KINDERDORF TROGEN: Ein Selfie mit Sommaruga

Bundesrätin Simonetta Sommaruga ist beeindruckt, wie Appenzell Ausserrhoden minderjährige Flüchtlinge betreut. Sie ass gestern mit den Jugendlichen im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen Gehacktes und Hörnli.

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Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Jugendlichen an der Kantonsschule Trogen. (Bild: Ralph Ribi)

Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit Jugendlichen an der Kantonsschule Trogen. (Bild: Ralph Ribi)

«Die Buben und jungen Männer haben sehr viel erlebt. Hier im Kinderdorf sind sie gut aufgehoben und können zur Ruhe kommen», sagte die Bundesrätin gestern Mittag vor den Medien. Sie sei beeindruckt, wie der Kanton Appenzell Ausserrhoden die anspruchsvolle Aufgabe der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern angehe.

Sie habe beim gemeinsamen Mittagessen junge Menschen kennen gelernt. «Eigentlich sind sie noch Buben», sagte Sommaruga. Einer sei erst acht Monate in der Schweiz und könne bereits sehr gut Deutsch. «Ein Jugendlicher sagte mir, er wolle Arzt werden, um helfen zu können.» Es sei wichtig, dass die Jugendlichen gut betreut und ausgebildet werden. «Eine rasche Integration der jungen Menschen liegt im Interesse von uns allen», sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz– und Polizeidepartements.

Kantone fordern mehr Geld

Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) fordert mehr Geld für die Betreuung der Flüchtlinge, insbesondere für diejenige von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen, welche viel mehr Unterstützung brauchen. Heute bekommen die Kantone pro Person eine einmalige Integrationspauschale von 6000 Franken und eine Tagespauschale von 50 Franken pro Tag – gleichviel wie für die Betreuung erwachsener Flüchtlinge. Das reiche bei weitem nicht, heisst es seitens der KdK. Bei der Unterbringung und Betreuung der jungen Flüchtlinge entstünden für die Kantone jährlich ungedeckte Kosten von mindestens 60 bis 70 Millionen Franken. Der Bundesrat sei derzeit dabei, eine Lösung zu suchen, sagte Sommaruga. Bund, Kantone und Gemeinden müssten zusammenarbeiten. Die Betreuung für einen Jugendlichen kostet in Appenzell Ausserrhoden pro Tag rund 100 Franken. 50 Franken bekommt der Kanton vom Bund, der Rest wird von den Gemeinden (90 Prozent) und vom Kanton (10 Prozent) finanziert. Flüchtlingsbetreuung sei eine Verbundaufgabe, sagte Matthias Weishaupt, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales: «Wir kümmern uns so gut wie möglich um die Jugendlichen, die Kostenfrage steht dabei nicht im Zentrum.»

Im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen leben zurzeit 18 jugendliche Asylbewerber, zehn Kinder werden bei Pflegefamilien oder in Wohngruppen betreut. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat für die Unterbringung der Jugendlichen zwei Häuser von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi gemietet. (sda)