KLANGHAUS: Bewegung aus der Schockstarre

Sechs Monate nach der Niederlage im Kantonsrat regt sich eine Interessengemeinschaft für das Toggenburger Prestige-Projekt. 4000 Personen haben eine Petition unterschrieben.

Michael Hug
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Anfang 2017 soll ein überarbeitetes Projekt für das Klanghaus Toggenburg vorliegen. (Bild: Nightnurse Images (Visualisierung))

Anfang 2017 soll ein überarbeitetes Projekt für das Klanghaus Toggenburg vorliegen. (Bild: Nightnurse Images (Visualisierung))

Am 1. März, nach der Schlussabstimmung in der Frühlingssession des Kantonsrats, war das Klanghaus Toggenburg klinisch tot. Doch man vergass den Patienten in der Intensivstation. Dort liegt er noch immer, und im Toggenburg war schon in den Tagen nach dem Aus im Kantonsrat klar, dass man den Entscheid so nicht hinnehmen wollte. Denn aus Sicht der Klanghaus-Befürworter war der Entscheid rein formeller Natur – und nicht aus der Wägung von Mehrheiten entstanden.

Nach wenigen Tagen ergriffen Interessenvertreter aus der Region die Initiative und bildeten eine Task-Force. Drei Monate später trat die Gruppierung an die Öffentlichkeit, diskutierte mit der Bevölkerung im Toggenburg an einem Workshop Ideen und Vorschläge und lancierte eine Petition. Es waren jene Kräfte, die das Projekt aus der Schockstarre lösten. Die damals noch «da capo Klanghaus» benannte Initiative hat nun Konturen bekommen. Sie heisst nun «Klanghaus 2.0» und hat zum Ziel, das Projekt im nächsten Jahr nochmals den politischen Weg gehen zu lassen.

Gespräch mit den Schlüsselfiguren

Die Fäden der Task Force in der Hand hat Lichtensteigs Stadtpräsident und Neo-Kantonsrat Matthias Müller, der auch Präsident der Klangwelt Toggenburg ist. Er sagt: «Für die Petition pro Klanghaus Toggenburg haben wir bis jetzt 4000 Unterschriften vorwiegend im Toggenburg gesammelt. In den nächsten Tagen werden wir das Sammelgebiet erweitern und unter anderem in der Stadt St. Gallen eine Aktion machen. Zugleich werden Freiwillige in allen Regionen des Kantons auf Sammeltour gehen.» Ende Oktober werde die Aktion abgeschlossen.

Die Petition sei die eine Schiene, so Müller, eine zweite sei das Gespräch mit den Schlüsselfiguren: «Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat mit dem Toggenburger Christian Gressbach einen Marktforscher der HTW Chur zu den wichtigsten Leuten von Politik, Tourismus und einheimischer Kulturszene geschickt, um herauszufinden, welches die Argumente der Kritiker gegen das Projekt sind.» Gleichzeitig wurden alle Zeitungsberichte, Leserbriefe und Dokumente für eine umfassende Auslegeordnung ausgewertet. Müller zu Gressbachs Studie: «Bei den Politikern waren die Betriebskosten der Knackpunkt, in der öffentlichen Wahrnehmung eher die Baukosten.»

Ein weiterer kritisierter Aspekt sei der Kreis der Nutzer des Klanghauses und dessen Betrieb gewesen. Auf grundsätzliche Ablehnung stosse das Projekt aber eigentlich nirgends. Von allen Seiten, auch von den Kritikern, sei immer wieder gesagt worden, dass man es sich durchaus vorstellen könne, das Projekt nochmal durch den politischen Prozess zu bringen, sofern gewisse Anpassungen gemacht würden. «Auch weil durch alle Kreise hindurch anerkannt ist, dass das Resultat durch die Abwesenheit einiger Kantonsrätinnen und Kantonsräte recht unglücklich zustande gekommen ist und das Volk damit keine Möglichkeit hatte mitzubestimmen», sagt Müller. In einer grossen Expertenrunde mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Fachleuten und der Klangwelt Toggenburg habe man dann nach Lösungen für ein revidiertes Projekt gesucht. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wolle man nun gezielt nutzen: «Wir müssen unter anderem Nutzung und Zugänge überdenken und besser kommunizieren. Und vielleicht kann man auch den volkswirtschaftlichen Nutzen noch steigern.» Auch über die Finanzierung von Betrieb und Investitionen mache sich die Gruppe Gedanken.

Kantonsregierung nicht involviert

Ziel sei, so Müller, dem Regierungsrat im Januar 2017 ein überarbeitetes Projekt vorzulegen – mit der Hoffnung, dass es dann im Lauf des kommenden Jahres nochmals in den Kantonsrat kommt. Bis dahin bleiben in den beiden betroffenen Departementen Bau und Inneres alle Prozesse sistiert. Will heissen: Zurzeit ist ausschliesslich die Task-Force am Projekt-Relaunch Klanghaus 2.0 dran, auch Regierungspräsident Martin Klöti ist derzeit nicht involviert. Auch in der Warteposition befinden sich Mäzene und Stiftungen, die substanzielle Beiträge an die Investitionskosten versprochen haben. An die Öffentlichkeit treten wollen diese vorderhand nicht.