KANTONSGERICHT: Schweinemäster wegen Betrugs verurteilt

Tierquälerei, Urkundenfälschung und Betrug – in diesen Punkten hat das St. Galler Kantonsgericht einen Schweinemäster aus dem Linthgebiet schuldig gesprochen.

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Das St. Galler Kantonsgericht hat einen Schweinemäster aus dem Linthgebiet wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. Der 49-Jährige hatte über 9000 Mastschweine unter dem Label «QM Schweizer Fleisch» verkauft, obwohl die Tiere nicht aus zertifizierten Betrieben stammten. Das Gericht sprach den Schweinemäster auch der Anstiftung zur Urkundenfälschung und der Tierquälerei schuldig. Es verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer bedingten Geldstrafe, wie es gestern mitteilte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Mit seinem Entscheid in zweiter Instanz hob das Kantonsgericht ein Urteil des Kreisgerichts See-Gaster vom Herbst 2015 in den Hauptpunkten auf. Das Kreisgericht hatte den Schweinemäster vom Vorwurf des Betrugs und der Urkundenfälschung freigesprochen und ihn nur wegen Tierquälerei verurteilt. Laut Anklage lieferte der Verurteilte zwischen 2007 und 2009 mit einem Mitarbeiter über 9000 Mastschweine unter dem Label «QM Schweizer Fleisch» des Schweizer Bauernverbands an Schlachthöfe. Die Tiere stammten aber nicht aus zertifizierten Betrieben. Durch die falsche Deklaration erzielte der Mäster einen höheren Verkaufspreis. Der Staatsanwalt forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Verseuchte Schweine als zertifiziert verkauft

Als «QM Schweizer Fleisch» sollen auch etwa 1000 Schweine verkauft worden sein, die mit der Seuche Enzootische Pneumonie, einer Lungenentzündung, infiziert waren. Der Mäster hatte die Tiere von einem anderen Betrieb übernommen, um sie schlachten zu lassen. Neben Betrug und Urkundenfälschung warf ihm die Anklage Tierquälerei vor. Einige Schweine wiesen bei der Anlieferung an die Schlachthöfe Verletzungen, abgebissene Schwänze und Zeichen von Vernachlässigung auf. Der Mäster wies in der Berufungsverhandlung am Dienstag jede Schuld von sich: Er habe diese Tiere von anderen Betrieben so übernommen. Immer wieder hätten das Veterinäramt des Kantons St. Gallen, andere Kantone und der Bund ihm Schweine aus Seuchenbetrieben zur Absonderung zugewiesen. Er sei «fünf Jahre lang der Güsel­kübel gewesen». Alle als «QM Schweizer Fleisch» verkauften Sauen seien von einem seiner drei QM-zertifizierten Betriebe gekommen. Es sei immer alles «absolut korrekt gelaufen». Dem Staatsanwalt warf er Unkenntnis und «Lügen» vor.

Der Verteidiger forderte einen Freispruch. Der Betrug und die Urkundenfälschung seien nicht bewiesen. Zudem sei kein Vermögensschaden entstanden. «QM Schweizer Fleisch» garantiere lediglich die Einhaltung der Schweizer Tierschutzvorschriften. Den ehemaligen Mitarbeiter des Mästers verurteilte das Kantonsgericht wegen Gehilfenschaft zum Betrug, Urkunden­fälschung und Tierquälerei und auferlegte ihm eine bedingte Geldstrafe. Der Mäster war schon 2007 vor Gericht gestanden: Als Käseproduzent wurde ihm Etikettenschwindel vorgeworfen. Er wurde freigesprochen. Vielen Bauern blieb er Geld für Milch­lieferungen schuldig. (sda)