Kaum noch Hoffnung für vermissten Buben

WATTWIL. Polizei und Feuerwehr suchen weiterhin nach einem seit Samstag in Wattwil vermissten zweijährigen Buben. Weil sein Schuh in der Nähe der Thur gefunden wurde, kamen gestern Taucher und Kajaks zum Einsatz.

Christoph Fust
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Polizei und Feuerwehr suchen die Thur zwischen Lichtensteig und Bütschwil nach dem vermissten Zweijährigen ab. (Bild: Keystone)

Polizei und Feuerwehr suchen die Thur zwischen Lichtensteig und Bütschwil nach dem vermissten Zweijährigen ab. (Bild: Keystone)

Die Zeit läuft gegen die Suchmannschaften: Seit Samstagnachmittag wird in Wattwil ein zweijähriger Eritreer vermisst. Seine Eltern hatten ihn während eines Festes im Katholischen Kirchzentrum aus den Augen verloren. Seither sind Polizei, Feuerwehr und zeitweise auch die Rega im Einsatz. Weil am Ufer der Thur, in unmittelbarer Nähe des Kirchzentrums, ein Schuh des Buben gefunden wurde, liegt der Fokus auf dem Fluss.

Der vermisste Zweijährige. (Bild: Kapo SG)

Der vermisste Zweijährige. (Bild: Kapo SG)


Chancen stehen schlecht
Nachdem bis am Sonntag der Flusslauf zwischen Wattwil und Lichtensteig abgesucht worden war, wurde der Radius am Montag bis nach Dietfurt in der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil erweitert. Für diesen schwer zugänglichen Teil der Thur setzten die Suchmannschaften nebst Tauchern und Spürhunden auch Kajaks ein. Die Suche erstreckte sich gestern bis zu einem Wehr in Dietfurt. Die Thurgauer Kantonspolizei habe mittlerweile ebenfalls begonnen, die Thur auf ihrem Gebiet abzusuchen, sagte Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Beispielsweise am Wehr in Bischofszell. Hier stand zusätzlich zu mehreren Tauchern ein Schiff im Einsatz. Die Suche blieb bis am Montagabend erfolglos. Rezzoli zieht ein nüchternes Fazit: "Die Chancen, den Buben lebend zu finden, sind gleich Null."
Andere Möglichkeiten für das Verschwinden des Zweijährigen würden aber nicht ausser Acht gelassen. Es seien bereits diverse Abklärungen in verschiedene Richtungen vorgenommen worden, die aber nichts erbracht hätten. Selbst wenn der Bub nicht in die Thur gefallen sei, sich beispielsweise verlaufen habe, seien seine Überlebenschancen angesichts der niedrigen Temperaturen der vergangenen Nächte gering, sagt Rezzoli.

Spezialisten betreuen Familie
Die Familie des Buben wird durch Spezialisten psychologisch betreut. "Man kann sich vorstellen, wie es ihnen geht", sagt Rezzoli. Gemäss Onlinemedien soll die Familie im zürcherischen Gossau wohnen und zu dem Zeitpunkt, als der Bub verschwunden ist, in Wattwil an einem Tauffest gewesen sein.
Am Samstag halfen Freunde und Bekannte der eritreischen Familie bei der Suche nach dem Zweijährigen mit. Am Montag verliefen die Sucharbeiten jedoch ohne zivile Beteiligte. Gian Andrea Rezzoli ist froh darüber: "Zivilpersonen wären bei der Suche hinderlich, da die Einsatzkräfte zusätzliche Verantwortung übernehmen müssten in einem ohnehin schwierigen Gebiet mit steil abfallenden Uferbereichen."

Ein Polizist sucht nach dem vermissten Buben, aufgenommen an der Thur, am Montag, 20. April 2015, in Bütschwil. (Bild: Keystone)
8 Bilder
Ein Polizeiauto, aufgenommen an der Thur. (Bild: Keystone)
Es ist der dritte Tag der Suche. (Bild: Keystone)
An der Thur wurde ein Schuh gefunden. (Bild: Keystone)
Ist der zweijährige Eritreer ertrunken? (Bild: Keystone)
Die Polizei schliesst Hinweise auf eine Entführung nicht aus. (Bild: Keystone)
Die Eltern hatten das Kind während eines Festes aus den Augen verloren. (Bild: Keystone)
Das Katholische Kirchenzentrum, wo das Fest stattfand, liegt nahe der Thur. (Bild: Keystone)

Ein Polizist sucht nach dem vermissten Buben, aufgenommen an der Thur, am Montag, 20. April 2015, in Bütschwil. (Bild: Keystone)


Tag vier der Suchaktion
Am Dienstag geht die Suche nach dem Zweijährigen weiter. Am vierten Tag fliege möglicherweise die Rega nochmals, sagt Rezzoli. "Wir konzentrieren uns weiterhin flussabwärts, Richtung Bütschwil." Dies sei momentan wegen des gefundenen Schuhs die wahrscheinlichste Option, den Buben zu finden.
Personen, welche Angaben zum Fall machen können, bittet die Polizei weiterhin, sich unter Telefon 058 229 87 87 zu melden. Laut Polizei trug der vermisste Bub einen braunen Pullover mit rosa Streifen und eine braune Hose.