Kantone planen gemeinsame Spitalliste: St.Gallen und beide Appenzell wollen künftig medizinische Leistungen koordiniert anbieten

Die kantonsübergreifende Vergabe von Spitallisten in der Ostschweiz ist exemplarisch: Es wäre erst die zweite in der Schweiz.

Christoph Zweili
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Der Kanton St.Gallen sowie beide Appenzell fordern eine Spitalregion Ost.

Der Kanton St.Gallen sowie beide Appenzell fordern eine Spitalregion Ost.

Jil Lohse

Plötzlich scheint es doch möglich, in der Gesundheitsversorgung partnerschaftlich über Kantonsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Ein Schritt, der bisher trotz jahrelanger Gespräche hinter den Kulissen nicht gelungen ist: Heidi Hanselmann, Yves Noël Balmer und Antonia Fässler, die Gesundheitsdirektoren der Kantone St.Gallen, Appenzell-Ausserrhoden und Appenzell-Innerrhoden, wollen bei den Spitallisten zusammenarbeiten.

Hanselmann, die scheidende St.Galler Gesundheitschefin, überrascht am Mittwochabend mit der Ankündigung in der TVO-Sendung «zur Sache». Hanselmann sagt:

«Das ist eine politisch-strategische Absicht und kein politischer Entscheid.»

Modell soll in der ganzen Ostschweiz Schule machen

Die St.Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann

Die St.Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann

Urs Bucher

Die SP-Regierungspräsidentin verweist auf das Beispiel der Kantone Basel-Stadt und Basel-Land, wo das Volk einem Staatsvertrag für eine gemeinsame kantonsübergreifende Gesundheitsversorgung und damit einer gemeinsamen Spitalliste ab 2021 zugestimmt hat. «Das kann auch in der Ostschweiz möglich sein», sagt Hanselmann.

Innerhalb des Kantons St.Gallen sei das Modell bereits umgesetzt worden, nun könne es auch in der ganzen Ostschweiz Schule machen. Angedacht ist eine gemeinsames Vorgehen, was die Spitallisten angeht: «Mit konkreten Leistungsaufträgen hat das jetzt noch nichts zu tun. Ebenso wenig mit Verwaltungsratsgremien oder Spitälern.»

Mit diesem Schritt werde etwas zur gemeinsamen Qualitätssicherung gemacht.

Innerrhoden steht vor einem Dilemma

Roland Dähler, Innerrhoder Landammann

Roland Dähler, Innerrhoder Landammann

pd

Der Innerrhoder Landammann Roland Dähler trägt die Initiative mit, sieht sich aber vor dem Dilemma, dass in Appenzell, wo man sich als kleinerer Kanton bisher stets in die Defensive gedrängt gefühlt habe, per Volkswille der Bau eines ambulanten Versorgungszentrums geplant ist.

Die Innerrhoder Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler

Die Innerrhoder Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler

pd

Für die Innerrhoder Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler stellt sich die Frage, welche Kriterien die Leistungserbringer künftig erbringen müssten. Diese Voraussetzungen seien bei einer interkantonalen Zusammenarbeit noch offen. «Es ist wichtig, dass man die politisch oft geforderte regionale Spitalplanung einmal vertieft prüft.»

Das Gesundheitsdepartement wäge nun Vorteile und Nachteile gegeneinander ab:

«Ich bin selber gespannt, was da herauskommt.»

Walter Schönholzer überrascht

Überrascht von der Idee zeigte sich in der TV-Sendung der Thurgauer Regierungs-Vizepräsident Walter Schönholzer:

«Wir wurden nicht angefragt, würden aber vor allem eine Zusammenarbeit im Raum Wil-Fürstenland schätzen.»
Thurgauer Regierungs-Vizepräsident Walter Schönholzer

Thurgauer Regierungs-Vizepräsident Walter Schönholzer

Andrea Stalder

Strukturell habe der Thurgau, der geografisch eine andere Ausgangslage habe, seine Hausaufgaben gemacht: Die Spital Thurgau AG betreibe seine beiden Akutspitäler unter dem gleichen Organisationsdach.

Heidi Hanselmann zeigte sich in einer ersten Reaktion offen für eine mögliche Einbindung des Thurgaus in eine regionale Spitalplanung, liess aber durchblicken, dass man mit dieser Forderung jahrelang nicht gehört worden sei.

Der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer

Der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer

Benjamin Manser

Für den Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer hat sich die Spitallandschaft und damit das Bewusstsein in der Bevölkerung grundlegend geändert: «Die freie Spitalwahl funktioniert. Hauptsache, die Qualität der Behandlung stimmt.» Man wolle Kosten sparen in Ausserrhoden. Derzeit würde eine in allen drei Kantonen mehrheitsfähige Absichtserklärung erarbeitet.

In der TVO-Sendung wurde die Unterzeichnung für das erste Quartal 2020 angekündigt.

Spitalregion Ost zwischen St.Gallen und beiden Appenzell

Es ist ein politischer Coup zum Jahresschluss: Die Kantone St. Gallen und ­Appenzell Innerrhoden sowie Ausserrhoden wollen künftig eine gemein­same Spitalliste erstellen. Dies gibt die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann in der Politsendung «Zur Sache» im Ostschweizer Fernsehen TVO bekannt. Spitäler, die auf einer solchen Liste stehen, dürfen die Behandlungskosten dem Wohnkanton des Patienten sowie dessen Grundversicherung in Rechnung stellen. Die Kantone legen fest, welche Leistungen wo angeboten und damit vergütet werden. Ziel sei, so Hanselmann, im ersten Quartal 2020 eine Absichtserklärung für die Zusammenarbeit zwischen den drei Kantonen zu unterzeichnen. Die Details würden anschliessend ausgearbeitet. Die Zusammenarbeit beschränkt sich vorläufig auf die drei genannten Kantone. Der Thurgau wurde nicht einbezogen, wie Regierungsrat Walter Schönholzer in der TVO-Sendung leicht pikiert festhält. Sein Kanton sei aber grundsätzlich an einer Ostschweizer Zusammenarbeit interessiert. (ssm)

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