KANTONSGERICHT: Barmann mit Bierflasche geschlagen

Ein 38-jähriger Türke hat einen Barmann in St. Gallen niedergeschlagen und verletzt liegen gelassen. Er versuchte, den Verzicht auf Landesverweisung zu erwirken.

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Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen, dass er im November 2016 in einem Lokal in der Stadt St. Gallen einem Barmann un­vermittelt eine Bierflasche an den Kopf geschlagen und ihn anschliessend verprügelt hat. Er habe das aus einer Wunde blutende Opfer liegen lassen, das Serviceportemonnaie gestohlen und die Bar fluchtartig ver­lassen.

Der Vorfall habe sich nicht so zugetragen, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe, erklärte der Beschuldigte in der Befragung des vorsitzenden Richters. Er sei morgens um 5 Uhr in das Lokal gekommen und habe ein Bier trinken wollen. Der Barmann und weitere Gäste hätten ihn grundlos aufgefordert zu gehen, ihn beschimpft, ausgelacht und provoziert. Es habe dann eine Auseinandersetzung gegeben, während der er dem Barmann lediglich eine Ohrfeige gegeben habe. Er habe Angst bekommen wegen der Übermacht der möglichen Angreifer und sei deshalb weggegangen. Warum er das Portemonnaie mitgenommen habe, wisse er nicht mehr. Der Mann bestritt vehement, dem Barmann eine Bierflasche an den Kopf geschlagen zu haben. Selbst als ihm der vorsitzende Richter Bilder einer Überwachungskamera vom Vorfall zeigte, verneinte er den Vorwurf. Möglicherweise handle es sich um einen technischen Defekt auf den Aufnahmen.

Mehrfach vorbestraft

Der IV-Bezüger war bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Im März 2008 wurde er wegen Sachbeschädigung, drei Monate später wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand verurteilt. 2009 machte er sich des pflichtwidrigen Verhaltens bei einem Unfall schuldig. 2015 folgte eine Verurteilung wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Zudem erhielt er mehrere Strafbefehle wegen Tätlichkeiten gegenüber seiner Ehefrau.

Das Kreisgericht St. Gallen erklärte den Beschuldigten wegen des Vorfalles in der Bar des Raubes und der versuchten schweren Körperverletzung schuldig. Es verurteilte ihn im Juli 2017 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sprach eine Landesverweisung von sieben Jahren aus. Gegen dieses Urteil erhob der Mann Einsprache. Er könne sich nicht vorstellen, die Schweiz verlassen zu müssen, betonte er. Der Richter sprach den Beschuldigten darauf an, weshalb er nach 21 Jahren in der Schweiz nicht genügend Deutsch spreche, um der Gerichtsverhandlung ohne Dolmetscherin folgen zu können. Er habe nie Zeit gehabt, einen Sprachkurs zu besuchen, antwortete er.

Einfache Körperverletzung und Diebstahl

Sein Verteidiger beantragte an der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung und einfachen Diebstahls. Als Sanktion sah er eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten als angemessen. Auf eine obligatorische Landesverweisung sei zu verzichten. Angesichts der Strafschwere sei das Urteil der Vorinstanz zu hart, erklärte der Verteidiger. Die Verletzungen des Opfers seien nicht sehr schwer, weshalb man von einer einfachen Körperverletzung ausgehen müsse. Auf den Videoaufnahmen sei nicht eindeutig zu sehen, dass sein Mandant tatsächlich mit einer Bierflasche zugeschlagen habe.

Der Staatsanwalt plädierte auf Abweisung der Berufung. Auch wenn die Filmaufnahmen der Überwachungskamera qualitativ schlecht seien, könne man doch erkennen, dass der Beschuldigte unvermittelt zugeschlagen habe. Er habe das Portemonnaie gepackt, sei geflüchtet und habe das blutüberströmte Opfer einfach liegen lassen. Das Kantonsgericht ging auf die Argumentation der Verteidigung nicht ein. Es sprach den Beschuldigten des Raubes schuldig, sanktionierte ihn mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und einer Landesverweisung von sieben Jahren.

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch