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Ostschweizer Ärztinnen und Ärzte fühlen sich ungerecht entlöhnt - ecken jedoch mit ihrer Forderung an

Ostschweizer Ärzte werden für gleiche medizinische Leistungen schlechter abgegolten als ihre Kollegen in andern Kantonen. Nun schlagen sie Alarm – und stossen auf Unverständnis.
Regula Weik
Ostschweizer Ärzte dürfen Medikamente an die Patienten abgeben; ihren Westschweizer Kollegen ist dies untersagt. (Bild: Ralph Ribi)

Ostschweizer Ärzte dürfen Medikamente an die Patienten abgeben; ihren Westschweizer Kollegen ist dies untersagt. (Bild: Ralph Ribi)

Westschweizer Ärzte können für die gleichen medizinischen Tätigkeiten wesentlich höhere Rechnungen stellen als ihre Ostschweizer Kollegen. Die Situation ist nicht neu. Die Tarife driften zwischen der Ost- und der Westschweiz seit Jahren auseinander. Doch nun haben die Ostschweizer Ärztinnen und Ärzte genug von dieser «Ungerechtigkeit». Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie für die gleiche Leistung bis zu 15 Prozent schlechter entschädigt würden, sagte Jürg Lymann gegenüber unserer Zeitung. Der Chefarzt Gynäkologie aus Walenstadt präsidiert die Konferenz der Ostschweizer Ärztegesellschaften. Diese hat deshalb die Verträge zu den regionalen Taxpunktwerten per Ende Jahr gekündigt (Ausgabe vom 6. Juli). Lymann war sich bewusst, dass ihr Anliegen mancherorts Kopfschütteln auslösen könnte. Wie kommen Ärzte dazu, sich über ihre Löhne zu beklagen? Ausgerechnet Ärzte! Das Unverständnis folgte denn auch auf dem Fuss.

Es sei eine «Frechheit» der Ärzte zu behaupten, sie verdienten zu wenig, sagt Margrit Kessler, ehemalige oberste Schweizer Patientenschützerin und St.Galler Nationalrätin. «Sie verlangen den Fünfer und das Weggli: Sie geben selber Medikamente ab, und nun wollen sich noch einen höheren Taxpunktwert», ärgert sie sich. Die Medikamentenabgabe sei lukrativ. Die meisten Ärzte in der Ostschweiz verdienten «einen Drittel ihres Lohns» mit der Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente. «In der Westschweiz gibt es dieses Zusatzeinkommen für Ärzte nicht», sagt Kessler. «Eine Anhebung des Tarmed-Tarifs wäre dann richtig, wenn die Ostschweizer Ärzte auf die Medikamentenabgabe verzichteten. Wenn sie das nicht tun, ist ein solcher Schritt nicht gerechtfertigt und ungerecht.»

Bundesrat scheiterte mit Abgabeverbot

Die ärztliche Medikamenten- abgabe ist kantonal geregelt. In 17 von 19 Deutschschweizer Kantonen – darunter alle Ostschweizer – dürfen die Ärzte Medikamente an ihre Patientinnen und Patienten abgeben. Anders in der Westschweiz sowie in den Kantonen Basel-Stadt und Aargau: Dort verfügen die Apotheken über ein Medikamentenabgabe-Monopol. In Graubünden ist die Abgabe von Medikamenten in der Arztpraxis in ländlichen Regionen erlaubt, nicht aber in Städten. Eine solche Regelung hatte vor einigen Jahren auch dem Bundesrat vorgeschwebt: Er wollte die Medikamentenabgabe durch die Ärzte verbieten; die Kantone sollten aber Ausnahmebewilligungen erteilen können, so dass etwa Ärzte in Randregionen weiterhin Medikamente abgeben dürfen. Das Ansinnen blieb chancenlos.

Ein Verbot bedeute pro Arzt 30 Prozent weniger Einkommen, hatte damals Jacques de Haller, Präsident der Ärzteverbindung FMH, argumentiert. «Das ist teils ein Berufsverbot.» Anders der damalige Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, Thomas Zeltner. «Es gilt, falsche Anreize auszumerzen», begründete er das Ansinnen des Bundesrats. Viele Ärzte würden zu viele Medikamente verordnen, um ihr Einkommen zu verbessern; jährlich würden Unmengen Medikamente weggeworfen.

«Ärzte können grenzenlos Medikamente abgeben»

Auch Ursula Steineberg, Vorstandsmitglied des Vereins Apotheken Thurgau, ärgert sich über das Klagelied der Ärzte. Sie verweist auf den Kanton Wallis: Dort dürfen Ärzte keine Medikamente abgeben, und der dortige Taxpunktwert liege aktuell tiefer als jener in der Ostschweiz. Die Walliser Ärzte müssten demnach «ärmer» dran sein – klaglos. Steineberg ist überzeugt: «Apotheken sind eine Kostenbremse.» Denn Ärzte könnten «grenzenlos» Medikamente abgeben und würden dies teils auch tun – da dies ein willkommener und lukrativer Zusatzverdienst sei.

Für die Medikamentenabgabe durch die Apotheken spricht laut Margrit Kessler auch die Patientensicherheit. «Sie ist höher, wenn Rezepte ausgestellt werden, weil dann das Vier-Augen-Prinzip erfüllt ist.» Apothekerin Steineberg geht mit Kessler einig: Es könnten beim Verschreiben von Medikamenten immer Fehler passieren, sei es bei der Dosierung, sei es, weil Wechselwirkungen mit andern Arzneien übersehen werden – Fehler, welche dem Apotheker auffallen können. Im Ausland, so Kessler, gelte deshalb vielerorts die Regelung: Wer verschreibt, verkauft nicht.

Patienten scheinen die Medikamentenabgabe durch den Arzt zu schätzen. Das zeigen Volksentscheide. In Zürich wurde ein Abgabeverbot für Ärzte dreimal abgelehnt, in Schaffhausen gilt seit Anfang Jahr im ganzen Kanton die uneingeschränkte ärztliche Medikamentenabgabe. Die Meinungen darüber, ob der Prämienzahler damit günstiger oder teurer fährt, gehen auseinander. Bequemlichkeit versus Kosten: Auf dieses Dilemma des Prämienzahlers angesprochen stellt Steineberg nüchtern fest: «Er geht auch wegen eines Hustens auf den Notfall.»

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