Zu Besuch auf dem Riethof
Waschen, shampoonieren und trocknen: So bereiten sich Gossauer Landwirte auf die Viehschau vor

Heute Samstag ist Gemeindeviehschau im Gossauer Niederdorf. Miss Gossau und Miss Fleckvieh werden ab 14 Uhr gekürt. Auch in den Gemeinden der Region finden demnächst Viehschauen statt.

Rita Bolt
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Landwirt Willi Schmid wäscht seine Kuh als Vorbereitung für die Viehschau.

Landwirt Willi Schmid wäscht seine Kuh als Vorbereitung für die Viehschau.

Bild: Michel Canonica

Nach zwei Jahren findet zur Freude der Landwirte wieder eine Gossauer Gemeindeviehschau statt. Sie ist eine von wenigen in der Region. «Die Viehschau bietet der Landwirtschaft eine Plattform, um sich der Bevölkerung und den Konsumenten zu zeigen und Werbung in eigener Sache zu machen», sagt Landwirt Samuel Wick. Er ist der neue Viehschau-Verantwortliche des organisierenden Viehzuchtvereins Gossau-Arnegg und gleichzeitig auch der neue Vereinspräsident und Nachfolger von Christoph Dörig.

Wick freut sich auf die Viehschau: Er beteiligt sich mit 25 Kühen am Wettbewerb. Wick wohnt mit seiner Frau Sonja und seinen zwei Kindern auf der Rüti, bewirtschaftet einen Hof mit 51 Milchkühen und widmet sich der Rinderaufzucht. Der züchterische Vergleich an einer Viehschau sei ebenfalls wichtig, um den eigenen Bestand zu beurteilen und weiterzuentwickeln. Auch werde untereinander gehandelt.

Auf dem Schützenhausplatz stellen sich heute 180 gestriegelte und geputzte Tiere zur Schau. Es werden drei Rassen aufgeführt: Braunvieh, Holstein und Red Holstein. Christoph Dörig wird zur Freude der Zuschauer sennisch auffahren, das heisst mit allem Drum und Dran einer Alpfahrt. Samuel Wick erklärt:

«Die Tiere werden am Morgen nach Alter und Milchleistung in verschiedene Abteilungen eingeteilt und dann nach Exterieur, also nach Aussehen, rangiert.»

Im ersten Rang soll jene Kuh sein, welche dem Zuchtziel von Braunvieh Schweiz am ehesten entspreche. Den Viehzuchtverein Gossau-Arnegg gibt es seit über 130 Jahren. Er gehört zu den ältesten in der Ostschweiz.

Die Kühe geniessen das Waschen.

Die Kühe geniessen das Waschen.

Bild: Michel Canonica

50 Kühe kommen vom Riethof auf den Schützenhausplatz

Im Verlaufe des heutigen Tages stehen verschiedene Spezialwettbewerbe an. Gekürt werden Miss Gossau Braunvieh und Miss Gossau Fleckvieh. «Der Sieg geht an jene Kühe mit dem komplettesten Exterieur», so Wick. Beide Preise gingen 2019 an Doris und Willi Schmid vom Riethof. Miss Fleckvieh Ramona und Miss Gossau Braunvieh Celine sind wieder mit dabei und mit ihnen weitere 48 Kühe vom Riethof. Mit etwa 50 von 180 Tieren bringen Schmids die meisten Kühe an die Viehschau.

«Der Aufwand, um an einer Viehschau teilzunehmen, ist gross», sagt Mario Schmid, der auf dem Hof der Eltern in einem 50-Prozent-Pensum arbeitet. «Wir schauen natürlich nicht nur vor einer Viehschau gut zu unseren Tieren, sondern das ganze Jahr», sagt Schmid. Die intensive Vorbereitungszeit auf dem Riethof beginne etwa eine Woche vor der Viehschau. Der junge Landwirt sagt:

Mario Schmid schert das Euter einer seiner Kühe.

Mario Schmid schert das Euter einer seiner Kühe.

