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Klanghaus: Der Schock ist überwunden

Eine Interessengruppe aus dem Toggenburg macht sich für eine Neuauflage des Kulturprojekts stark. Das Parlament hatte es sang- und klanglos versenkt. Die Regierung hält sich bedeckt.
Regula Weik
Blick in einen der geplanten Räume des Klanghauses Toggenburg. (Bild: Visualisierung: PD)

Blick in einen der geplanten Räume des Klanghauses Toggenburg. (Bild: Visualisierung: PD)

Die Wolken hängen tief und grau an diesem Morgen. So wie an jenem Märzabend, als das St. Galler Kantonsparlament das Klanghaus Toggenburg versenkte. Und das, obwohl mehr Befürworter als Gegner im Saal sassen. Es waren zu wenige; das Kulturprojekt verpasste das notwendige qualifizierte Mehr. Das Toggenburg war konsterniert. Der 1. März 2016 gilt im Tal seither als schwarzer Tag. Doch der Schock ist überwunden. Die Region rappelte sich auf und raufte sich zusammen, um dem restlichen Kanton zu beweisen: Das Toggenburg will das Klanghaus.

Das tat auch not. In und um die Parlamentsdebatte war wiederholt der Vorwurf zu hören gewesen, das Tal engagiere sich zu wenig für das Vorhaben. So wurde eine IG Klanghaus gegründet mit heute 1400 Mitgliedern, eine Petition wurde lanciert mit 10000 Unterzeichnern – und es wurde eine Taskforce gebildet. Sie hat in den vergangenen Monaten das Projekt Klanghaus «wesentlich weiterentwickelt und optimiert zu Gunsten des Kantons», wie es an der gestrigen Medienkonferenz hiess, nahe des geplanten Standorts am Schwendisee oberhalb von Wildhaus.

Zu abgeschottet, zu elitär, zu teuer

Die Kosten waren ein Stolperstein für das Klanghaus. Das jährliche Betriebsdefizit von 325000 Franken war Anlass für den einen oder andern Misston gewesen. Hier setzte die Taskforce den Hebel an. So soll die Nutzung des Klanghauses ausgeweitet werden; damit tritt die Interessengruppe dem Vorwurf von «abgeschottet und elitär» entgegen. Neu soll das Haus auch Vereinsabenden, Seminaren, Firmenanlässen offen stehen – «wenn Klang in deren Programm einen Platz findet», sagt Max Nadig, Präsident von Toggenburg Tourismus.

Das Haus wird «zugänglicher», das Betriebsdefizit dank zusätzlicher Einnahmen geringer. Darüber hinaus ist die Standortgemeinde Wildhaus-Alt St. Johann bereit, ihren jährlichen Betriebsbeitrag zu erhöhen. Jener des Kantons verringert sich damit um gut 100000 Franken jährlich. Die Taskforce erhofft sich von der breiteren Nutzung auch einen grösseren wirtschaftlichen Effekt für die Region. Die Rede ist von 5,3 Millionen Franken mehr Wertschöpfung.

Viel zu reden hatten auch die Zufahrt und die fehlenden Parkplätze gegeben. Die Schwendi werde nicht zum Grossparkplatz, sagt Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, klipp und klar. «Es werden hier oben nicht Hunderte von Parkplätzen gebaut.» Besucherinnen und Besucher sollen das Auto im Tal unten abstellen. Wie gelangen sie hinauf zum Klanghaus? Zu Fuss; der Wanderweg führt am Haus vorbei. Oder mit dem Rufbus; ein solcher wird neu organisiert – auf Kosten der Gemeinde. Und es wird ein Parkleitsystem eingeführt.

Nur minim tiefere Kosten für den Kanton

Die Architektur des Klanghauses bleibt unverändert. Auch ein anderer Standort steht nicht zur Debatte. «Das Klanghaus steht am Schwendisee am richtigen Ort», sagt Mathias Müller, Stadtpräsident von Lichtensteig und Präsident von Klangwelt Toggenburg. Allerdings soll es besser ins gesamte Schwendi-Gebiet mit dessen Pensionen, Hotels, Gastrobetrieben eingebettet werden.

Bei aller Entlastung für den Kanton: Die Kosten werden sich insgesamt nur minim verkleinern. Der Kanton wird auch bei einem neuen Anlauf 19 Millionen Franken leisten müssen; 5 Millionen sollen wie bisher private Gönner und Stiftungen beisteuern. Aktuell laufen Gespräche mit den Gemeinden im Tal über eine allfällige Anschubfinanzierung.

Im März hat die Taskforce das überarbeitete Konzept der Regierung übergeben – verbunden mit der Erwartung, dass die neue Klanghaus-Vorlage bis im Sommer 2018 dem Parlament zugeleitet wird. «Das Projekt ist reif. Nun ist die Regierung am Zug», sagt Gemeindepräsident Züllig. «Wir lassen nicht locker», sagt Müller. Das Engagement der Region sei spürbar, die 10000 Petitionsunterschriften seien ein probates Druckmittel. Wie stehen die Chancen für eine rasche Neuauflage? Die Unterlagen würden derzeit geprüft, sagt Regierungsrat Martin Klöti. Die Regierung werde danach eine inhaltliche Stellungnahme abgeben und das weitere Vorgehen darlegen, so der Kulturminister. «Dabei wird auch der ungefähre Zeitplan klar werden.» Der Aufbruchstimmung der Klanghaus-Begeisterten tut diese wenig präzise Antwort keinen Abbruch.

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