Bildungsoffensive: Der Kanton St.Gallen will die Kinder digital fit machen

Der Kanton St. Gallen kann die IT-Bildungsoffensive starten. Noch ist nicht im Detail klar, wie viel Geld in welche Projekte fliessen wird. Diese müssen nun zuerst konkretisiert werden.

Regula Weik
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Informatik-Ferienkurs für Primarschüler, dabei lernen sie die Grundlagen des Programmierens. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 4. Oktober 2017))

Informatik-Ferienkurs für Primarschüler, dabei lernen sie die Grundlagen des Programmierens. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 4. Oktober 2017))

Der Kanton St. Gallen ist nicht bekannt dafür, dass er dick aufträgt. Doch im Vorfeld der Abstimmung über die IT-Bildungsoffensive hat er es getan. Ungewohnt unbescheiden hat er die Bemühung als «absolut einzigartig in unserer Schweiz» gelobt. Es gebe keinen Kanton, der nur ansatzweise mit solch einem Projekt unterwegs sei und derartige Veränderungen herbeiführen wolle. Er würde sich nicht wundern, wenn andere Kantone einzelne Elemente der IT-Bildungsoffensive «abkupfern, kopieren und ebenfalls umsetzen» würden, sagt denn auch der St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker nach der deutlichen Zustimmung zum 75-Millionen-Sonderkredit für digitale Projekte.

Es ist keineswegs so, dass die anderen Kantone keine Anstrengungen im IT-Bereich unternehmen. Der Kanton Tessin hat vergangenen Sommer ein Konzept für 47 Millionen vorgelegt. Genf konkretisierte im November seine IT-Visionen. Schaffhausen präsentierte im Dezember die Umsetzung der Informatikstrategie. Dennoch ist die st. gallische Offensive derzeit schweizweit einzigartig: Sie umfasst alle Bildungsstufen. Mit dem Geld werden während acht Jahren Projekte von der Volksschule über die Berufsbildung bis zu den Fachhochschulen und der Universität finanziert.

Jedes Projekt wird der Regierung vorgelegt

Die klare Zustimmung der St. Galler Stimmberechtigten hatte sich abgezeichnet. Doch sie ist keineswegs selbstverständlich. Das weiss auch Bildungschef Kölliker. Denn: Noch ist nicht im Detail klar, wohin wie viel Geld fliessen wird, welche Projekte konkretisiert und wann sie umgesetzt werden. Das liegt nicht am Planungsunvermögen oder am fehlenden Planungswillen des Bildungsdepartements. Es ist der Materie selber geschuldet. Digitalisierung ist nicht statisch, und acht Jahre – auf diese Dauer ist die IT-Bildungsoffensive ausgelegt – sind in der digitalen Welt eine schiere Ewigkeit. «Die Entwicklungen sind nicht vorhersehbar», sagt denn auch Kölliker. Daher sei die IT-Bildungsoffensive in vielen Teilen noch unkonkret, viele Fragen im Detail noch nicht geklärt. «Nur so können wir adäquat auf Veränderungen in der digitalen Welt reagieren.» Der Bildungschef versichert: «Jede einzelne Massnahme, jedes einzelne Projekt wird der Regierung vorgelegt, von ihr überprüft und freigegeben.» Die Regierung ihrerseits hat versprochen: Der Kredit werde nicht überschritten, dessen Obergrenze sei fix.

Und wie steht es um die 15 Millionen, welche sich der Kanton von der Privatwirtschaft und von Dritten für den Schwerpunkt «Vernetzung von Bildung und Wirtschaft» erhofft hatte? «Das ist weder utopisch noch illusorisch», sagt Kölliker. Er sei im Gespräch mit Stiftungen. Die Signale seien positiv, einzelne Zusagen lägen bereits vor. Der Bildungschef ist grundsätzlich überzeugt, dass die Wirtschaft in den kommenden Jahren ihre Verantwortung ebenfalls wahrnehmen werde. Dass sie wohl einen «Sondereffort» werde leisten müssen, wie es nun der Staat mit der IT-Bildungsoffensive tue – denn: «Es werden kaum Berufe von der Digitalisierung verschont bleiben. Wir können uns heute der digitalen Entwicklung nicht verschliessen», so Kölliker.

Ausschuss beaufsichtigt Projektleitungen

Die Regierung hat Roger Trösch als Programmleiter der IT-Bildungsoffensive eingesetzt. Der IT-Spezialist und Schulratspräsident von St. Margrethen wird sämtliche Massnahmen aufeinander abstimmen. Dafür ist ein 50-Prozent-Pensum eingeplant. Trösch wird ab 1. April in dieser neuen Funktion tätig sein. «Für mich ändert sich somit heute Montagmorgen noch nichts», sagt Trösch.

Die 75 Millionen Franken fliessen in die Bereiche Volksschule und Mittelschule, Fachhochschulen, Universität St. Gallen, Berufsbildung sowie Vernetzung von Bildung und Wirtschaft. Auf die Frage, welches Projekt er im Frühling als erstes angehen werde, antwortet Trösch: Die fünf Schwerpunkte würden «parallel bearbeitet, jedoch mit unterschiedlichem Tempo». Zunächst müssten nun die Projektaufträge konkretisiert und von der Regierung verabschiedet werden. Und: Die fünf Bereiche haben je eine eigene Projektorganisation und Projektleitung. Aufgabe von Trösch wird es sein, diese zu koordinieren. Beaufsichtigt werden sie von einem Programmausschuss, der noch zusammengesetzt werden muss.