Kein Ausgang ohne Vorprüfung

Insassen der Strafanstalt Saxerriet können Ausgänge, Beziehungsurlaube oder Sachurlaube beziehen. Alle drei Varianten sind an gewisse Voraussetzungen geknüpft. Über 99 Prozent der Insassen kehren danach ordnungsgemäss zurück.

Chris Gilb
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Jahresmedienorientierung in der Strafanstalt Saxerriet mit Rene Frei (Leiter STMV Kanton St. Gallen) (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Jahresmedienorientierung in der Strafanstalt Saxerriet mit Rene Frei (Leiter STMV Kanton St. Gallen) (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

1343 Urlaube und Ausgänge konnten die bis zu 135 Insassen der Strafanstalt Saxerriet letztes Jahr beziehen. «Wir können nicht garantieren, dass nie etwas passiert», sagt der Leiter des Straf- und Massnahmenvollzugs des Kantons St. Gallen, René Frei. Um jedoch Risiken möglichst zu vermeiden, müssten diverse Voraussetzungen erfüllt sein, bevor ein Straftäter das Areal der Strafanstalt befristet verlassen dürfe. Vor allem müsse abgeschätzt werden, wie gross das individuelle Flucht- und Rückfallrisiko sei. «Dafür halten wir als einweisende Behörde unter anderem Rücksprache mit der Gefängnisleitung sowie Mitarbeitenden der Strafanstalt», sagt Frei. So werde abgeklärt, ob der Insasse seinen Vollzugsplan einhalte, er also beweise, dass er bei den Eingliederungsbemühungen aktiv mitwirke, und ob seine Arbeitsleistung zu keinen Beanstandungen Anlass gebe. Der Gefangene müsse zudem genügend eigene Mittel in seiner Haftzeit erarbeitet haben, um die Kosten seines Urlaubs selbständig zu tragen. Der Freigang kann dann bewilligt werden, wird aber an weitere Auflagen geknüpft. «Es gibt die Variante, dass der Insasse uns ein Programm vorlegen muss, wie er den Ausgang verbringen will, das wir dann wiederum nach seiner Rückkehr mit ihm nachbesprechen», sagt Frei. Andere Auflagen seien, dass er von Angehörigen abgeholt und wieder zurückgebracht wird oder dass er einen Geldbetrag quasi als Rückkehrpfand hinterlegt.

Höhere Hürden für ausländische Gefangene

Drei Möglichkeiten gibt es in Saxerriet, die Strafanstalt während der Haftzeit auf legalem Weg zu verlassen: den Sachurlaub, den Beziehungsurlaub und den Ausgang. Sachurlaub könne ein Insasse erhalten, wenn er beispielsweise Vater werde oder einen Termin bei einer Amtsstelle wahrnehmen müsse. Die Urlaubszeit sei auf höchstens 16 Stunden begrenzt und diese Form des Urlaubs sei an ein konkretes Ereignis gebunden, sagt Frei. Dann gibt es die Möglichkeit des Beziehungsurlaubs. Dieser diene der sozialen Wiedereingliederung des Gefangenen und kann länger als 16 Stunden dauern. «Im offenen Vollzug muss mindestens ein Sechstel der Strafe verbüsst sein, um den Urlaub beantragen zu können, zudem muss sich der Häftling mindestens seit zwei Monaten zur Eingewöhnung in der Strafanstalt aufhalten», sagt Frei. Im ersten Jahr, in dem der Gefangene Anspruch auf Urlaub habe, dürfe er 16 Urlaubstage beziehen und im zweiten Jahr 21. Auch Ausgänge könnten erst nach zwei Monaten Aufenthalt im Saxerriet bewilligt werden und dürften höchstens fünf Stunden lang dauern. Bei ausländischen Gefangenen würden noch höhere Hürden gelten. Ausländer, welche die Schweiz nach der Haft verlassen müssten, hätten über gültige Reisepapiere zu verfügen und müssten die Bereitschaft zeigen, dass sie den Aus- oder Wegweisungsentscheid befolgen würden.

Die Rückkehrquote bei Urlauben und Ausgängen liegt in Saxerriet bei über 99 Prozent. 2015 entwichen sechs Gefangene, fünf davon wurden wieder geschnappt. «Bei solchen, die entweichen, handelt es sich nicht um Personen, die schwere Delikte verübt haben. Meistens sind es Suchtkranke, die rückfällig werden», sagt Frei. Allgemein sei die Versuchung auszubrechen relativ klein, da die Insassen wüssten, dass sie sonst die Möglichkeit verlieren könnten, nach der Verbüssung von zwei Dritteln ihrer Strafe auf freien Fuss zu kommen.