Kindergärtler kommen allein

ST. GALLEN. «Wir stehen nicht in Konkurrenz zu den grossen Bibliotheken der Stadt St. Gallen», sagt Monika Hertler, Leiterin der Quartierbibliothek St. Georgen. Bei ihrem Angebot von 6167 Medien handle es sich um eine Ergänzung und Entlastung für die Bibliotheken der Stadt.

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Die Bibliotheksfrauen Monika Hertler (63), Esther Hertler (54) und Beatrice Edelmann (61, von links). (Bild: Michel Canonica)

Die Bibliotheksfrauen Monika Hertler (63), Esther Hertler (54) und Beatrice Edelmann (61, von links). (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. «Wir stehen nicht in Konkurrenz zu den grossen Bibliotheken der Stadt St. Gallen», sagt Monika Hertler, Leiterin der Quartierbibliothek St. Georgen. Bei ihrem Angebot von 6167 Medien handle es sich um eine Ergänzung und Entlastung für die Bibliotheken der Stadt.

«Ein Stück Heimat»

Hertler ist davon überzeugt, dass das Buch so nahe wie möglich am Benutzer sein sollte. Erst recht in St. Georgen, einem Quartier mit Dorfcharakter. «Ich habe das Gefühl, dass die Leute für ihre Besorgungen zunehmend kurze Distanzen zurücklegen möchten. Deshalb wird die Bibliothek geschätzt, sie hält das Quartier lebendig.» Dem stimmt die 70jährige Benutzerin Mira Baldegger zu: «Die Bibliothek befindet sich gleich vor der Tür – sie ist ein Stück Heimat.»

Zur Ausleihe können Kinder bereits ab Kindergartenalter selbständig kommen. «Das Angebot ist überschaubar und die Kinder kennen uns Bibliothekarinnen – das schafft Vertrauen», sagt Hertler. Dies hat auch damit zu tun, dass die Quartierbibliothek seit November 2013 von der Primarschule St. Georgen als Schulbibliothek genutzt wird. Die acht Bibliothekarinnen freuen sich darüber: Der Begegnungsort Bibliothek lasse damit verschiedene Generationen aufeinandertreffen. «Auch wir kommen in Kontakt mit den Kindern. Das bedeutet uns viel.» Die Frauen arbeiten unentgeltlich und waren massgeblich an der Entstehung der Bibliothek beteiligt. Monika Hertler etwa war bereits bei der Gründung vor 18 Jahren mit dabei. «Die Bibliothek ist wie mein drittes Kind», sagt sie.

Den Saal mit dem Chor geteilt

In den ersten Jahren musste sich die Bibliothek den ehemaligen Pfarrsaal der katholischen Kirche mit dem Kirchenchor teilen. Deshalb brauchte es verschiebbare Bücherregale. Diese stellten die Männer der Bibliotheksfrauen gleich selber her. «Das Durchhalten hat sich gelohnt», sagt Hertler. Seit 2006 gehört der Raum der Bibliothek alleine – die Regale nutzt sie noch immer.

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