Klanghaus als Zentrum der Toggenburger Klangwelt

Die St.Galler Regierung wirbt für den Bau des Klanghauses am Schwendisee im oberen Toggenburg. Mit einem Ja am 30. Juni erhalte die regionale Klangkultur ein international ausstrahlendes Zentrum. Profitieren soll auch der Tourismus.

Marcel Elsener
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Was lange währt, wird endlich gut – so gut, dass niemand mehr etwas dagegen hat. Beim zweiten Anlauf fürs Klanghaus Toggenburg, drei Jahre nach der Ablehnung im Kantonsrat, sieht es ganz danach aus, wenn der Baukredit

von 22,3 Millionen Franken zusammen mit dem Campus Platztor der Universität St.Gallen vors Volk kommt. Zwar hat die SVP die Nein-Parole beschlossen, doch ist kein Widerstand laut geworden und hat sich im Gegensatz zum Sanierungsprojekt fürs Theater St. Gallen bis dato kein gegnerisches Komitee gebildet.Die Kämpfe sind längst ausgetragen, die Kräfteverhältnisse im Kantonsrat nunmehr klar: Nach dem «Betriebsunfall» von 2016 – bei 56 Ja, 43 Nein, 6 Enthaltungen und 15 Abwesenden wurde das nötige Mehr (61) um 5 Stimmen verpasst – stimmte das Parlament diesen Februar der Vorlage mit 87:21 Stimmen zu.

Entsprechend zuversichtlich warb am Dienstag der Kanton als Bauherr für das seit über 15 Jahren gehegte Vorhaben. Gleich drei Regierungsräte, Kulturchef Martin Klöti, Bauchef Marc Mächler und Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann (CVP), empfahlen das besser verankerte und finanziell entschlackte Bauprojekt am Schwendisee oberhalb von Unterwasser. Am Standort in der sensiblen Naturschutzlandschaft hat sich ebenso wenig verändert wie am Holzbau des im März verstorbenen Zürcher Architekten Marcel Meili und seines Büropartners Markus Peter, unterstützt von den Frauenfelder Architekten Stauffer & Hasler.

Entscheidend anders gegenüber der ersten Vorlage ist der Ansatz, das Klanghaus nicht mehr als Monolith hinzustellen, sondern als harmonisches Zentrum der regionalen Klangwelt mit Klangweg und Klangschmiede zu definieren. Im Toggenburg spiele die Musik schon sehr lange eine zentrale Rolle, nun setze der Kanton dort zurecht einen kulturellen Schwerpunkt, sagte Klöti. Der ausgetüftelte Bau entspreche mit vier Klangräumen einem «begehbaren Instrument» und sei international «unvergleichlich». Die laut Mächler «intensiv betriebene» Verankerung lässt sich mit den 10000 Unterschriften einer Petition, vor allem aber mit Geldern belegen – im Toggenburg wurden über zwei Millionen Spenden gesammelt.

Stiftung übernimmt Betriebskosten

Die private Stiftung Klangwelt übernimmt nun eine Million der Investitionskosten und mittels eines Fonds von über fünf Millionen Franken die Betriebskosten. Damit entfallen für den Kanton die berüchtigten «wiederkehrenden Kosten» – ein Schlüssel zum Erfolg, der letztlich der SVP-Fraktion zu verdanken sei, so Klöti. Das Klanghaus kann von bis zu 80 Musizierenden benützt werden; gemäss der teils bereits vor Ort im (Abbruch-)Hotel Seegüetli angebotenen Kurse dürfte es rasch ausgebucht sein. Das Haus soll aber auch zur Attraktion für die breite Bevölkerung werden und als Teil der «KlangSchwendi» den Tourismus ankurbeln. Toggenburg und Klang seien «schon fast Synonyme», erklärte Damann den Slogan «Toggenburg klingt gut». Die drei Regierungsräte werben in den nächsten Wochen «on the road» im Ringkanton für das pfannenfertige Vorhaben. Stimmt die Bevölkerung zu, kann das Klanghaus ab 2021 gebaut und 2023 eröffnet werden. Bereits nächste Woche eingeweiht wird ein weiteres Element der Klangwelt: der «Klang Escape Room». (mel)