Kantonsgericht St.Gallen
Gestohlenes Parfum, Alkohol und Fleisch: Frau muss wegen Mithilfe bei Diebesbande das Land verlassen

Eine zweifache Mutter wird für fünf Jahre des Landes verwiesen. Sie gehörte einer Diebesbande an.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen
Eine Frau ist vom Kantonsgericht St.Gallen schuldig gesprochen worden. Sie hat in einer Diebesbande mitgeholfen.

Eine Frau ist vom Kantonsgericht St.Gallen schuldig gesprochen worden. Sie hat in einer Diebesbande mitgeholfen.

Bild: Getty

Die 25-jährige Rumänin steht vor Gericht, weil sie über mehrere Monate hinweg einer Diebesbande angehört haben soll. Mit dem Verkauf von gestohlener Ware habe sie ihren Lebensunterhalt finanziert. Die Beschuldigte bestritt, von den Ladendiebstählen gewusst zu haben.

Beschuldigte verlangt Freispruch

Das Kreisgericht Wil hatte die Frau im Dezember 2018 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt und eine Landesverweisung von fünf Jahren ausgesprochen. Dagegen wehrte sich die Frau am Kantonsgericht St.Gallen. Sie beantragte mit ihrer Berufung einen vollumfänglichen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft erhob Anschlussberufung und verlangte einen härteren Schuldspruch und eine höhere Freiheitsstrafe.

Gemäss den Ausführungen der Beschuldigten kam sie in die Schweiz, als sie 19 Jahre alt war. Sie lernte einen Mann kennen, der offenbar schon damals mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, und bekam zwei Kinder. Nachdem sie einige Zeit zusammengewohnt hatten, habe er eine neue Freundin gehabt, erzählte sie vor Gericht. Auf die Ladendiebstähle angesprochen, beteuerte sie, nichts davon gewusst zu haben. Sie habe gedacht, der Vater ihrer Kinder betreibe mit Kollegen einen legalen Handel mit Waren.

«Ausgebufftem Typen» zum Opfer gefallen

Der Verteidiger beantragte einen vollumfänglichen Freispruch von Schuld und Strafe. Falls das Kantonsgericht dennoch einen Schuldspruch fälle, sei die Beschuldigte zu einer milden Strafe zu verurteilen. In jedem Falle sei auf eine Landesverweisung zu verzichten. In seinem Plädoyer machte er verschiedene Mängel im Beweisverfahren geltend. So beanstandete er beispielsweise, in der Anklageschrift sei nicht ausreichend beschrieben, was genau man der Frau vorwerfe.

Seine Mandantin habe die 49 Ladendiebstähle weder willentlich noch wissentlich unterstützt, betonte der Verteidiger. Sie sei in noch sehr jungen Jahren an einen «ausgebufften Typen» geraten, der sie ausgenutzt, dominiert und eingeengt habe. Auf eine Landesverweisung müsse verzichtet werden, da ein klarer Härtefall vorliege. Die Frau sei noch nicht einmal zwanzig Jahre alt gewesen, als sie ihre Heimat verlassen habe, und habe in der Schweiz zwei Kinder zur Welt gebracht. Sie habe keinen Bezug mehr zu ihrem Heimatland.

Facebook-Seite für Verkauf von gestohlener Ware eröffnet

Der Staatsanwalt zeichnete ein anderes Bild. Die Beschuldigte habe sehr wohl gewusst, woher die Waren wie Parfums, Spirituosen und Fleisch stammten. Sie habe das Deliktsgut sortiert und für den Weiterverkauf vorbereitet. Die Frau habe direkt davon profitiert, indem sie einen Teil des Lebensunterhaltes mit den Straftaten finanziert habe. Zudem seien die für die Ladendiebstähle benutzten Fahrzeuge auf ihren Namen eingetragen gewesen. Sie habe zum Weiterverkauf der gestohlenen Waren sogar eine Facebook-Seite eröffnet.

Für den Staatsanwalt sei deshalb klar, dass nicht von Gehilfenschaft, sondern Mittäterschaft zu gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls auszugehen ist. Er beantragte eine Erhöhung des erstinstanzlichen Urteils auf eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Straferschwerend sei zu berücksichtigen, dass die Frau bereits wenige Monate nach ihrer Einreise in die Schweiz straffällig geworden sei, noch während des laufenden Verfahrens für die Aufenthaltsbewilligung.

Beschuldigte muss Land verlassen

Das Kantonsgericht St.Gallen hob den Entscheid des Kreisgerichts Wil auf. Es sprach die Beschuldigte in einigen Anklagepunkten frei, in anderen jedoch schuldig und verurteilte sie wegen Gehilfenschaft zu gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls. Das Strafmass wandelte es in eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 30 Franken um. Zudem entschied es, die Beschuldigte sei für fünf Jahre des Landes zu verweisen. Die Kosten für das Untersuchungs- und die Gerichtsverfahren betragen rund 24‘000 Franken. Davon hat die Frau die Hälfte zu bezahlen, die andere Hälfte trägt der Staat.