Keine Verfolgungsjagden, keine Abgase: Die St.Galler Kantonspolizei präsentiert ihr neues Wasserstoffauto

Am Donnerstag hat die Kantonspolizei St.Gallen ihr neustes Fahrzeug vorgestellt: ein wasserstoffbetriebener Hyundai. In der Garage der Kantonspolizei stehen bereits 20 Elektroautos.

Remo Künzler
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Bild: Nik Roth

«Es kommt selten vor, dass ich gute Neuigkeiten mitteilen darf. Heute ist aber wieder einmal so ein Tag», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der St. Galler Kantonspolizei. Er scheint sichtlich erfreut, das neue Prunkstück seiner Einheit in der Garage der Kantonspolizei präsentieren zu dürfen. Nach dem Kauf von 20 Elektroautos im letzten Jahr, folgt jetzt ein Wasserstoffauto.

Auf emissionsfreier Patrouille

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei

Bild: Kapo St. Gallen

Seit den 1990-Jahren verfolge die Kantonspolizei eine Nachhaltigkeitsstrategie, sagt Krüsi. Und weiter:

«Ökologisches und nachhaltiges Handeln der Organisationen ist längst nicht mehr erwünscht, sondern wird erwartet.»

Mit dem neusten Einkauf treffe man den aktuellen Trend zeitgerecht. Jene Mitarbeitenden der Kantonspolizei, die mit dem wasserstoffbetriebenen Auto unterwegs sein werden, setzen ausser Wasserdampf keine weiteren Stoffe frei. Krüsi sagt weiter: «Die Kantonspolizei nimmt so ihre Rolle als öffentlicher Dienstleister wahr und trägt einen Teil zur Verminderung der Umweltbelastung bei.»

Das Tankstellennetz ist dünn

Jakob Schläpfer, Leiter der Polizeigarage

Jakob Schläpfer, Leiter der Polizeigarage

Bild: Nik Roth

Nebst der Verminderung der Emissionen sieht Jakob Schläpfer, Leiter der Polizeigarage, weitere Vorteile beim Einsatz von Wasserstoffautos. Schläpfer verspricht:

«Wasserstoffautos sind viel schneller betriebsbereit als Elektroautos. Eine Tankfüllung dauert weniger als fünf Minuten»

Weiter soll eine Tankladung etwa gleich teuer sein wie bei einem Verbrennungsmotor. Zudem sei die Reichweite von Wasserstoffautos deutlich höher als bei Elektroautos. «Wir wissen, dass das Auto nicht das schnellste ist. Aber die verwendete Technik ist verheissungsvoll und könnte die Zukunft der Branche sein», sagt Schläpfer.

Die neuste Anschaffung hat zum jetzigen Zeitpunkt auch einen Nachteil: das sehr dünne Tankstellennetz. Die Osterwalder AG an der Oberstrasse in St. Gallen ist bisher die einzige Wasserstofftankstelle in der Ostschweiz. Deshalb müssen die Beamten mit diesem Auto vorerst auf Verfolgungsjagden verzichten. Stattdessen kann das Auto zum Beispiel für den Verkehrsunterricht in Primarschulen genutzt werden. Ob das Wasserstoffauto auch für weitere Polizeieinsätze genutzt werden kann und ob irgendwann weitere angeschafft werden, soll die Erfahrung zeigen.

Reichweite: 666 Kilometer, Gewicht: 1900 Kilogramm

Beim Wasserstoffauto hat man sich für das Modell «Nexo» von Hyundai entschieden. Dieser Typ des südkoreanischen Automobilherstellers besitzt ein Leistungsvermögen von 163 PS, eine Reichweite von 666 km und ein Leergewicht von etwa 1900 kg. Zur Wahl sagt Krüsi:

«Die Polizei geht beim Kauf eines neuen Wagens gleich vor wie ein normaler Bürger.»

Weiter sagt er: «Anschliessend werden dann die typischen Polizeimerkmale eingebaut und ergänzt.» Das Chassis wird mit Beschriftungen versehen und mit einer Blaulichtanlage auf dem Dach ausgestattet. Die Innenausstattung erhält zusätzliche Geräte, wie zum Beispiel Funk, Wlan, Router und Blackbox.

Jakob Schläpfer weist daraufhin, dass sich die Elektroautos und das Wasserstoffauto ergänzen sollen. Man will also die beiden Modelle nicht gegeneinander ausspielen. «Wasserstoffautos sind im weitesten Sinn Elektroautos. Der Strom für den Antrieb wird jedoch nicht in Akkus gespeichert, sondern von einer mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle im Fahrzeug selbst erzeugt», erklärt der Leiter der Polizeigarage. Das kurzfristige Ziel sei, einen Anteil von zehn Prozent an schadstofffreien Autos zu erreichen - was etwa 30 Autos entspricht. Man wird aber auch weiterhin Polizeiautos mit einem Verbrennungsmotor auf den Ostschweizer Strassen antreffen.

Der Wasserstoffmarkt in der Schweiz

Nach der Inbetriebnahme der Tankstelle in St.Gallen durch die Osterwalder AG werden noch dieses Jahr über die Schweiz verteilt vier weitere dazukommen, in Rümlang (ZH), Zofingen (AG), Bern und Crissier (VD). Im aargauischen Hunzenschwil steht seit 2016 die bisher einzige H2-Tankstelle der Schweiz. So wird eine Fahrt mit einem Brennstoffzellenauto, das Wasserstoff als Energiequelle nutzt, vom Bodensee bis zum Genfersee möglich werden.

Aufgebaut wird die Infrastruktur durch die Nutzung von Wasserstoff-Lastwagen, die im Moment von Hyundai in die Schweiz geliefert werden. Bereits im nächsten Jahr werden 150 ­Wasserstofflastwagen in der Schweiz im Betrieb sein. Zudem wird erwartet, dass auch der Verkauf von Brennstoffzellenautos mit der verbesserten Infrastruktur ansteigen wird.

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