KINDERWUNSCH: Sturm im Reagenzglas

Martina und Emil Koller aus Wolfhalden haben in den vergangenen Tagen mit ihrem Spendenaufruf Aufsehen erregt. Trotz negativer Reaktionen im Netz sammeln sie weiter.

Arcangelo Balsamo
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Die Familie Koller vor ihrem Einfamilienhaus in Wolfhalden, aus dem sie auf keinen Fall ausziehen möchte. (Bild: Urs Bucher)

Die Familie Koller vor ihrem Einfamilienhaus in Wolfhalden, aus dem sie auf keinen Fall ausziehen möchte. (Bild: Urs Bucher)

Arcangelo Balsamo

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@ appenzellerzeitung.ch

Die achtmonatige Alina sitzt putzmunter auf dem Boden des Wohnzimmers. Direkt daneben hat ihr Vater Emil Koller Platz genommen. «Wir müssen sie abstützen, sonst fällt sie nach hinten um», sagt er. Man merkt schnell, dass sich bei Familie Koller alles um das kleine Mädchen dreht. Ihre Zeugung war eine langwierige Geschichte, die letztlich nur dank künstlicher Befruchtung geklappt hat. Dies liege aber nicht etwa am Alter des Ehepaars, sondern an einem kleinen, operativen Eingriff, den man bei ihm während seiner Schulzeit durchgeführt habe, erklärt der 47-jährige Logistiker.

«Zu Beginn unserer Ehe haben wir mehrere Jahre versucht, auf normalem Weg ein Kind zu zeugen. Es hiess ständig, dass wir Geduld haben müssten. Irgendwann wollten wir jedoch Gewissheit und haben die nötigen medizinischen Tests durchgeführt», erklärt die 45-jährige Martina Koller. «Der Urologe teilte mir danach mit, dass eine Chance auf einen Lottosechser höher sei als eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg», sagt Emil Koller und fügt an, dass dies bereits so gewesen wäre, als er sich in den Mittzwanzigern befand.

Zu dieser Zeit kannten sich die beiden jedoch noch nicht. «Ich hatte die Hoffnung, den richtigen Mann zu finden, schon begraben und mich voll auf meine Karriere konzentriert. Dann lief er mir über den Weg», erinnert sich Martina Koller, die schon seit eh und je zwei Kinder wollte. Direkt nach der Geburt von Alina habe sie geglaubt, dass die Nachwuchsplanung abgeschlossen sei. «Vier Monate später spürte ich aber, dass ich noch ein weiteres Baby möchte.» Das Paar unternahm den Versuch, ein weiteres Mal mittels In-vitro-Fertilisation Nachwuchs zu bekommen. Dieser blieb jedoch erfolglos.

Kein Problem mit negativen Reaktionen

Für einen weiteren Anlauf hätten sie derzeit zwar das Geld, doch würde es mit der Schwangerschaft tatsächlich klappen, würde es danach knapp werden. «Schliesslich braucht das zweite Kind auch ein Bett, einen Schrank und so ­weiter», sagt Martina Koller. Aus diesen Gründen habe sie vor einigen Wochen die Idee mit dem Spendenaufruf gehabt. «Dass wir nun damit in der Zeitung gelandet sind, war nicht in unserem Sinn», sagen sie. «Es ist ein nicht alltäglicher Grund, aber sonst wird doch heutzutage auch für alles Mögliche ein Crowdfunding gestartet», sagt Emil Koller. Dass ihr Spendenaufruf nicht bei allen gut ankommen würde, sei ihnen von Anfang an bewusst gewesen. Die negativen Reaktionen im Netz stören sie allerdings nicht. «Im Internet lassen sich leicht Dinge schreiben, ohne dass man seinen Namen preisgeben muss», sagt der Familienvater und fügt an, dass er und seine Frau für sachliche Gespräche zur Thematik offen seien. «Allgemein ist uns a­bsolute Transparenz wichtig bei der Aktion. Für uns ist klar, dass wir die Spender auf dem Laufenden halten, wenn sie dies möchten.»

Ob sie einen Versuch starten, bevor sie das angestrebte Ziel von 13'000 Franken erreichen, werden sie situativ entscheiden. «Aber wir hoffen natürlich, den gesamten Betrag sammeln zu können», sagt Emil Koller. Um dies zu erreichen, waren sie bereits gestern wieder unterwegs in St.Margrethen, wo sie weitere Exemplare ihres Schreibens in fremde Briefkästen eingeworfen haben.

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