddeutschland gut wachsen», sagt Juanita Schläpfer. «Und der Weizen bringt weniger Ertrag. Dafür ist er schneller reif.» Besser gedeihen dürfte der Mais. «Und auch Soja findet bei uns dann bessere Bedingungen. Man müsste weniger davon importieren.»

Auch Wiesen- und Gartenpflanzen sind Teil des Klimagartens.

Auch Wiesen- und Gartenpflanzen sind Teil des Klimagartens.

Neue Pflanzen braucht das Land

Schwierig werde es für die herkömmlichen Futtergräser. So wachsen im Klimagarten auch Pflanzen, die bei uns noch eher unbekannt sind. Eine Süssgras-Art etwa. «Aufgrund ihrer runden Halme und Wurzeln kann sie das Wasser besser speichern», sagt Schläpfer.

Oder Teff. Die Hirseart liefert das Mehl für äthiopische Fladenbrote. Sie wird jetzt intensiver erforscht, und liegt im Trend – das Teff-Mehl ist glutenfrei. «Wenn es wärmer und trockener wird, könnte Teff dereinst auch in der Schweiz wachsen», sagt Schläpfer. Der Klimagarten könnte einen Hinweis geben. «Aber die Pflanze ist recht fein und knickt schnell ein.» Anfällig für die Art von Sommerstürmen, die mit der Hitze zunehmen könnten. «Aber das können wir hier nicht simulieren.»

Klimagarten

Montag um 17.15 Uhr wird der Klimagarten an der HSR Rapperswil offiziell eröffnet. Es referieren Prorektor Alex Simeon und die Initiantin des Klimagartens, Juanita Schläpfer. Ebenfalls auftreten wird Andreas Fischlin von der ETH, Mitempfänger eines Friedensnobelpreises. Der Klimagarten ist bis Ende Mai zu den Öffnungszeiten der HSR zugänglich. Im Rahmen des Klimagartens finden verschiedene Führungen statt. Es gibt auch Angebote für Schulklassen und Kinder.
Programm unter: www.hsr.ch/de/die-hsr/aktuell/im-fokus/

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