Gemeinde sagt Abstimmung ab: Tunnel in Teufen ist vom Tisch

In Teufen war eigentlich für den 27. September eine Abstimmung über einen Projektierungskredit für einen Bahntunnel zwischen Bahnhof und Stofel angekündigt. Diese ist nun vom Tisch. Die Appenzeller Bahnen und der Kanton Appenzell Ausserrhoden verlangen die Umsetzung der Doppelspur-Lösung.

Astrid Zysset
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Verbindung St. Gallen - Teufen: Die Appenzeller Bahnen Baustelle.

Verbindung St. Gallen - Teufen: Die Appenzeller Bahnen Baustelle.

Ralph Ribi

Grosse Überraschung in Teufen: Die Appenzeller Bahnen (AB) gaben zusammen mit dem zuständigen Departement Bau und Volkswirtschaft des Kantons Appenzell Ausserrhoden bekannt, dass die geplante Abstimmung über einen Tunnel-Projektierungskredit nicht stattfinden kann. Denn: «Der Tunnel ist aus aktueller Fahrplansicht heute und in Zukunft der falsche Lösungsansatz», sagte Regierungsrat Dölf Biasotto heute vor den Medien. Die neusten Vorgaben des Bundes und der SBB zum Angebotskonzept 2015 würden zeigen, dass nur mit einer Doppelspur durch Teufen die Anschlüsse an den Fernverkehr am Bahnhof St. Gallen sichergestellt werden können.

Der Entscheid, die Abstimmung abzusagen, sei nicht leicht gefallen, führte Biasotto weiter aus. «Volksrechte wollen wir nicht einfach ausbremsen.» Jedoch dürfte aus rechtlicher Sicht den Stimmbürgerinnen und Stimmbürger keine Abstimmungsbotschaft mit allenfalls unmöglichem Inhalt vorgelegt werden. Darum wurde seitens des Departements Bau und Volkswirtschaft und der AB ein Brief an den Teufner Gemeinderat aufgesetzt, der die Absage der Projektierungskredit-Abstimmung verlangte.

Edikt für Abstimmung lag bereits vor

Jene Abstimmung hätte am 27. September stattfinden sollen. Gemäss Gemeindepräsident Reto Altherr, der an der Medienkonferenz ebenfalls zugegen war, sei das Edikt bereits erarbeitet worden. Der Drucktermin war auch schon reserviert. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als den Entscheid zu akzeptieren», so Altherr.

Grössere Flexibilität dank der Doppelspur

Problematik des Tunnels: Die Züge können sich zwischen dem Bahnhof Teufen und Stofel nicht kreuzen. Der Zug Richtung Teufen kann also erst am Hauptbahnhof abfahren, wenn derjenige aus dem Appenzellerland eingetroffen ist. Durch die aufgrund der Einspurlösung gegebenen starren Abfahrts- und Ankunftszeiten und die um fünf Minuten längere Fahrzeit kann pro Stunde nur ein Anschluss an den Intercity Richtung Zürich sichergestellt werden. Bei einer Doppelspur hingegen bietet sich gemäss AB-Direktor Thomas Baumgartner eine grössere Flexibilität, da die Ankunft- und Abfahrtszeiten variiert werden können.

Bis zum Dezember 2034 stehen zwei grosse Änderungen des übergeordneten Fahrplankonzeptes an: eine im Dezember 2020 und eine 2034. Die AB wollen mit der Doppelspurlösung die Anschlüsse stündlich in beide Richtungen (also von und nach Zürich), halbstündlich in der Fahrtrichtung Teufen–Zürich (bis 2034), und gar halbstündlich in beide Richtungen (ab 2035) sicherstellen. Das entspreche einem langjährigen Begehren der Bevölkerung, so Baumgartner weiter. Schon länger wurden Stimmen aus dem Rotbachtal laut, die bessere Anschlusszeiten forderten. Kantonsrat Matthias Tischhauser reichte vor ein paar Wochen eine entsprechende Interpellation ein, welche die Einflussnahme der Regierung auf ein besseres Fahrplanangebot fordert. Mit der Doppelspurlösung und der von den AB angekündigten Verbesserungen der Anschlüsse in St.Gallen gebe es eine bessere Anbindung der Gemeinden Gais, Bühler und Teufen sowie des Kantons Appenzell Innerrhoden an den Fernverkehr. Es gehe um übergeordnete Interessen, so Biasotto. Nicht ausschliesslich Teufen sei von der Tunnel- respektive Doppelspurlösung tangiert. Baumgartner spricht weiter von einer «Koordinationspflicht», welche die AB hätten. Sie wären verpflichtet, ein für alle Nutzer des Bahnangebots ausgewogenes Angebot zu präsentieren.

Angebotsannahmen werden verifiziert

Das Departement Bau und Volkswirtschaft möchte als Hauptbesteller der Regionalverkehrsleistungen der AB die Entwicklungsschritte, welche zum Fahrplanangebot 2035 führen und Infrastrukturen voraussetzen, in einer Absichtserklärung festhalten. In diesem Rahmen werden in den kommenden Monaten noch Zusatzabklärungen getroffen und die Angebotsannahmen verifiziert. Gemäss Baumgartner soll Anfang kommenden Jahres eine entsprechende Zusatzstudie vorliegen. Erst wenn diese erarbeitet worden ist, leiten die AB die weiteren Schritte zur Realisierung der Doppelspur ein.

Das Rekursverfahren bezüglich der von der IG Tüüfner Engpass eingereichten Initiative, welche eine Abstimmung über die Doppelspur verlangte, laufe weiter, führte Biasotto auf Anfrage hin aus. Die Gemeinde erklärte die Initiative für ungültig. Die Sache ist nach wie vor beim kantonalen Rechtsdienst hängig.

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