Kleines Mädchen als Sexsklavin missbraucht: St.Galler Kantonsgericht glaubt Beschuldigtem nicht und bestätigt Schuldsprüche

Zu fünf Jahren Gefängnis war ein Mann vor dem St.Galler Kreisgericht verurteilt worden. Dies, weil er gemeinsam mit seiner Partnerin ein kleines Kind sexuell missbraucht haben soll. Vor Kantonsgericht verlangte der Mann eine mildere Strafe. Das Gericht wies die Berufungsklage jedoch ab.

Claudia Schmid
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Das betroffene Mädchen trug massive psychische Schäden durch den Missbrauch davon.

Das betroffene Mädchen trug massive psychische Schäden durch den Missbrauch davon.

Bild: Getty

Ein deutscher Staatsangehöriger hatte sich gegen ein Urteil gewehrt, welches vom Kreisgericht St.Gallen im März 2018 gefällt wurde. Nun hat das Kantonsgericht die Schuldsprüche der Vorinstanz vollumfänglich bestätigt.

Haftstrafe leicht reduziert

Mit seinem Urteil sprach das Kantonsgericht den 55-jährigen Beschuldigten wegen sexueller Handlung mit einem Kind, mehrfacher Anstiftung zu sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Pornografie und mehrfacher Anstiftung zu Pornografie schuldig. Das Strafmass änderte es im Gegensatz zur Vorinstanz leicht ab. Es reduzierte die unbedingte Freiheitsstrafe von 5 auf 4 3⁄4 Jahre, sprach aber zusätzlich eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Franken aus.

Damit hat das Kantonsgericht auch die Strafe grundsätzlich bestätigt. Einzig bei den Pornografiedelikten ohne Bezug zum missbrauchten Kind musste das Kantonsgericht aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Geldstrafe statt Haft aussprechen. Der Beschuldigte wird sich einer vollzugsbegleitenden ambulanten Massnahme unterziehen müssen. Für die Dauer von zehn Jahren ist ihm jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, verboten. Während des Tätigkeitsverbots wird Bewährungshilfe angeordnet. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Opfer war erst vier Jahre alt

Gemäss Anklage der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte in den Jahren 2014/15 verschiedene Sexual- und Pornografiedelikte begangen haben. So hätten er und seine damalige Freundin in Anwesenheit von deren damals gut vierjährigen Tochter den Geschlechtsverkehr vollzogen. Auch habe er die Kindsmutter immer wieder dazu aufgefordert, sexuelle Handlungen mit der Tochter vorzunehmen. Dabei soll er die Mutter mehrfach veranlasst haben, das Ganze mit Bildern und Videos festzuhalten und ihm zukommen zu lassen. Neben diesen Aufnahmen fand man auf seinen elektronischen Geräten auch Mediendateien mit brutaler sexueller Gewalt und sexuellen Handlungen mit Tieren.

Obsessive Beziehung geführt

Die Mutter des missbrauchten Mädchens war von der Vorinstanz zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Sie hatte die Vorwürfe gegen sie bestätigt und das Urteil akzeptiert. Die Beziehung zum Beschuldigten bezeichnete sie an der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung als obsessiv. Sie habe sich völlig auf ihn fixiert und gewollt, dass sie sich durch ihn aufgehoben und beschützt fühle. Als Mutter sei sie sehr unsicher gewesen und habe gedacht, er könne auch ihre Tochter beschützen und es sei gut, wenn ihr Kind auf sexuelle Handlungen mit ihm vorbereitet werde.

Der Mann bestritt hingegen einen Grossteil der Anklagepunkte. Er und die Beschuldigte hätten eine intensive sexuelle Beziehung ausgelebt, in der Sadomasochismus eine Rolle gespielt habe. Mit dem sexuellen Missbrauch des Mädchens habe er nichts zu tun. Für diesen sei allein die Mutter verantwortlich. Sie habe ihre Tochter in diese Beziehung einbinden wollen. In den Chat-Nachrichten, die sie ausgetauscht hätten, habe er über keine realen Absichten geschrieben, sondern über «abstrahierte Fantasien». Die Frau habe ihm ungefragt Bilder von ihrer Tochter geschickt, die er nicht gewollt habe

Genugtuung für das Opfer

Das Kantonsgericht St.Gallen glaubte seinen Unschuldsbeteuerungen nicht. Er muss dem Opfer eine Genugtuungssumme bezahlen. Die Kosten, die er für das Untersuchungs- und die beiden Gerichtsverfahren zu bezahlen hat, betragen rund 95'000 Franken.

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