Bild: Michel Canonica
«Alle Kühe werden gewaschen, shampooniert und mit einem Gummischaber leicht abgerieben.»

Eventuell würden noch die Euter geschoren. Das werde alles von Familienmitgliedern erledigt. An der Viehschau selber hätten sie Helferinnen und Helfer. Insgesamt seien sie etwa zehn Personen.

Wie Schmids haben auch Schlauris im Espel keine Probleme, Helferinnen und Helfer für die Viehschau zu finden. «Wir freuen uns riesig und sind dankbar, dass die Viehschau stattfinden kann», sagt Erika Schlauri. Die Viehschau sei der ganzen Familie und vor allem den Kindern wichtig. Auch im Espel werden die Kühe gewaschen und die Euter geschoren. «Und die Schellen werden auf Hochglanz poliert», sagt Schlauri. Sie selber ist noch mit dem Kopfschmuck für die 25 Kühe beschäftigt. Die Landwirte hätten am Mittwoch das Festzelt aufgestellt und den Schauplatz eingerichtet. Der Schauabend findet nach der Viehschau statt.

Ponyreiten und Streichelzoo

Es werden noch weitere Preise vergeben: Die Kuh mit dem schönsten Euter beim Braunvieh und beim Fleckvieh werden ausgezeichnet. «Das Euter spielt eine zentrale Rolle für die Wirtschaftlichkeit einer Kuh», sagt Samuel Wick. Auch werden Preise für Leistungen vergeben: Für die höchste Lebensleistung und für jene Kuh, die am wirtschaftlichsten ist.

«So wie es aussieht, haben wir Wetterglück», sagte Wick am Freitag freudig. Auffahrt ist ab 8 Uhr, rangiert wird ab 10 Uhr. Auf dem Festplatz können die Kinder Ponyreiten, es gibt einen Streichelzoo und eine Hüpfburg. Im mit Blumen geschmückten Festzelt ohne Wände können gemäss Veranstalter die Corona-Schutzmassnahmen eingehalten werden.

Prognose Viehschauen in der Region

Im Sommer gab sich der St.Galler Viehzuchtverband noch zuversichtlich, dass Viehschauen in der gesamten Region St.Gallen wieder zahlreicher durchgeführt werden können als noch 2020. Die aktuelle Prognose sieht durchmischt aus.

Die Häggenschwiler Viehschau, die am 18. September hätte stattfinden sollen, wurde aufgrund der geltenden Coronamassnahmen abgesagt. Aus demselben Grund kann auch die geplante Viehschau am 25. September in Muolen nicht durchgeführt werden, genauso wie die St.Galler Viehschau am 1. Oktober beim Schlössli Haggen. Die 100-Jahr-Jubiläumsviehschau in St.Georgen am 2. Oktober möchte man derweil trotz Massnahmen durchführen. Der definitive Entscheid liegt derzeit bei der Stadtpolizei St.Gallen, die Veranstalter sind allerdings optimistisch, dass das grosse Jubiläum stattfinden kann.

Zuversichtlich ist man auch in Eggersriet. Dort soll sich das Organisationskomitee am kommenden Mittwoch für einen definitiven Entscheid treffen. Die Durchführung am 25. September hängt vom Wetter ab. Gute Nachrichten gibt es währenddessen aus Mörschwil: Wie bereits im Vorjahr wird auch 2021 eine Viehschau durchgeführt. «Die Leute warten schon sehnlichst auf das Dorffest», so Veranstalter Heini Stricker. Damit die geplante Viehschau am 25. September reibungslos vonstattengehen kann, werde ein umfassendes Schutzkonzept aufgegleist. Von der kürzlich beschlossenen Zertifikatspflicht sei man als Aussenveranstaltung mit einer Besucherzahl von unter 1000 Personen nicht betroffen. Weiterhin unklar ist indessen die Durchführung in Andwil am 6. Oktober. Dort soll ein definitiver Entscheid bis nächste Woche gefällt werden. (pke)

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