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Zu «heikel»: St.Galler Konditorei will keine Hochzeitstorten für schwule Paare backen

Wenn es um gleichgeschlechtliche Liebe geht, sind die regionalen Unterschiede immer noch gross. In der Ostschweiz stösst das Thema nach wie vor auf Zurückhaltung – in Einzelfällen sogar auf Ablehnung.
Valentina Thurnherr
2017 wurden in der Stadt St. Gallen 374 Ehen geschlossen und lediglich 6 eingetragene Partnerschaften vollzogen. (Bild: Key)

2017 wurden in der Stadt St. Gallen 374 Ehen geschlossen und lediglich 6 eingetragene Partnerschaften vollzogen. (Bild: Key)

Morgen beginnt in St. Gallen die 25. Fest- und Hochzeitsmesse. Paare, die nach einem Ehering, Fotografen, Wedding Planner, Hochzeitsfahrzeug, Theologen oder Catering-Anbieter suchen, sollen an diesem Wochenende auf dem Olma-Areal fündig werden. Die St. Galler Fachmesse hat im Geschäft mit der Hochzeit längst ihren festen Platz – allerdings nicht, wenn es um gleichgeschlechtliche Partnerschaften geht.

Seit etwas mehr als vier Jahren setzt sich Maja Stuber, Leiterin der Fest- und Hochzeitsmessen St.Gallen und Zürich, mit dem Thema gleichgeschlechtliche Ehe auseinander. «Als Messeleiterin ist es mein Job, für alles offen zu sein, das mit dem Heiraten zusammenhängt.» Stuber hat in den letzten Jahren festgestellt, dass sich die Bedürfnisse der homosexuellen Paare nicht wirklich von denen der heterosexuellen unterscheidet.

«Im Grunde geht es den meisten darum, nicht von den Hetero-Paaren unterschieden zu werden.»

Mit der Schwulenorganisation Pink Cross organisierte Stuber deshalb vor vier Jahren einen Stand an der Fest- und Hochzeitsmesse Zürich, an dem die Mitglieder des Vereins Vorträge zur rechtlichen Situation gleichgeschlechtlicher Paare hielten.

Für diese Aktion wollte Stuber einen Flyer gestalten lassen. «Mir war klar, dass sich gleichgeschlechtliche Paare nicht angesprochen fühlen, wenn wir nur mit heterosexuellen Partnern werben.» Das Motiv für den Flyer hätte einfacher nicht sein können: Eine Hochzeitstorte mit Figürchen des gleichen Geschlechts obendrauf. «Die St.Galler Konditorei, die ich dafür anfragte, war alles andere als begeistert», sagt Stuber. «Mit so etwas wolle sie auf keinen Fall in Verbindung gebracht werden.» Auch bei weiteren Gesprächen mit potenziellen Ausstellern stiess sie immer wieder auf Ablehnung, sobald sie das Thema ansprach. «Ich war doch etwas überrascht, dass für viele Ostschweizer dieses Thema immer noch heikel ist und sie nicht gerne darüber reden.»

Leute für das Thema sensibilisieren

In den folgenden Jahren konzentrierte sich Stuber deshalb mehrheitlich auf die Zürcher Ausgabe der Hochzeitsmesse. «Für diesen Januar habe ich wieder etwas in Planung zusammen mit einem Juwelier aus Zürich.» Ihr gehe es vor allem darum, die Leute für das Thema zu sensibilisieren. Gleichgeschlechtliche Paare sollten an einen Stand oder in ­einen Laden gehen können, ohne sich ­erklären zu müssen.

«Wenn zwei Frauen in ein Brautmodengeschäft gehen und einen Anzug möchten, sollte der Verkäufer nicht automatisch davon ausgehen, dass er für den Bräutigam ist.»

Ihr Bauchgefühl sage ihr aber, dass sie mit diesem Vorhaben in St.Gallen noch nicht denselben Anklang finden würde.

2017 wurden in der Stadt St. Gallen 374 Ehen geschlossen und lediglich 6 eingetragene Partnerschaften vollzogen. Der ehemalige Leiter des Zivilstandsamts St. Gallen, Willy Zimmermann, führt das darauf zurück, dass die grosse Mehrheit der gleichgeschlechtlichen Paare ihre Verbindung nicht an die grosse Glocke hängen möchten. «Ich hatte den Eindruck, dass die Registrierung der eingetragenen Partnerschaft ein grosser Schritt für diese Paare ist, da sie sich so ‹outen› müssen.» Die meisten gleichgeschlechtlichen Paare wollten die Papiere auch einfach im Stillen in seinem Büro unterschreiben, ohne viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. «Zwischendurch gab es natürlich auch Paare, die ihre Verbindung wirklich wie eine Hochzeit gefeiert haben», sagt Zimmermann. Das sei jedoch eine Minderheit gewesen. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften seien aber eine Tatsache. «Es ist doch völlig egal, wer mit wem zusammen ist – Hauptsache, man ist glücklich.»

