Klares Nein zu Fahrenden

Gossau will keinen Durchgangsplatz. Die Stimmbürger haben die Umzonung zwischen Gossau und St. Gallen mit 57 Prozent deutlich abgelehnt. Die Suche nach einem Halteplatz geht weiter.

Angelina Donati
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Nicht erwünscht: Zwischen Gossau und St. Gallen dürfen Fahrende mit ihren Wohnwagen auch in Zukunft nicht halt machen. (Bild: Ralph Ribi)

Nicht erwünscht: Zwischen Gossau und St. Gallen dürfen Fahrende mit ihren Wohnwagen auch in Zukunft nicht halt machen. (Bild: Ralph Ribi)

GOSSAU. Die Grundhaltung im Kanton St. Gallen gegenüber Schweizer Fahrenden hat sich nicht verändert. Vor zwei Jahren lehnten die Bürger in Thal einen Durchgangsplatz für Fahrende ab. Gestern sprach sich nun auch Gossau mit 57 Prozent gegen die Umzonung aus, die für das Erstellen eines Durchgangsplatzes nötig gewesen wäre. Die Stimmbeteiligung lag bei 45 Prozent.

Parlament war dagegen

Geplant war im Industriegebiet zwischen Gossau und St. Gallen eine Parzelle von knapp 2000 Quadratmetern in die Intensiverholungszone umzuzonen. Von Frühling bis Herbst hätten dort in erster Linie Schweizer Fahrende mit rund zehn Wohnwagen für höchstens einen Monat halten dürfen. Wie der Gossauer Stadtrat mehrmals betonte, handelte es sich um eine kostendeckende Lösung.

Im September 2015 sprach sich das Gossauer Stadtparlament mit 18 zu 12 Stimmen gegen das Vorhaben aus. Danach wurde unter Federführung der SP Gossau-Arnegg ein Initiativkomitee gegründet. Innert weniger Wochen waren über 1000 Unterschriften zusammen, nötig gewesen wären 700. Daraufhin gelangte die Vorlage vors Volk.

Problem bleibt bestehen

Auch wenn sich für Gossau oder auch für Thal die Sache nach dem Abstimmungsentscheid erledigt hat, bleibt der Notstand für Fahrende bestehen. Im Jahr 2006 verabschiedete die Regierung ein Konzept, das im Kanton St. Gallen sechs Durchgangsplätze vorsieht. Allerdings konnte bislang kein einziger realisiert werden.

50 Halteplätze fehlen

Obwohl andere Kantone, etwa Aarau oder Graubünden, verschiedene Plätze anbieten und damit eine Vorreiterrolle einnehmen, ist das Problem schweizweit akut. Aktuell gibt es laut der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Dachorganisation der Jenischen, im ganzen Land 31 Durchgangsplätze. Nötig wäre aber fast das Dreifache, nämlich 80 Plätze, wie aus Studien der Radgenossenschaft herausgeht. Auch Standplätze gebe es zu wenige.

Auf positives Signal gehofft

Dementsprechend gross dürfte die Enttäuschung und der Unmut der Betroffenen nun gegenüber dem Entscheid der Gossauer sein. Die Jenischen hatten grosse Hoffnung auf die Abstimmung in Gossau gesetzt. Ein Ja wäre ein positives Signal gewesen, sozusagen ein Durchbruch für die schwierige Suche nach Haltemöglichkeiten in der Ostschweiz, schreibt Florian Kobler, Co-Präsident des Komitees «Ja zur Initiative Durchgangsplatz» und Fraktionspräsident der SP Gossau-Arnegg.