KARTE: Auch Oberflächenwasser ist eine Naturgefahr

Aktuell verfügt nur der Kanton Luzern über eine «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss». Sobald die entsprechenden Informationen auch für den Kanton St. Gallen vorhanden sind, werden sie im öffentlichen Geoportal einsehbar sein.

Drucken
Teilen
Regenwasser überflutet die Autobahn bei Wil. (Bild: Ralph Ribi (14. Juni 2015))

Regenwasser überflutet die Autobahn bei Wil. (Bild: Ralph Ribi (14. Juni 2015))

Hochwasser von Flüssen und Seen, Lawinenzüge, Steinschlag und Felssturz. Zu diesen und weiteren Naturgefahren gibt es detaillierte Karten, die das ganze Siedlungsgebiet des Kantons St. Gallen abdecken. Online einsehbar sind sie im kantonalen Geoportal.

Regenwasser wird gemeinhin kaum als Naturgefahr wahrgenommen. Erst recht nicht, wenn Regen nach einer Hitzeperiode willkommene Abkühlung bringt und landwirtschaftliche Kulturen vor dem Verdorren bewahrt. Aber auch Regenwasser kann enormen Sachschaden anrichten und im Extremfall sogar zur tödlichen Gefahr werden. Im luzernischen Dierikon überraschte und tötete eine Sturzflut vor zwei Jahren zwei Personen, die sich während eines Gewitters in einem Keller aufgehalten hatten.

Karte ist rechtlich nicht verbindlich

Luzern ist denn auch der einzige Kanton, der analog zu den anderen Gefahrenkarten über eine Oberflächenabflusskarte verfügt. Dies weil ihn der Bund als Pilotkanton vorgezogen hat, um die Methodik für das Erarbeiten solcher Karten zu testen. Ziel ist, dass Mitte nächsten Jahres auch alle anderen Kantone über eine Gefährdungskarte Oberflächenabfluss verfügen. «Die Arbeiten laufen auf Hochtouren» sagt Cornelius Stillhard von der St. Gallischen Gebäudeversicherungsanstalt GVA.

Die Karte wird laut Stillhard Fliesswege und Fliesstiefe des Oberflächenwassers nach einem Starkregen aufzeigen, wie er statistisch alle 100 Jahre vorkommt. Für Siedlungsränder seien die Ergebnisse nach den Luzerner Erfahrungen gut, innerhalb der Siedlungen allerdings «mit grosser Vorsicht zu geniessen». Dies weil im Geländemodell nicht alle Feinstrukturen wie etwa Mauern erfasst seien. «Im Gegensatz zu den anderen Gefahrenkarten, die bei Bauvorhaben zu berücksichtigen sind, ist die Oberflächenwasserkarte eher als Hinweiskarte zu betrachten», sagt Stillhard. In beschränktem Masse zur Schadenprävention taugt sie dennoch. Erfahrungswerte zeigen, dass oberflächig abfliessendes Regenwasser für die Hälfte aller durch Wasser verursachten Unwetterkosten verantwortlich ist.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch