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Kirche soll gastfreundlich bleiben

Im März demonstrierte die Allianz «Es reicht!» in St. Gallen gegen die Churer Bistumsleitung. Nun hat sie einen offenen Brief an die Bischofskonferenz verfasst. Die Theologin Regula Grünenfelder nennt den Grund.
Richard Clavadetscher
Regula Grünenfelder Bildungsbeauftragte Schweizerischer Katholischer Frauenbund (Bild: pd)

Regula Grünenfelder Bildungsbeauftragte Schweizerischer Katholischer Frauenbund (Bild: pd)

Frau Grünenfelder, die Allianz «Es reicht!», der auch Sie angehören, hat einen offenen Brief an die Bischofskonferenz gesandt. Diese soll das bereits erstellte Grundsatzpapier «Normen zum Empfang der Eucharistie» nicht veröffentlichen. Warum ist dieses Papier denn ein Problem?

Regula Grünenfelder: Wir kennen zwar den Wortlaut dieses Papiers nicht, wir stützen uns hier ganz auf Generalvikar Josef Annen, der offensichtlich mehr weiss und Alarm geschlagen hat.

Was steht auf dem Spiel?

Grünenfelder: Es gibt die gelebte Realität von Mischehen zwischen Reformierten und Katholiken. Und es gibt ein Bedürfnis bei diesen reformierten Ehepartnern, zur Eucharistie zu gehen, weil sie sich der Kirche und dem Geschehen in der Eucharistie verbunden fühlen. Dies steht auf dem Spiel.

Regula Grünenfelder Bildungsbeauftragte Schweizerischer Katholischer Frauenbund (Bild: pd)

Regula Grünenfelder Bildungsbeauftragte Schweizerischer Katholischer Frauenbund (Bild: pd)

Wie ist denn die aktuelle Situation in der katholischen Kirche?

Grünenfelder: Das ist nun eben die eucharistische Gastfreundschaft. Es gibt die Einladung, an der Kommunion teilzunehmen, wenn diese Menschen, die nicht zur katholischen Kirche gehören, Christus in Gestalt des Brotes empfangen wollen. Diese nun wirklich nicht revolutionäre Möglichkeit hat die Kirche, und sie hat sie bisher auch genutzt.

Diese Regelung haben Bischof Henrici und der damalige evangelische Kirchenratspräsident Ruedi Reich vor anderthalb Jahrzehnten erarbeitet, nicht!?

Grünenfelder: Das ist so. Es gibt dazu auch eine reflektierte theologische Praxis. Kardinal Kurt Koch sagte dazu einmal, die bisher gelebte Praxis gebe Ansporn, weiter daran zu arbeiten, noch ungeklärte Fragen der Ökumene zu klären.

Sind Sie denn sicher, dass der Inhalt des Papiers Ihre Befürchtungen bestätigt? Es ist ja lediglich Generalvikar Josef Annen, der seine Befürchtungen öffentlich gemacht hat.

Grünenfelder: Man muss die Person von Josef Annen kennen. Wenn er auf diese Art etwas öffentlich sagt, dann ist etwas daran. Er kennt die Realitäten. Und er ist ein sehr vertrauenswürdiger Mann, der aufgrund seiner Art in der ganzen Kirche Anerkennung findet.

Sollte die gegenwärtig praktizierte eucharistische Gastfreundschaft fallen, sehen Sie religiösen Fanatismus Raum greifen in unserem Land. Ist das nicht etwas gar alarmistisch?

Grünenfelder: Sogar das Kirchenrecht sieht bei der Sakramentenspendung vor, dass die Bischöfe die ökumenische Situation und Praxis ihrer Kirche vor Ort ernst nehmen. Es gibt Raum für Verschiedenheit in Verbundenheit. Unnötig und sogar gefährlich ist dagegen der Fanatismus, der sagt: Es gibt nur eine richtige Überzeugung, deshalb müssen alle, die aus guten Gründen andere Überlegungen einbringen, gemassregelt und ausgegrenzt werden.

Sie äussern die Hoffnung, dass die katholische Kirche die Ergebnisse der vatikanischen Umfrage zu Ehe, Familie und Partnerschaft bei ihrem Wirken berücksichtigt. Was heisst dies konkret?

Grünenfelder: Nach seiner Amtseinsetzung war diese Umfrage eine der ersten Massnahmen von Papst Franziskus. Dazu gibt es im Herbst eine Synode der Bischöfe in Rom. Es geht dort um Fragen des Zusammenlebens, der Ehe, der Verhütung. Falls in diesem bischöflichen Schreiben die sogenannten irregulären Situationen Thema werden sollten – also etwa, dass nicht zur Eucharistie darf, wer künstlich verhütet –, falls dem also so sein sollte, scheint es uns unverantwortlich, wenn die Schweizer Bischofskonferenz dieser dann weltweit geführten Diskussion vorgreift.

Die Frage ist doch auch, wie frei die Schweizer Bischofskonferenz in solchen Dingen entscheiden kann. Es ist ja nicht so, dass es da keinerlei Vorgaben gäbe.

Grünenfelder: Wir sagen in unserem offenen Brief, dass man an der jetzigen ökumenischen Tradition Mass nehmen soll. Zu dieser Tradition, zu diesen Möglichkeiten innerhalb des Kirchenrechts gibt es inzwischen ja genug Literatur, die die Schweizer Bischöfe berücksichtigen können. Übrigens hat beim Begräbnis von Papst Johannes Paul II. etwa auch der reformierte Frère Roger, der das ökumenische Zentrum Taizé ins Leben rief, die Kommunion erhalten. Dies zeigt: Es ist also möglich!

Ihre Allianz «Es reicht!» hat ja schon am 9. März in St. Gallen für eine barmherzige und weltzugewandte katholische Kirche demonstriert. Bischof Markus Büchel hat Ihre Forderungen entgegengenommen, aber passiert ist seither nichts. Wie ernst genommen fühlen Sie sich?

Grünenfelder: Bischof Markus hat sich dafür bedankt, dass die vielen Leute ihren Sonntag für dieses Anliegen gaben. Das ist ein wichtiges Zeichen! Zudem hat sich in der Zwischenzeit etwas verändert in der Kommunikation des Bistums Chur. Es gibt nicht mehr diese stossenden Äusserungen von früher.

Aber mit Ihrer Forderung, im Bistum Chur einen Administrator einzusetzen, sind Sie bisher nicht durchgedrungen. Haben Sie noch Hoffnung?

Grünenfelder: Aber sicher! Zudem: Immer nur das zu tun, was garantiert Erfolg verspricht, das ist meines Erachtens keine christliche Haltung.

Allianz-Demonstration auf dem St. Galler Klosterplatz Anfang März: Kritik an der Churer Bistumsleitung und an möglichen Rückschritten bei der Eucharistie. (Bild: Urs Jaudas)

Allianz-Demonstration auf dem St. Galler Klosterplatz Anfang März: Kritik an der Churer Bistumsleitung und an möglichen Rückschritten bei der Eucharistie. (Bild: Urs Jaudas)

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