Kind mit Beeinträchtigung beleidigt: St.Galler Chauffeur vor Gericht wegen Beschimpfung verurteilt

Ein Schulbusfahrer musste sich vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten. Er hatte einen autistischen Buben beschimpft, den er zur Schule fahren sollte. Der Einzelrichter sprach eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 50 Franken und eine Busse von 300 Franken aus.

Claudia Schmid
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Der Chaffeur sollte den Bub in die Schule fahren.

Der Chaffeur sollte den Bub in die Schule fahren.

Bild: Imago Images

Im Sommer letzten Jahres fuhr der beschuldigte Chauffeur zum Wohnort des Schülers. Er sollte den achtjährigen Buben in eine Sonderschule bringen. Laut Anklageschrift lief das Autoradio, weshalb das Kind beim Einsteigen ins Auto zu schreien begann, da es aufgrund seiner Krankheit keinen Lärm erträgt. Die Mutter gab später zu Protokoll, der Chauffeur sei wütend geworden und habe gesagt:

«Huärä scheiss Behinderte, i bi de Chef i mim Auto»

Dann habe er sich zum Kind gedreht und die Arme hochgerissen. Der Bub sei völlig eingeschüchtert aus dem Auto gesprungen. Als die Mutter den Schülerthek und die Jacke des Kindes aus dem Schulbus nahm, soll der Beschuldigte zur Mutter gesagt haben, dass sie abhauen solle und dass man solche Leute lebendig verbrennen sollte.

Der Schweizer erhielt von der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen Beschimpfung mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse. Dagegen erhob der Beschuldigte Einsprache. Die Vorwürfe der Mutter entsprächen nicht der Wahrheit, erklärte er an der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen. Die Worte, die sie ihm in den Mund gelegt habe, habe er niemals gesagt. Richtig sei, dass er mit dem Kind abgemacht habe, es dürfe beim Einsteigen das Autoradio ausschalten. Auch habe er zur Mutter gesagt, in seinem Auto bestimme er, wann und wie laut er Radio höre.

Der Verteidiger beantragte einen Freispruch von Schuld und Strafe. Ausser den Beteiligten könne niemand sagen, was sich an diesem Morgen zugetragen habe. Hier handle es sich um einen Fall, bei dem Aussage gegen Aussage stehe.

Kein Verständnis für das Kind gezeigt

Der Einzelrichter am Kreisgericht St.Gallen fällte einen Schuldspruch wegen Beschimpfung. Er sprach eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 50 Franken und eine Busse von 300 Franken aus. In diesem Fall stehe tatsächlich Aussage gegen Aussage, erklärte er. Unbestritten aber sei, dass es zu einem Disput zwischen der Mutter und dem Chauffeur gekommen und der Transport schliesslich nicht stattgefunden habe. Dies deute auf eine Eskalation der Situation hin.

Die Aussagen der Mutter seien klar und differenziert. Sie habe den Chauffeur auch nicht übermässig belastet. Der Beschuldigte lasse hingegen in seinen Aussagen kein Verständnis für das achtjährige Kind erkennen. Er berufe sich nur auf die Abmachungen, die er von sich aus mit dem Buben getroffen habe. Das Gericht erachte es als erwiesen, dass er die Beschimpfung tatsächlich geäussert habe.

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