KANTONSGERICHT ST.GALLEN: Mann soll Kinder der Partnerin missbraucht haben

Weil er die drei Kinder seiner Freundin jahrelang misshandelt und missbraucht haben soll, droht einem Mann eine langjährige Freiheitsstrafe und die sogenannte «kleine Verwahrung». Der 52-Jährige streitet die schweren Vorwürfe ab.

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Das Kantonsgericht hat noch nicht entschieden, doch dem Mann droht eine höhere Strafe. (Bild: Ralph Ribi)

Das Kantonsgericht hat noch nicht entschieden, doch dem Mann droht eine höhere Strafe. (Bild: Ralph Ribi)

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hatte den Beschuldigten im Mai 2015 zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Es sprach ihn der qualifizierten sexuellen Nötigung, sexueller Handlungen mit Kindern, der Pornografie, Freiheitsberaubung und schweren Körperverletzung schuldig. Die drei Kinder sollen eine Genugtuung von je 35'000 Franken bekommen, der leibliche Vater 15'000 Franken.

Konkret wird dem Mann vorgeworfen, dass er die drei Kinder sieben Jahre lang psychisch, physisch und sexuell misshandelt hat. Die beiden Mädchen hatten im Untersuchungsverfahren ausgesagt, er habe sie zu sexuellen Handlungen genötigt. Der Bub erzählte, er sei von ihm gezwungen worden, Pornofilme anzusehen und zu onanieren. Habe er sich geweigert, sei er geohrfeigt worden. Alle drei berichteten, dass sie in den dunklen Dieseltankraum des Hauses gesperrt worden seien.

Gegen das erstinstanzliche Urteil erhob der Mann Berufung. Die Vorwürfe stimmten allesamt nicht, sagte er am Mittwoch vor dem Kantonsgericht. Darauf erinnerte ihn der vorsitzende Richter daran, dass er bereits im Jahr 2010 wegen sexueller Belästigung und Nötigung verurteilt worden war, weil er die Kinder ohrfeigte, sie an den Haaren zog, Kopfnüsse austeilte und die Mädchen beim Duschen unsittlich berührte.

Vom Vater angestachelt

Auch damals habe er nichts Unrechtes gemacht, betonte der Beschuldigte. Warum die Kinder Lügen erzählten, könne er nicht sagen. Er gehe davon aus, dass sie von ihrem leiblichen Vater dazu gedrängt worden seien und sie sich danach abgesprochen hätten. Der Beschuldigte räumte ein, früher ziemlich viel Alkohol getrunken zu haben. Auch seine Freundin habe ab und zu mitgetrunken. Seien die Kinder frech gewesen, habe er sie ab und zu leicht an den Haaren gezogen.

Der Verteidiger beantragte einen Freispruch von Schuld und Strafe. Erachte das Gericht den Beschuldigten für schuldig, sei die Strafe auf höchstens vier Jahre zu senken. Die Aussagen der Kinder seien nicht beweiskräftig. Vieles deute darauf hin, dass sie von ihrem leiblichen Vater beeinflusst worden seien. Die Mutter bestätige die Vorwürfe ihrer Kinder jedenfalls nicht.

Die Höhe der von der Vorinstanz ausgesprochenen Strafe verletze das Prinzip der Verhältnismässigkeit. Von der Anordnung einer stationären Massnahme nach Artikel 59 StGB (kleine Verwahrung) sei abzusehen, da der Mann keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle.

Anklage beantragt höhere Strafe

Die Staatsanwältin verlangte mit eigener Berufung eine schärfere Sanktionierung. Sie beantragte neun Jahre Haft und die stationäre Massnahme. Die Taten des Beschuldigten wiegten schwer. Er habe die Kinder einer unbeschwerten und glücklichen Kindheit beraubt. Die Kindesmutter sei ebenfalls von seiner Gewalt betroffen gewesen, doch habe sie durch ihre starke Abhängigkeit vom Beschuldigten und ihre Alkoholsucht das Geschehene verdrängt.

Das Urteil des Kantonsgerichts St.Gallen wird noch diese Woche erwartet. (sda)