Im Kanton St.Gallen bleiben die Kitas offen: So reagiert die St.Galler Regierung auf die neuen Massnahmen des Bundes

Der grösste Ostschweizer Kanton hält sich im Kampf gegen das Corona-Virus strikt an die Vorgaben des Bundes.

Christoph Zweili
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Anders als andere Kantone schliesst der Kanton St.Gallen die Kitas nicht.

Anders als andere Kantone schliesst der Kanton St.Gallen die Kitas nicht.

Thomas Kienzle/AP
Heidi Hanselmann.

Heidi Hanselmann.

Michel Canonica

«Es sind einschneidende Massnahmen, die der Bundesrat am Montagabend kommuniziert hat. Aber niemand hat gesagt, dass es einfach werden wird», sagt Heidi Hanselmann, die St.Galler Gesundheitschefin. Der Bundesrat hat am Montag die Kantone im Kampf gegen das Corona-Virus verpflichtet, für Kinder, die nicht privat betreut werden können, die notwendigen Betreuungsangebote zu schaffen. Kindertagesstätten dürfen gemäss Bundesrat nur geschlossen werden, wenn andere geeignete Betreuungsangebote bestehen. Es gibt mehrere Kantone, die die Kitas schliessen. «Wir halten uns aber strikt an die Vorgaben des Bundes», sagt die St.Galler Regierungspräsidentin.

Die Frage der Kindertagesstätten sei gestern an diversen Fachkonferenzen im Vorfeld der Bekanntgabe der ausserordentlichen Lage durch den Bundesrat diskutiert worden. Hanselmann sagt:

«Es sollen für alle unisono die gleichen Regelungen gelten.»

Natürlich sei es für Kinder schwierig Distanz zu halten. Steckten sie sich mit dem Virus an, sei es in der Verantwortung der Eltern, die Kinder nicht mit den Grosseltern in Kontakt zu bringen. Ihr dringendster Appell: «Es muss uns gelingen, dass die gefährdete Gruppe der über 65-Jährigen nicht hospitalisiert wird». Man müsse diese Altersgruppe schützen, «aber sie sich selber auch».

Derweil läuft der Aufbau der Strukturen für die Betreuung von schulpflichtigen Kindern von arbeitstätigen Eltern in der Schule «auf Hochtouren». Das grosse Ziel ist und bleibe die Verlangsamung der Ansteckungswelle, sagt Hanselmann.

«Je weniger Leute sich treffen, umso weniger rasant steigt die Kurve der Corona-Infizierten an.»

Ein verlangsamter Anstieg der Kurve sei wichtig, «damit die Gesundheitseinrichtungen genügend Personen mit erhöhtem Risiko behandeln können». Die Regierung des Kantons St.Gallen begrüsse daher die verschärften Massnahmen des Bundesrates.

Aktuell zählt der Kanton St.Gallen 47 bestätigte Fälle von Personen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Die Regierung erachtet es deshalb als zentral, dass man die soziale Distanz von zwei Metern wenn immer möglich einhält. Zudem gilt: Personen über 65 Jahre und andere Personen der Risikogruppe müssen sich selber schützen. Sie rät diesen Risikopersonen deshalb dringend, zu Hause zu bleiben und Angehörige um Unterstützung zu bitten.

Die Regierung ist beeindruckt vom sozialen Engagement der St.Galler Bevölkerung und dankt für das Engagement vieler Menschen in den Gemeinden, den Schulen, im Quartier oder im Betrieb, die ihre Hilfe anbieten. Um die Koordination der Hilfe noch zu verstärken, hat die Regierung zusammen mit den Gemeinden beschlossen, die regionalen Führungsstäbe mit der Vermittlung von Hilfesuchenden und Hilfeleistenden zu beauftragen. Die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinden werden bis Ende Woche per Brief informiert, wo sie sich melden können.

Kantonaler Führungsstab richtet zentrale Hotline ein

In den letzten Tagen und Wochen haben sich Tausende Personen beim Kanton gemeldet. Sie suchen Antworten auf gesundheitliche, schulische, betriebliche oder sonstige Fragen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Viele Fragen lassen sich jedoch nicht nur von einem Amt beantworten, sondern haben Schnittstellen zu anderen Ämtern. Die Regierung hat deshalb entschieden, die Telefon-Hotline auszubauen, wie sie in einem Communiqué mitteilt.

Arbeitnehmende unterstützen

Die St.Galler Regierung rät Unternehmen, die von den verschärften Massnahmen des Bundesrates unmittelbar betroffen sind und aufgrund der Pandemie massive Umsatzeinbrüche verzeichnen, Kurzarbeitsgesuche beim Amt für Wirtschaft und Arbeit einzureichen. Zudem appelliert sie an die Banken, die Liquidität ihrer Kunden sicherzustellen. Die Regierung weist die Arbeitgeber auch nochmals darauf hin, dass sie verpflichtet sind, für alle Arbeitnehmende das «Social Distancing» zu ermöglichen und Risikogruppen zu schützen.

Unterstützung durch Armee

Der Bundesrat hat den Kantonen am Montag zudem den Einsatz der Armee angeboten. Stand heute hat der Kanton St.Gallen kein Gesuch um Unterstützung der Armee eingereicht. Es ist aber möglich, dass sie dies in den kommenden Wochen noch tun wird, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.