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KANTONSRAT: Nur die SVP bestreitet Theatersanierung

Klare Mehrheit für die knapp 50 Millionen teure Erneuerung des St. Galler Theaters im Kantonsparlament: Die SVP blieb mit ihren Anträgen auf Rückweisung zur Prüfung eines Neubaus sowie auf einen zusätzlichen Umbau des Zuschauerraums allein.
Marcel Elsener
Zuschauerraum im Theater St. Gallen: Die Bestuhlung soll bequemer werden, bleibt aber aufgrund der Stufenkonstruktion gleich angeordnet. (Bild: Ralph Ribi)

Zuschauerraum im Theater St. Gallen: Die Bestuhlung soll bequemer werden, bleibt aber aufgrund der Stufenkonstruktion gleich angeordnet. (Bild: Ralph Ribi)

Marcel Elsener

marcel.elsener@tagblatt.ch

Die Vorlage der Regierung für die umfassende Erneuerung des fast fünfzigjährigen Theatergebäudes St. Gallen hat die erste Lesung im Kantonsrat schadlos überstanden. Alle Fraktionen mit Ausnahme der SVP konnten sich auf das Massnahmenpaket mit baulichen, energetischen und sicherheitstechnischen Verbesserungen im denkmalgeschützten Béton-brut-Bau einigen. Die Mehrheit des Kantonsrates war mit der vorberatenden Kommission der Ansicht, dass die Reserven zu knapp gehalten sind: Diese werden demnach um eine Million Franken erhöht, was die Gesamtkosten auf 48,6 Millionen Franken steigen lässt. Die Regierung hatte nichts gegen das grössere Reservepolster, zumal Baudirektor Marc Mächler (FDP) mehrfach betonte, dass die Sanierung nur «das Notwendige» umfasse und im Grunde jene «Minimalvariante» sei, die von der SVP als Variante zur Prüfung ins Spiel gebracht wurde. Die zweite Hürde der Theatervorlage wartet nach der zweiten Lesung in der Septembersession: Die SVP will, wie schon früh angekündigt und gestern bekräftigt, nach der Schlussabstimmung das Ratsreferendum ergreifen und damit eine Volksabstimmung durchsetzen.

SVP fordert Neubau statt «Flickwerk am Betonklotz»

Obwohl der Sanierungsbedarf im Theaterbau grundsätzlich unbestritten war, gab die Vorlage im Rat gut zwei Stunden zu diskutieren. Wie erwartet gaben die strittigen Fragen, die bereits die vorberatende Kommission beschäftigt hatten, zu reden: die Baukosten (namentlich die hohen Honorare), das Provisorium am sensiblen Ort im Stadtpark sowie die Frage des Finanzreferendums. Mehr noch reizte aber die von der SVP geforderte Prüfung eines Neubaus die Gemüter: Statt eines «teuren Flickwerks» sei ein Neubau die «ehrlichere und finanzpolitisch wahrscheinlich günstigere Lösung», sagte SVP-Sprecher Karl Güntzel. Angesichts der seit der Übernahme des «Stadttheaters» durch den Kanton (2010) aufs über Vierfache gestiegenen Erneuerungskosten sei das Theater «ähnlich wie die Tonhalle» wohl in wenigen Jahrzehnten wieder ein Sanierungsfall. Gegen Güntzels Vorwurf, die Bevölkerung sei «getäuscht» worden, wehrten sich Stadtpolitiker wie Arno Noger (FDP): Die baulichen Probleme wie Asbest, undichte Fassaden und ungenügende Abläufe seien damals schon bekannt und «teilweise beziffert» gewesen. Grund genug für andere SVP- Vertreter, den Béton-brut-Bau als «Betonklotz» (Toni Thoma) oder «Asbesthaufen» (Walter Gartmann) zu bezeichnen und einen Neubau zu fordern: «Wenn schon Theater, dann richtiges Theater!» Demgegenüber betonten die Fraktionssprecher Jürg Bereuter (FDP), Patrizia Adam (CVP-GLP) und Etrit Hasler (SP-Grüne) unisono die Bedeutung des denkmalgeschützten Gebäudes von Claude Paillard, eines «Juwels» und «Leuchtturms», und die Unmöglichkeit eines Neubaus im Stadtpark. Ein Schutzobjekt von nationaler Bedeutung bräuchte ein «grosses Entlassungsverfahren», sagte Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP). «Man kann jetzt nicht so tun, als ob man einfach abbrechen kann», pflichtete ihm Bauchef Mächler bei und stellte die allfälligen Neubaukosten in Relation: 80 Millionen, wie es verschiedentlich hiess, kostete vielleicht ein Teilneubau, jedoch schätze sein Departement einen Gesamtbau auf 130 bis 150 Millionen Franken.

Intermezzi um neue Stühle und gebundene Kosten

Der Antrag der SVP, die Sanierungsvorlage zu Gunsten einer Neubauvorlage zurückzuweisen, wurde schliesslich mit 36:78 abgeschmettert. Worauf die SVP ihre Taktik änderte und – nochmals getreu dem Motto «Wenn schon, denn schon» – mehr Komfort fürs Publikum verlangte. Ihr Antrag für eine andere Bestuhlung mit grösserer Beinfreiheit zu Mehrkosten von 2,4 Millionen blieb aber ebenfalls chancenlos. Die dafür nötige Sitzplatzreduktion sei aufgrund der Stufenkonstruktion baulich aufwendig und wirtschaftlich unsinnig, lautete das wichtigste Gegenargument. Schliesslich stritten sich die Juristen im Rat um die Frage, ob die Kosten für das – im Übrigen örtlich noch weiter zu prüfende – Provisorium sowie andere Massnahmen werterhaltende und damit gebundene Kosten seien oder nicht. Gemäss Güntzels Auffassung enthält die Vorlage nicht gebundene Ausgaben von knapp 16 Millionen, so dass der Erlass dem obligatorischen Finanzreferendum untersteht. Nachdem die Staatskanzlei den entsprechenden Antrag als «rechtlich nicht statthaft» taxierte, zog SVP-Fraktionschef Michael Götte die Notbremse. Aufgrund des Wunschs ihres Bauchefs («Ich wäre froh um die Abstimmung») machte in der Folge die FDP den «widerrechtlichen» Antrag zu ihrem – und freute sich übers Resultat: 73 Nein, 8 Ja, 31 Enthaltungen. Ein Theaterregisseur hätte diese kleine Groteske zum Schluss gewiss genossen, immerhin das.

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