KLEIDERSTREIT: Wellness mit Burkini

Ein Badegast der Tamina Therme in Bad Ragaz ärgert sich über Frauen in Ganzkörper-Badeanzug. Der Geschäftsführer versteht die Aufregung nicht. In St.Margrethen gibt es dagegen ein Verbot.

Thomas Schwizer
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In der Schweiz entscheiden die Betreiber von Bädern, ob sie Burkinis erlauben oder nicht. (Bild: PD)

In der Schweiz entscheiden die Betreiber von Bädern, ob sie Burkinis erlauben oder nicht. (Bild: PD)

Thomas Schwizer

ostschweiz@tagblatt.ch

«Burkinis sind nicht hygienisch und entsprechen nicht der üblichen Badebekleidung, die in der Badeordnung festgeschrieben ist», ärgert sich eine Leserbrief-Schreiberin im «Werdenberger & Obertoggenburger». Sie bemängelt, dass die Tamina Therme in Bad Ragaz die Ganzkörperanzüge duldet. Gemäss Geschäftsführer Daniel Grünenfelder werden Burkinis in den Baderegeln nicht ausgeschlossen. Sie würden mehr Haut verdecken als ortsübliche Badekleidung und seien daher moralisch nicht anstössig. «Die Diskussion am Wort ‹üblich› aufzuhängen, zieht das Thema von einer sachlichen auf eine rassistisch-emotionale Ebene», sagt Grünenfelder. Da Burkinis aus Badetextilien gefertigt seien, gebe es aus hygienischer Sicht keine Bedenken.

Mit der kaufkräftigen Kundschaft aus arabischen Ländern habe die Erlaubnis nichts zu tun: «Aus unserer Sicht spricht kein Argument gegen das Tragen eines Burkinis», so Grünenfelder. Das Gesicht dürfe jedoch aus Sicherheitsgründen nicht verschleiert werden. Trotz arabischer Gäste in den Grand Hotels würden nur vereinzelte Badegäste einen Burkini tragen. «Als international agierendes Unternehmen appellieren wir an die Vernunft unserer Badegäste, dass das Tragen eines Burkinis die einzige Möglichkeit ist, wie Gäste aus entsprechendem Kulturkreis von einem Bad in unserem Thermalwasser profitieren können.»

Anders ist die Einstellung des Mineralheilbades St. Margrethen, das im Oktober letzten Jahres nach einem Totalumbau neu eröffnet worden ist. Hier hält die Badeordnung klar fest: «Nicht erlaubt sind Ganzkörperanzüge.» Auf Anfrage heisst es: «In unserer Badewelt bewegen sich die Gäste in Badehose, Bikini oder Badeanzug, wobei die Saunawelt eine textilfreie Zone ist.» Mit Blick auf die Badegäste wurde entschieden, das Tragen von Ganzkörperanzügen zu untersagen. Und noch konkreter: Um den Besucherinnen und Besuchern des Mineralheilbades «die Leistungsversprechen Erholung und Entspannung garantieren zu können, legen wir Wert darauf, dass entsprechend der hiesigen Kultur gebadet und sauniert wird». Zwar sei es schon vorgekommen, dass der Wunsch der Badbenützung mit Burkini geäussert wurde. Nach der Erläuterung des Standpunktes des Mineralheilbades sei dieser dann akzeptiert worden.

«Wir wollen niemanden ausgrenzen»

Das Erlebnisbad Säntispark Abtwil erlaubt die Nutzung der Anlagen mit Burkini, was aber laut Nathalie Brägger, Projektleiterin Kommunikation, sehr selten vorkommt. Bedingung ist, dass diese Anzüge aus Badestoff bestehen. «Der Säntispark steht allen Gästen offen, wir wollen niemanden ausgrenzen», lautet die Devise. Zwar würden Gäste im Burkini sicher von anderen «angeschaut», aber es gebe keine Reklamationen.

Erst seit dem Jahr 2000 kamen unter dem Namen «Sharia Swimsuit» oder «Swimming Hijab» die ersten Ganzkörper-Badeanzüge für Musliminnen auf den Markt. In Mitteleuropa werden sie Burkini genannt. Inzwischen wird in einzelnen Fachgeschäften und in Onlineshops eine breite Palette dieser Badebekleidung angeboten. In der Schweiz entscheiden die Betreiber von Bädern selbständig, ob sie Burkinis erlauben oder nicht. Das ist nach Ansicht der Fachstelle Integration der Stiftung Mintegra in Buchs richtig. Wichtig sei, dass die geltenden Regeln von den jeweiligen Bädern klar kommuniziert würden.