Keine unbefugte Abgabe von Medikamenten: Verdacht gegen Pflegerinnen in St.Galler Altersheim erhärtet sich nicht

Entlastung für zwei Pflegerinnen im Alterszentrum am Schäflisberg: Eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft St.Gallen hat ergeben, dass die Mitarbeiterinnen keine Medikamente an Bewohnerinnen abgegeben haben. Dennoch hält die Leitung an den fristlosen Entlassungen fest.

David Grob
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Bewohnerinnen und Bewohner im Garten des Alterszentrum am Schäflisberg.

Bewohnerinnen und Bewohner im Garten des Alterszentrum am Schäflisberg.

Bild: Ralph Ribi (2. Mai 2019)

Der Verdacht gegen mehrere vier Pflegerinnen des Alterszentrums am Schäflisberg hat sich nicht erhärtet: Die Mitarbeiterinnen wurden im Oktober 2019 verdächtigt, unrechtmässig rezeptpflichtige Medikamente an Bewohnerinnen des Altersheims abgegeben zu haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen die Untersuchung des Vorfalls abgeschlossen und spricht die Pflegerinnen vom Vorwurf frei, wie das Alterszentrum am Schäflisberg per Communiqué mitteilt.

Im Herbst 2019 fiel Pflegerinnen vom Tagdienst auf, dass drei Bewohnerinnen am Tag auffällig schläfrig waren. Gemäss Communiqué überprüften sie daraufhin den Medikamentebestand. Dabei zeigte sich, dass rezeptpflichtige Medikamente fehlten. Vier Mitarbeiterinnen des Nachtdienstes standen daraufhin unter Verdacht, Medikamente unrechtmässig aufbewahrt und/oder abgegeben zu haben. In der Folge entliess das Alterszentrum Schäflisberg die vier Pflegerinnen fristlos. Die Begründung: Verletzungen der Weisungen und Sorgfaltspflichten zum Umgang mit Medikamenten. Die Direktion erhob Strafanzeige, gegen zwei der vier Pflegerinnen ermittelte die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen.

Pflegerinnen haben Medikamente in Taschen aufbewahrt

Jetzt ist klar: Die zwei Pflegerinnen, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt hat, haben nicht unrechtmässig Medikamente an die drei Bewohnerinnen abgegeben. «Die ehemaligen Mitarbeiterinnen sollen von der Staatsanwaltschaft vom Vorwurf der unbefugten Medikamentenabgabe freigesprochen werden», heisst es in der Medienmitteilung.

Klar ist aber auch: Die beiden Mitarbeiterinnen hätten zugegeben, gegen die Sorgfaltpflicht und die Weisungen im Umgang mit rezeptpflichtigen Medikamenten verletzt zu haben, schreibt das Alterszentrum in der Mitteilung. So haben sie Medikamente in den Taschen aufbewahrt oder den Medikamentenschrank nicht verschlossen.

«Dieses Verhalten wird von der Staatsanwaltschaft aber als nicht strafbar gewertet.»

Eine der Pflegerinnen ist medikamentensüchtig

Eine der beiden ehemaligen Mitarbeiterinnen habe im Strafverfahren ausserdem zugegeben, mehrfach verschreibungspflichtige Medikamente für den Eigengebrauch gestohlen zu haben. Das Alterszentrum schreibt:

«Sie hat sich selbst als süchtig bezeichnet.»

Für diesen mehrfachen Diebstahl sei strafrechtliche Verurteilung zu erwarten, schreibt das Alterszentrum.

Ebenso hat die Staatsanwaltschaft in einer Urinprobe einer Bewohnerin Spuren des Beruhigungsmedikament Temesta nachgeweiesen. Dieses wurde der Bewohnerin jedoch nicht verordnet. «Es liess sich nicht zweifelsfrei nachweisen, wer ihr diese Tablette gegeben hat oder ob sie selber danach verlangte», heisst es in der Mitteilung.

Es bleibt bei den Entlassungen

Vorstandsmitglied Eveline Falk.

Vorstandsmitglied Eveline Falk.

Bild: Ralph Ribi (6. Juni 2019)

Der Verdacht der unbefugten Medikamentenabgabe hat sich nicht erhärtet. Werden die zwei der vier fristlos entlassenen Pflegerinnen, gegen die die Staatsanwaltschaft nicht ermittelte, nun wieder eingestellt? «Nein», sagt Vorstandsmitglied Eveline Falk auf Anfrage. Alle vier Pflegerinnen hätten Medikamente unrechtmässig aufbewahrt und damit gegen die Sorgfaltspflicht verstossen.

«Damit haben sie eine Grenze überschritten. Dies können wir nicht tolerieren.»

Bereits vor Jahren wurde im Alterszentrum am Schäflisberg ein zertifiziertes Medikamentenverwaltungssystem eingeführt. Die Leitung will nun die Abläufe mit der externen Zertifizierungsstelle überprüfen.