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Kein guter Ruf: Der Bahnhof Wil schneidet schlecht ab

Gerade einmal 76 von 100 möglichen Punkten erzielte der Bahnhof Wil in der «Gesamtzufriedenheit» bei einer Kundenbefragung der SBB von 2018.
Meret Bannwart
Diesen Sommer geriet der Bahnhof Wil wegen Prügeleien in die Schlagzeilen. (Bild: Michel Canonica.)

Diesen Sommer geriet der Bahnhof Wil wegen Prügeleien in die Schlagzeilen. (Bild: Michel Canonica.)

Der Bahnhof Wil hat keinen guten Ruf. Bei einer Kundenbefragung der SBB von 2018 erzielt er in der «Gesamtzufriedenheit» gerade einmal 76 von 100 möglichen Punkten. Nur die Bahnhöfe Winterthur und Biel schneiden ähnlich schlecht ab.

An diesem Mittwochabend ist von verängstigten Passanten, angespannter Stimmung und Pöbeleien nichts zu spüren. Auf dem Platz vor dem Avec patrouillieren zwei Securitas-Mitarbeiter. Am öffentlich zugänglichen Klavier hinter dem Avec greift ein Mann mit Schiebermütze und John-Lennon-Brille in die Tasten. Nachdem die letzten Töne ausgeklungen sind, spricht eine Passantin den Klavierspieler an. Sie tauschen sich einige Minuten über klassische Musik aus, im Rücken der beiden die untergehende Sonne. Fast schon herrscht idyllische Stimmung am Bahnhof Wil.

Dann beginnt es einzudunkeln. Sogleich bilden sich vor dem Avec kleine Grüppchen. Die meisten Herumstehenden sind Männer zwischen 20 und 35 Jahren. Sie tragen Trainerhosen oder zerrissene Jeans und halten eine Bierdose in der Hand. Die wenigen Frauen tragen grelle T-Shirts und sehr enge oder sehr kurze Hosen.

Die Stimmung kippt mit Sonnenuntergang

Ein gross gewachsener Mann wartet vor dem Geschäft. Er wird von einem offensichtlich angetrunkenen Mann in ein Gespräch verwickelt. Wovon die Unterhaltung handelt, ist vorerst nicht zu hören. Schnell wird der betrunkene Mann aber lauter und beginnt wild zu gestikulieren. «Ich habe deine Freundin nicht angeschaut», schreit er dem gross gewachsenen Mann ins Gesicht. Dieser bleibt ruhig. Das wiederum beruhigt den Schreienden überhaupt nicht: Er sucht offensichtlich Streit, doppelt mit Schimpfwörtern und rassistischen Beleidigungen nach, versucht zu provozieren.

Die Freunde des Betrunkenen – jeder eine Bierdose in der Hand – versuchen ihn zu besänftigen. Es nützt alles nichts. Der Mann ist aufgebracht und will pöbeln. Schliesslich kommt die Freundin des wartenden Mannes aus dem Laden. Die beiden verlassen den Platz. Der Betrunkene ist immer noch aufgebracht, schreit weiter herum. Da tauchen die beiden Securitas-Mitarbeiter wieder auf. Geduldig reden sie mit dem Mann, der dar­aufhin fluchend abzieht.

Ein rauchender Buschauffeur beobachtet die Szene. «Tag für Tag das gleiche Problem», sagt er. Dies sei der Treffpunkt für Alkoholiker. Eine junge Frau meint, es sei schon spürbar, dass die Stimmung angespannter sei als an anderen Bahnhöfen. «Aber Angst habe ich keine.»

Für das Klavier zumindest bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr. Hinter dem Avec ist es ausserhalb des Blickfeldes der trinkenden Grüppchen. Nach dem Auftritt der John-Lennon-Brille bleibt es den restlichen Abend unangerührt.

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