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KLERUS: Herde entrüstet über ihren Hirten

Die Priester sind zu konservativ. Laien werden zurückgedrängt. Diese Vorwürfe erhebt der Verein für eine offene Kirche gegen das Erzbistum Vaduz. Mit einem Herdenbrief reagiert er auf den Hirtenbrief von Erzbischof Wolfgang Haas.
Günther Meier
Erzbischof Wolfgang Haas verweigert seit einigen Jahren die Zelebration der Feldmesse am Staatsfeiertag. (Bild: Günther Meier (15. August 2010))

Erzbischof Wolfgang Haas verweigert seit einigen Jahren die Zelebration der Feldmesse am Staatsfeiertag. (Bild: Günther Meier (15. August 2010))

Günther Meier

ostschweiz@tagblatt.ch

Ausgehend von der Wort- und Bildüberflutung der heutigen Zeit spricht sich Liechtensteins Erz­bischof Wolfgang Haas in seinem Hirtenbrief dafür aus, mehr zu schweigen. Welche Bedeutung das Schweigen haben könnte, erläutert er mit einem Wort Jesu aus der Bibel: «Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden.» Jesus habe sich nicht in nutzlose Diskussionen eingelassen, gibt sich er sich überzeugt, sondern sich jedem ausufernden Dialog verweigert.

Auf den Punkt gebracht, von Jesus zur heutigen Kirche, betont Erzbischof Haas: «Die Kirche ist also kein Debattierclub!» Dieser Satz löste beim Verein für eine offene Kirche, der sich als kritisches Forum gegen das Erzbistum Vaduz versteht, Entrüstung aus. Der Verein schrieb daraufhin einen «Herdenbrief» mit der Begründung, wo es einen Hirtenbrief gebe, müsse es auch einen Herdenbrief geben. Wenn der Erz­bischof im Hirtenbrief auf zwanzig Seiten über das Schweigen spreche, entrüstet sich der Verein, werde offensichtlich, dass der oberste Hirte der liechtensteinischen Kirche den Dialog mit der Kirche ablehne. Mehr noch, er verweigere sich schon seit mehreren Jahren «einem lebendigen Austausch mit den Gläubigen, den Medien und der Öffentlichkeit».

Der Herdenbrief möchte den Klerikern des Erzbistums einen Spiegel vorhalten, die offensichtlichen Probleme und Fehlentwicklungen im Erzbistum ansprechen. Der Verein für eine offene Kirche, der schon kurz nach der umstrittenen Errichtung des Erzbistums Vaduz im Jahr 1997 aus der Taufe gehoben wurde, kritisiert vor allem die «starke Klerikalisierung». Erzbischof Haas habe bereits 60 Kleriker aus dem ganzen deutschsprachigen Raum eingegliedert und rühme sich damit, keinen Priestermangel zu kennen. Für den Verein für eine offene Kirche ist dies jedoch kein Ruhmesblatt, sondern ein schwerwiegendes Problem: Alle diese Kleriker stammten aus einem betont konservativen Milieu, und viele seien theologisch und pädagogisch ungenügend ausgebildet, was in der Seelsorge und im Religionsunterricht immer wieder zu schwerwiegenden Problemen führe.

Seelsorger weichen in andere Bistümer aus

Auf der anderen Seite, wird weiter kritisiert, habe das Erzbistum die in anderen Bistümern üblichen Laien, Diakone und vor allem Pastoralassistentinnen zurückgedrängt. Ausserdem seien liechtensteinische Seelsorger in diesem Umfeld nicht erwünscht, weshalb sie in andere Bistümer ausgewichen seien.

Aus dem Herdenbrief erschallt ein «Ruf zur Umkehr» und zu einer «grundlegenden Änderung». Als erstes fordert der Verein für eine offene Kirche die Umsetzung der Reformen von Papst Franziskus und die Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Bischofskonferenz, um das Erzbistum aus seiner Isolation zu lösen. Ferner wird die Ablösung von Generalvikar Markus Walser gefordert, der als Kirchenrechtler, der «von oben herab doziere», wenig geeignet sei, mit den Pfarreien seelsorgerisch zusammenzuarbeiten. Zudem sollten neue Strukturen geschaffen werden, damit die Zusammenarbeit mit den Pfarreiangehörigen verstärkt werden könnte, um wieder eine aktive Mitarbeit von Gläubigen zu erreichen.

Kirche und Staat sollen besser zusammenarbeiten

Schliesslich erhebt der Verein die Forderung, dass das Erzbistum konstruktiver mit dem Staat zusammenarbeiten sollte. Indirekt wird dem Erzbistum unterstellt, an der Zusammenarbeit mit Staat und Gemeinden kein grosses Interesse zu haben, denn solange das Staatskirchenrecht nicht modernisiert sei, würden die Kleriker aus den Steuertöpfen der Gemeinden bezahlt. In der Tat liegt seit Jahren ein Paket von Gesetzen für die Entflechtung von Staat und Kirche vor, das aber bisher noch nicht umgesetzt werden konnte.

Es umfasst ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl, eine Verfassungsänderung und ein Religionsgemeinschaftengesetz. Alles zusammen würde die derzeitige Stellung der römisch-katholischen Kirche massiv tangieren, die insbesondere ihren in der Verfassung festgelegten Status als Landeskirche verlieren würde. Kritiker vermuten, dass das Erzbistum deshalb keine Eile mit einer Entflechtung habe, weil mit dem Status der Landeskirche die Gemeinden praktisch vollumfänglich für die Kosten des Kirchenwesens aufkommen.

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