Kommentar

St.Galler IT-Bildungsoffensive: Kein Freibrief für schicke Möchtegern-Projekte

Risikolos konnte auf eine Zustimmung der St.Galler Stimmberechtigten zur IT-Bildungsoffensive gewettet werden. Opposition hatte es im Vorfeld praktisch keine gegeben. Erst recht nicht mehr, nachdem die Regierung die Berufsbildung eingebunden hatte.

Regula Weik
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Regula Weik

Regula Weik

Offen war einzig noch die Frage nach der Höhe des Ja-Stimmen-Anteils. Würde er 60, 70 oder gar 80 Prozent betragen?

Resultiert hat schliesslich eine Zustimmung von 69,8 Prozent. Die St.Gallerinnen und St.Galler zeigen sich damit mutig, gar etwas risikofreudig. Auch wenn die Schwerpunkte der digitalen Offensive definiert sind – die geplanten Investitionen sind längst noch nicht in jedem Fall konkretisiert.

Zu verschiedenen Projekten existieren bis jetzt erst grobe Skizzen. Bekannt ist, dass in den nächsten acht Jahren insgesamt 75 Millionen ausgegeben werden sollen. Und dass sämtliche Bildungsstufen profitieren sollen. Dass die St.Galler Stimmberechtigten, die eher für Besonnenheit als für Draufgängertum bekannt sind, dem Vorhaben derart klar zustimmen, zeigt: Sie wollen ihre Kinder und Jugendlichen für die digitale Zukunft, eine kaum mehr umkehrbare Entwicklung, gerüstet wissen.

Wie viel die IT-Bildungsoffensive dereinst dazu beigetragen haben wird, dürfte sich kaum eruieren lassen. Der effektive Nutzen von Bildungsinvestitionen lässt sich nie exakt messen.

Die Regierung tut dennoch gut daran, das Ja nicht als Freibrief für schicke, alltagsfremde Möchtegern-Projekte zu verstehen. Gefordert ist auch das Kantonsparlament. Es muss seine Kontrollfunktion wahrnehmen – finanziell wie inhaltlich.

Schliesslich sind Lehrbetriebe und Eltern aufgerufen, genau hinzuschauen und Entwicklungen kritisch zu begleiten. Nur so wird es gelingen, dass die heute noch ziemlich unkonkrete IT-Bildungsoffensive kein teures Luftschloss bleibt, sondern dass es mit ihr gelingt, Lehrkräfte und vor allem Kinder und Jugendliche fit für die digitale Zukunft zu machen.