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KARRIERE: Der Meister über den Staub

Er lebt in England und forscht an neuen Staubsaugern: Der Romanshorner Stefan Koch ist Ingenieur beim Technologiekonzern Dyson. In seiner Freizeit degustiert er auch mal Most im britischen Thurgau.
Ursula Ammann
Stefan Koch mit dem neuen kabellosen Dyson-Staubsauger. (Bild: PD)

Stefan Koch mit dem neuen kabellosen Dyson-Staubsauger. (Bild: PD)

Ursula Ammann

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Staub saugen ist für Stefan Koch keine lästige Hausarbeit. Er hat sogar Freude daran. «Und es erfüllt mich auch jedes Mal ein bisschen mit Stolz», sagt der gebürtige Romanshorner. Denn der kabellose Dyson Cyclone V10, mit dem er jeweils durch seine Wohnung in Bristol fegt, hat er mitentwickelt. Seit zwei Jahren arbeitet der 29-Jährige im Dyson-Hauptquartier im englischen Malmesbury. Er ist einer von 4500 Ingenieuren, die der Technologiekonzern weltweit beschäftigt – und der einzige Schweizer, der an der Entwicklung des neuen Staubsaugers beteiligt war. Bei diesem handelt es sich wohl um das bekannteste Produkt des Unternehmens, das nebenbei auch Geräte wie Haartrockner oder Luftreiniger herstellt. Der Thurgauer arbeitet in der Abteilung «Floor Care Research», sozusagen im Herzen von Dyson.

Per Du mit dem Firmengründer

Genau so gut könnte Stefan Koch heute aber auch in der Automobil- oder Flugzeugindustrie forschen. Nach dem Bachelor in Maschinenbau an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur absolvierte er den Master in Aerodynamik an der Universität in Southampton. Weshalb widmet er sich beruflich ausgerechnet einem Haushaltsgerät? «Die physikalischen Grundlagen sind überall dieselben», erklärt Stefan Koch. «Ob bei Autos, Flugzeugen oder Staubsaugern.» Deshalb komme zum Beispiel dieselbe Software zum Einsatz. Mit dieser simulierte und berechnete der Ingenieur, wie die Luft möglichst widerstandslos durch den Staubsauger strömt. Schliesslich sollte dieser möglichst energieeffizient und geräuscharm sein.

Für den 29-Jährigen, der bereits als Kind am Innenleben von Maschinen und Geräten interessiert war, ist die Arbeit wie ein Hobby. «Ich freue mich jeden Tag darauf», sagt er. «Die Leute im Team sind wie Freunde für mich.» Mit dem Firmengründer James Dyson ist er per Du. Schon dreimal hat er dem Patron seine Forschungsergebnisse vorgestellt. «Anfangs ist mir fast das Herz in die Hose gerutscht», sagt der Romanshorner. Er habe Bedenken gehabt, ob seine Englischkenntnisse gut genug seien. An der ersten Präsentation feilte er eine Woche lang. Mittlerweile habe er aber Übung im Präsentieren und alles sei viel entspannter. Derzeit tüftelt Stefan Koch bereits an neuen Produkten, die voraussichtlich 2020 auf den Markt kommen.

Praxistests im ­viktorianischen Zuhause

Wenn der Thurgauer Feierabend hat, heisst das noch lange nicht, dass er seine Arbeit beiseite legt. «Was die Ingenieure im Unternehmen entwickeln, prüfen sie zu Hause auf Herz und Nieren», sagt Koch. Ziel sei es, das Produkt in der Praxis zu testen und alle Kinderkrankheiten auszumerzen. So hat er mit dem Dyson Cyclone V10 schon ein Jahr vor der Markteinführung zu Hause sauber gemacht. Koch wohnt mit seiner Freundin – einer Engländerin – in einem 120-jährigen viktorianischen Haus in Bristol. Die Stadt hat 450000 Einwohner. Er mag das Leben und die Leute. Manchmal vermisse er seine Heimat schon etwas, sagt der 29-Jährige. «Vor allem die Ruhe, den Bodensee und das Ländliche.»

Wenn ihn die Sehnsucht überkommt, muss er nicht zwingend ins Flugzeug steigen. Denn Bristol grenzt an die Grafschaft Somerset. «Sie ist so etwas wie der Thurgau Englands», erklärt Koch. Es gebe dort viele Apfelbäume. Kürzlich hat er bei einem Ausflug sauren Most degustiert. Seinen Thurgauer Wurzeln möchte er treu bleiben. Alle zwei Monate fliegt er in die Schweiz, um Familie und Freunde in Romanshorn und Umgebung zu besuchen. Dann ruht nicht nur er, sondern auch der Staubsauger.

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