Kinder und Jugendliche tragen das höchste Risiko: Wie sich die Sozialhilfebezüge im Kanton St.Gallen entwickelt haben

Die Fachstelle für Statistik hat Kennzahlen der Sozialhilfebezüge des Kantons St.Gallen veröffentlicht. Die Daten zeigen: Während die Bezüge bei jungen Erwachsenen sinken, ist eine deutliche Zunahme bei Älteren Menschen zu beobachten.

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Die Auswertung des Kantons zeigt auf, dass insgesamt 6227 Privathaushalte 2018 mindestens einmal Leistungen der finanziellen Sozialhilfe der Gemeinde beansprucht haben.

Die Auswertung des Kantons zeigt auf, dass insgesamt 6227 Privathaushalte 2018 mindestens einmal Leistungen der finanziellen Sozialhilfe der Gemeinde beansprucht haben.

Christian Beutler / KEYSTONE

Zahlen und Fakten zur Sozialhilfe im Kanton St.Gallen

  • Im Jahr 2018 haben im Kanton St.Gallen insgesamt 10'941 Personen finanzielle Sozialhilfeleistungen der Gemeinden bezogen.
  • Das sind 322 Personen weniger als im Vorjahr und entspricht einer Abnahme um 2,9 Prozent.
  • Erster Rückgang im Kanton St.Gallen seit 10 Jahren.
  • Die Sozialhilfequote liegt unverändert bei 2,2 Prozent.
  • Die Sozialhilfequoten der Gemeinden sind bei grösserer Besiedlungsdichte tendenziell höher. Überdurchschnittliche Sozialhilfequoten sind insbesondere bei Gemeinden mit Zentrumsfunktion festzustellen.

Sinkende Zahlen bei jungen Erwachsenen, Zunahme bei den Älteren

(tn) Die Zahl der unterstützten 18- bis 25-Jährigen sei seit Beginn der Statistik im Jahr 2005 um einen Viertel gesunken, stärker als in allen anderen Altersgruppen, vermeldet der Kanton St.Gallen in einer Medienmitteilung. Die Anzahl unterstützter Personen von 56 bis 64 Jahren stieg hingegen kontinuierlich und habe sich zwischen 2005 und 2018 mehr als verdoppelt. Daraus folge:

«Durch diese Zunahme trägt die Bevölkerung zwischen 50 und 64 Jahren mittlerweile ein gleich hohes Sozialhilferisiko wie die Gesamtbevölkerung.»

Die Personengruppen von 56 bis 64 und ab 65 Jahren seien die einzigen, die 2018 nicht vom allgemeinen Rückgang der Fallzahlen betroffen waren, sondern weiter zugenommen hätten, wobei die Personengruppe ab 65 Jahren zahlenmässig nach wie vor auf niedrigem Niveau sei.

Kinder und Jugendliche tragen das höchste Sozialhilferisiko

Weiter heisst es im Communiqué, dass Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0-17 Jahren mit 3,4 Prozent die höchste Sozialhilfequote aufweisen würden. Die Altersgruppe im Primarschulalter von 5 bis 12 Jahren sei dabei besonders betroffen, 2018 lag deren Sozialhilfequote bei 4,2 Prozent.

«Dass das Sozialhilferisiko der 5- bis 12-Jährigen überdurchschnittlich ist, hängt wohl auch damit zusammen, dass die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls noch minderjährige Geschwister zu haben, vergleichsweise hoch ist», so der Kanton. Mehrere minderjährige Kinder zusammen würden wiederum eine grössere finanzielle Belastung für die Familien und auch Einschränkungen hinsichtlich der Erwerbsbeteiligung bedeuten.

2,9 Prozent aller privaten Haushalte bezogen finanzielle Sozialhilfe der Gemeinde

Die Auswertung der Daten zeige weiter auf, dass insgesamt 6227 Privathaushalte 2018 mindestens einmal Leistungen der finanziellen Sozialhilfe der Gemeinde beansprucht haben. Dies entspreche rund 2,9 Prozent aller privaten Haushalte des Kantons. Je nach Haushaltstyp bestünden jedoch deutliche Unterschiede:

«Eineltern-Haushalte tragen mit 17,6 Prozent ein sechsfach höheres Sozialhilferisiko.»

Die Mehrheit der Unterstützten hat ausser der Sozialhilfe keinerlei Einkünfte

«Im Jahr 2018 bezogen 56,5 Prozent der Unterstützungseinheiten in Privathaushalten ihren Lebensunterhalt ausschliesslich aus der Sozialhilfe und verfügten folglich über keinerlei zusätzliche Einkommensquellen», bilanziert der Kanton weiter. Dies seien fünf Prozentpunkte mehr als noch 2007. Diese Zunahme hänge zusammen mit dem Anstieg der Nichterwerbspersonen unter den Sozialhilfebeziehenden.

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