«Ich würde mir wünschen, dass sich die Paare mehr trauen»

Auch Doris Bischof, Geschäftsführerin des Brautmodengeschäfts Liluca in St. Gallen, hat über die Jahre den Eindruck gewonnen, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Ostschweiz weniger auffallen wollen. «St. Gallen ist zwar eine Stadt, trotzdem ist sie lange nicht so gross wie Zürich, wo alles viel anonymer abläuft.» Angesichts der deutlich höheren Einwohnerzahl von Zürich habe die Zürcher Filiale verhältnismässig nicht sehr viel mehr homosexuelle Kunden. Bischof sagt:

«Ich würde mir aber wünschen, dass sich die Paare in der Ostschweiz viel mehr trauen, zu uns zu kommen.»

Ein ganz anderes Verhalten würden hingegen gleichgeschlechtliche Paare in Zürich zeigen. «Hier erleben wir oft, dass diese Paare genauso feiern wie die Heterosexuellen», sagt Irène Imhof, Teamleiterin des Zivilstandsamts ­Zürich. «Die eingetragene Partnerschaft wird meist zelebriert wie eine Hochzeit, also auch in festlichen oder speziellen Lokalitäten wie etwa im Masoala-Regenwald des Zoos Zürich, in der Weinschenke des Hotels Hirschen oder im Zunfthaus zur Waag.» Viele würden auch klassisch im Stadthaus ihre Verbindung eingehen. Dass die Zürcher Homosexuellen tatsächlich offener mit dem Thema umgehen, zeigt auch die Statistik: 2017 gab es in der Stadt Zürich 2248 Eheschliessungen und 124 eingetragene Partnerschaften. Das sind im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen rund dreimal so viel wie in St. Gallen.

Eine Frage des Selbstbewusstseins

Der Regenbogengraben zwischen der Ostschweiz und Zürich liege aber nicht nur an den Heterosexuellen. Das persönliche Selbstbewusstsein der betroffenen Personen sei entscheidend, meint Roland Köppel. Der Rheintaler betreibt in seiner Freizeit seit zweieinhalb Jahren das Portal «Queer-Lake.net» und ist selber immer sehr offen mit seiner Sexualität umgegangen. «Zieht man sich zurück und macht ein Geheimnis um alles, ist es nicht verwunderlich, wenn man von seinen Mitmenschen als komischer Kauz wahrgenommen wird.» Gehe man hingegen offen damit um, gebe man den Leuten auch eine Chance, darauf zu reagieren. Gerade Dienstleister der Fest- und Hochzeitsbranche müssten sich inzwischen daran gewöhnt haben, meint Köppel. Letztlich komme es auf den Kunden an – und wie offen dieser mit seiner Sexualität umgehe.

«In der Gay-Community läuft ohnehin vieles über Vernetzung. Man weiss genau, welcher Verkäufer, welcher Arzt oder welcher Anwalt offen ist für uns.»

Besonders in der Ostschweiz sei dieses Netzwerk wichtig. «In Zürich gibt es das auch, aber in der Stadt ist der Umgang mit dem Thema allgemein viel offener. Es gibt viel mehr spezifische Angebote und auch die Kundschaft geht anders damit um.» Das Selbstbewusstsein der Zürcher Homosexuellen habe sich deshalb auch anders entwickelt als das der Ostschweizer. Ein spezieller Stand für Homosexuelle an der Hochzeitsmesse würde deshalb in St. Gallen wohl nicht funktionieren, vermutet Köppel. «Die Paare müssten sich dann automatisch outen. Für viele ist es wichtiger, dass sie genauso behandelt werden wie alle anderen.» Dass auch die eingetragene Partnerschaft längst nicht so öffentlich zelebriert wird wie eine Hochzeit, könnte seiner Meinung nach mit der Entwicklung der Homosexualität zu tun haben. «Als die eingetragene Partnerschaft vor fünfzehn Jahren eingeführt wurde, gab es Paare, die schon seit etlichen Jahren zusammen waren und diese rechtliche Situation einfach so schnell wie möglich abwickeln wollten.» Ausgiebig gefeiert habe man dann erst im privaten Rahmen.

Fast wie eine Ehe

In der Schweiz können zwei Personen gleichen Geschlechts seit 2007 ihre Partnerschaft eintragen lassen. Einer von beiden muss die Schweizer Nationalität haben oder in der Schweiz wohnen. Eine im Ausland geschlossene homosexuelle Ehe wird in der Schweiz als eingetragene Partnerschaft anerkannt. Was die Rechten und Pflichten angeht, sind eingetragene Partnerschaft und Ehe weitgehend vergleichbar. Ein entscheidender Unterschied: Eingetragene Paare dürfen keine Kinder adoptieren und sind von künstlicher Befruchtung ausgeschlossen. Immerhin dürfen sie seit Anfang 2018 das Kind des Partners adoptieren. (vat)

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