Kein Hochzeitsstau bei Zivilstandsämtern: Ostschweizer Paar musste Trauung wegen Corona dreimal verschieben – jetzt konnten sie endlich heiraten

Viele Paare überlegen sich gut, ob sie unter den Schutzmassnahmen des Bundes heiraten wollen. Wegen der Coronapandemie verschieben viele ihre zivilen Trauungen auf ein anderes Datum. Doch die Zivilstandsämter haben immer noch freie Termine.

Henrike Hoppe
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Seit den Coronalockerungen können zivile Trauungen wieder im grösseren Rahmen stattfinden.

Seit den Coronalockerungen können zivile Trauungen wieder im grösseren Rahmen stattfinden.

Bild: Sandra Ardizzone

Pärchen planen monatelang den perfekten Tag, an dem alles passen muss. Und dann ergeht es ihnen wie Joël Ben Hamida aus Wollerau, der seine Trauung auf Grund der Coronapandemie dreimal verschieben musste.

Die Zivilstandsämter der Ostschweiz sind dieses Jahr wegen Corona und allfälliger Verschiebungen besonders gefordert. Laut Franziska Wirth, Zivilamtsleiterin in Uzwil, liegt das vor allem an der eingeschränkten Gästeliste: «Es können nicht so viele Gäste wie gewünscht an der Ziviltrauung teilnehmen. Zudem sind teilweise die Braut oder der Bräutigam, Trauzeugen und Gäste aus dem Ausland verhindert und dürfen nicht einreisen.» Robin Rebecca Wessner, Amtsleiterin in Altstätten, kann dem nur zustimmen. Ergänzend sagt sie:

«Die Paare finden es eigenartig, wenn sie Abstand halten müssen und man sich an einem solchen Anlass nicht umarmen darf.»

Bad Ragaz hat besondere Bedeutung für das Paar

Joël Ben Hamida und seine Frau Stephanie.

Joël Ben Hamida und seine Frau Stephanie.

Bild: PD

So auch Ben Hamida: «Geplant war, in einer familiären Gruppe im Grand Hotel in Bad Ragaz zivil zu heiraten. Dieser Ort hat für mich und meine Partnerin eine grosse Bedeutung, weil wir uns dort vor einigen Jahren kennen gelernt haben.» Die Trauung hätte auch stattfinden können. Es sei ihnen einfach zu schade gewesen, nur zu fünft feiern zu können.

«Die Planung der zivilen Trauung war schon schwierig, da wir uns an die strikten Massnahmen des Bundes hätten halten müssen. Zudem hätten wir nicht einmal zusammen Essen gehen können.»

Beliebte Veranstaltungsorte, die Platz für Hochzeitsgesellschaften bieten, wie der Frauenhof in Altstätten, das Schloss Grünenstein in Balgach oder der Raatsaal in Wil sind aktuell kaum ausgelastet. Sandra Bischof, Verantwortliche für Veranstaltungen im Schloss Grünenstein, sagt: «In der letzten Zeit war es auffallend, dass nur kleinere Zeremonien stattgefunden haben und sich die Lokale deshalb nicht füllen liessen.» Absagen hätten sie jedoch kaum erhalten. «Zum Teil ist es schön, im kleineren Kreis zusammen zu sein. Die Pärchen haben dann mehr Zeit füreinander und wollen die Trauung beispielsweise wegen einer Schwangerschaft unbedingt durchführen.»

Paare sind bereit, Kompromisse einzugehen

Nur wenige verzichten auf den geplanten Termin beim Zivilstandsamt und warten auf weitere Lockerungen. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Paare nicht wählerischer sind. Wer in diesem Jahr heiraten möchte, ist auch bereit, Kompromisse einzugehen», sagt Eveline Kistler, vom Zivilstandsamt Werdenberg. Zudem hätten die meisten Paare, die ihre Trauung verschoben haben, durch die Lockerung der Massnahmen mittlerweile einen neuen Termin vereinbart.

Für Kompromisse war auch Joël Ben Hamida offen:

«Wir haben unsere zivile Trauung um einen Monat verschoben, hätten jedoch nach wie vor nur zu fünft feiern können. Wir wollten von Anfang an mit 15 Gästen feiern und Essen gehen. Eine Änderung in diesem Sinne kam für uns nicht in Frage.»

Nach langem Hin und Her können Ben Hamida und seine Verlobte nun endlich aufatmen. «Unsere Liebsten sind im Grand Hotel in Bad Ragaz für die zivile Trauung eingeladen und dürfen mit uns dinieren.»

Trautermine sind frei wählbar

Im regionalen Zivilstandsamt Gossau haben von Mitte März bis Mitte Juni trotz Corona über 40 Ziviltrauungen stattgefunden. «Geplant waren 60», sagt Abteilungsleiterin Bettina Federle. Neben den Trauterminen gebe es zudem immer etwas zu tun. Das Zivilstandsamt sei nicht nur mit Trauungen, sondern auch mit Beurkundungen von Geburten, Kindesanerkennungen, Einbürgerungen und Todesfällen beschäftigt.

Angst vor einem Hochzeitsstau haben die Zivilstandsämter bislang nicht: «Wir haben noch genügend Kapazität für nächstes Jahr», sagt Robin Rebecca Wessner, Amtsleiterin in Altstätten. Angenommen, es wäre an den Wunschdaten eng, würden zwei bis drei Standesbeamte zeitgleich in unterschiedlichen Lokalitäten trauen. Bettina Federle sagt:

«Wer früh dran ist mit der Reservierung seines Wunschdatums oder Wunschlokals, hat noch Wahlmöglichkeiten.»

Nicht so Joël Ben Hamida, der nach der zivilen Trauung in Bad Ragaz sein Hochzeitsfest in Norditalien um 14 Monate verschieben musste. Dies, obwohl er sich früh mit seiner Partnerin mit der Hochzeitsplanung befasst hat. Bei der festlichen Hochzeit sei es besonders schwierig gewesen, da sie 120 Personen eingeladen haben. Ben Hamida sagt:

«Glücklicherweise haben wir eine Hochzeitsplanerin, die auch Italienisch spricht, und uns einen Termin im August 2021 sichern konnte.»

Problematisch sei die Tatsache, dass einige Pärchen schon fix einen Termin für nächstes Jahr festgelegt haben und sie mit dem Verschiebedatum eine Lücke finden mussten. Trotz unglücklicher Aufschiebungen konnte die zivile Trauung am 26. Juni nun endlich stattfinden. Für das Hochzeitsfest in Italien ist Ben Hamida bislang positiv gestimmt.

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