Karabiner durchtrennt Seil

Noch haben die Behörden zum Hergang des tragischen Unfalls im «Klettergarten» Magletsch nichts Genaueres bekanntgegeben. Doch Freunde des tödlich Verunglückten schildern Details.

Thomas Schwizer
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OBERSCHAN. Der am Samstag tödlich Verunglückte war ein erfahrener Kletterer, Bergführer, Geologe und Autor von Kletterführern. Zudem war er Präsident des Kletter-Clubs Rätikon. Der 37-Jährige wird von seinen Freunden als sehr guter, gewissenhafter und seriöser Kletterer bezeichnet, wie der Homepage mauerlaufer.ch zu entnehmen ist.

Der tödlich Verunglückte sei eine Route geklettert, bei welcher die «Expressschlingen» fix montiert seien. Oberhalb einer solchen Schlinge habe er «bewusst einen kontrollierten und beim Sportklettern üblichen Sturz ins Seil eingeleitet», als das Seil riss, wird der Hergangs des tragischen Vorfalls, unterzeichnet von «Deine Freunde», beschrieben. Das Seil sei an dem «durch die Seilreibung scharfkantig ausgeschliffenen Karabiner» durchtrennt worden. Die sehr scharfen Kanten des Expresskarabiners seien über einen längeren Zeitraum «durch ungünstige Reibung entstanden». Solch scharfkantige Abnützungen von Karabinern, die ein Seil durchtrennen können, seien bisher völlig unvorstellbar gewesen, heisst es weiter. Die Kantonspolizei St. Gallen konnte gestern auf Anfrage diesen Hergang des Unfalls aufgrund ihres Ermittlungsstandes nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren.

In Kletterführern enthalten

Wer haftet bei einem solchen Unfall? Die Gemeinde Wartau sicher nicht, sagt deren Präsident Beat Tinner auf Anfrage. Sowohl der «Klettergarten» Magletsch, in dem sich das tragische Unglück ereignete als auch jener am Schollberg seien von der Standortgemeinde nie bewilligt worden. Auch ein Verbot des Kletterns an diesen Stellen sei nie konkret thematisiert worden – denn «wer soll das kontrollieren?», fragt Beat Tinner. Auf solche Kletterwände werde sogar in Kletterführern hingewiesen, zumindest im Internet. Und auch da sei eine Kontrolle praktisch nicht möglich.

Müsste die Gemeinde die Verantwortung als «Klettergarten»-Betreiberin übernehmen, würde sie aus Haftungsgründen sofort Verbote aussprechen. Beim «Klettergarten» Magletsch sei sogar vor einigen Jahren in Zusammenhang mit dem Waldentwicklungsplan ein Verbot der Nutzung durch Kletterer diskutiert worden, sagt der Gemeindepräsident. Die entsprechende Felswand, so sei die Meinung gewesen, werde nur von Sportkletterern genutzt, die sehr geübt seien. Deshalb habe man auf ein Verbot verzichtet, dessen Kontrolle ja ohnehin kaum umzusetzen wäre.

Nutzer ist selbst verantwortlich

Wie bei Hochgebirgsklettertouren sind also offensichtlich die Nutzer selbst für ihre Sicherheit verantwortlich. Das sei ihnen auch klar, sagt der Wartauer Gemeindepräsident. Die Eigenverantwortung der Nutzer gilt anscheinend auch für von ihnen oder anderen Kletterern fix montierte Karabiner oder Schlaufen beziehungsweise deren Zustand und Verankerung.