Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KIOSK-STERBEN: Zigaretten und Zeitungen ziehen nicht mehr: Das harte Geschäft am Kiosk

Der Kult-Kiosk an der Mühleggbahnstation ist nicht der einzige, der aus St.Gallen verschwindet. Vor allem private Betreiber spüren den Umbruch in der Branche. Sie haben es schwer, sich gegen den Kiosk-Konzern Valora zu behaupten.
Linda Müntener
Der Kiosk bei der Bergstation der Mühleggbahn ist eine Institution. Er schliesst Ende Woche. (Bild: Sabrina Stübi)

Der Kiosk bei der Bergstation der Mühleggbahn ist eine Institution. Er schliesst Ende Woche. (Bild: Sabrina Stübi)

Nach 56 Jahren ist Schluss. Der Kult-Kiosk neben der Mühleggbahn-Bergstation in St.Gallen schliesst. Kein Bier für den Feierabend mehr, keine Süssigkeiten für den Badi-Besuch, keine Zeitung auf dem Weg zur Bahnstation. Am Samstag öffnet Kioskfrau Klara Krüsi ihren Laden zum letzten Mal. Die Nachricht bewegt. Vor allem im Quartier. «Der Kiosk war wichtig für uns», kommentiert eine Leserin. Dennoch: Die Betreiberin Valora hält an ihrem Entscheid fest. Der Kiosk wird aufgegeben. Er rentiert nicht mehr.

Die Kiosk-Branche ist im Wandel. Deshalb hat Valora ihre Standorte in den vergangenen Jahren aufgefrischt, sich auf sogenannte "kleinformatige Ladenkonzepte" ausgerichtet. Heutzutage gibt's in vielen "K-Kiosken" nebst Süssigkeiten und Zigaretten auch Kaffee und Gipfeli. Man kann sein Handy aufladen oder Pakete abholen. Valora betreibt in der Schweiz 1182 Verkaufsstellen, 60 davon im Kanton St.Gallen. Dazu gehören auch Marken wie Avec, Brezelkönig oder Spettacolo. Kioske betreibt Valora schweizweit rund 800.

Valora sitzt überall dort, wo viel Publikum ist – an Bahnhöfen, Flughäfen, Bushaltestellen. Trotzdem geht der Wandel nicht spurlos an der Kiosk-Kette vorbei. Wie viele Standorte in den vergangenen Jahren geschlossen wurden, gibt Valora auf Anfrage nicht bekannt. Ein Blick ins Archiv aber zeigt: Der Kult-Kiosk bei der Mühleggbahn ist nicht der erste, der aus St.Gallen verschwindet. Valora hat in den vergangenen Jahren etwa den Kiosk in der Brühltor-Unterführung geschlossen. Das Presse-Center an der Multergasse machte im Jahr 2015 ebenfalls dicht.

Das Presse-Center in der Multergasse wurde 2015 geschlossen. (Bild: Reto Voneschen)

Das Presse-Center in der Multergasse wurde 2015 geschlossen. (Bild: Reto Voneschen)

Veränderte Umstände hätten zu diesem Entscheid geführt, hiess es seitens der Betreiberin damals. «Wir überprüfen unsere Verkaufsstellen auf ihre Wirtschaftlichkeit», sagt Mediensprecher Lukas Mettler. Sollte diese nicht gegeben sein, suche Valora nach Lösungen, um die Verkaufsstelle weiter rentabel zu betreiben. Ob in nächster Zeit weitere Kioske aus der Ostschweiz verschwinden werden, gibt Mettler nicht bekannt. "Eine Schliessung ist immer das letzte Mittel."

Den privaten Kiosken bleibt nur die zweite Reihe

Hansluz Nussbaum ist Präsident des Schweizerischen Kioskinhaber-Verbands. (Bild: pd)

Hansluz Nussbaum ist Präsident des Schweizerischen Kioskinhaber-Verbands. (Bild: pd)

Dass sich die Umstände verändert haben, spüren vor allem private Kioskbetreiber. Während Valora an den gut frequentierten Orten ihre Kioske betreibt, bleibt den Privaten meist nur die zweite Reihe: Nebenstrassen, ausserhalb des Zentrums, klassische "Quartierkioske" eben. "Würde ich einen Kiosk am Zürcher Hauptbahnhof betreiben, hätte ich weniger Sorgen", sagt Hansluz Nussbaum. Er ist Präsident des Schweizerischen Kioskinhaber-Verbands und betreibt seit 1987 einen Kiosk am Dorfplatz in Sarnen. Dem Verband gehören 130 Kioske an, 14 davon aus dem Kanton St.Gallen. Die Mitglieder teilen alle dieselben Probleme: Das einstige Standbein ihres Geschäfts - der Verkauf von Zigaretten und Zeitungen - ist seit Jahren rückläufig. "Heute ist kaum noch jemand bereit, für Nachrichten zu bezahlen. Geschweige denn, dafür zum Kiosk zu laufen", sagt Nussbaum. Die sinkenden Printverkäufe seien aber nicht das einzige Problem. Auch die Margen bei den Tabakwaren schwinden, gleichzeitig gehen die Verkaufszahlen zurück.

Lotto und Lose bringen Kundschaft

Wie viele private Kioske in den vergangenen Jahren zugemacht haben, kann Nussbaum nur schwer in Zahlen fassen. Er spricht aber von einem "Kiosk-Sterben". Dessen Gründe seien ähnlich wie jene des "Lädeli-Sterbens": gesellschaftlicher Wandel, verändertes Einkaufsverhalten, Digitalisierung. Wer sich als privater Kioskbetreiber über Wasser halten wolle, müsse sein eigenes Konzept finden. Die einen stellen vor ihrem Laden ein paar Stühle und Tische auf, die anderen verkaufen Take-Away-Essen. "Ein Patentrezept gibt es nicht", sagt Nussbaum. Das hänge immer vom Standort ab. Jedem Kioskbetreiber empfiehlt der Verbandspräsident aber den Los- und Lottoverkauf. Die Provision "hält sich zwar im Rahmen", ein Lottostand bringe aber Kundschaft - und das mit vergleichsweise geringem Aufwand.



Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.