Ein Schwelgen in Gefühlen

HERISAU. Das Moscow Rachmaninov Trio gab kürzlich im Rahmen der Casino Konzerte mit Klaviertrios russischer Komponisten wie Rachmaninow, Tschaikowsky oder Glinka eine prächtige musikalische Visitenkarte ab.

Ferdinand Ortner
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Das Moscow Rachmaninov Trio wurde vom begeisterten Publikum bejubelt. (Bild: Ferdinand Ortner)

Das Moscow Rachmaninov Trio wurde vom begeisterten Publikum bejubelt. (Bild: Ferdinand Ortner)

Romantische Klangschönheit und expressive Emotionalität prägten das Konzert des renommierten Moskauer Klaviertrios, das im Casino in Herisau kürzlich Perlen der nationalen russischen Kammermusik des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts delikat präsentierte. Das homogene Spitzen-Ensemble überzeugte mit Klangkultur, rhythmischer Präzision und souveräner Virtuosität.

Der Pianist Victor Yampolsky hielt in der Führungsrolle die Fäden sicher in der Hand und brillierte wie auch der Violinist Mikhail Tsinman und die Cellistin Natalia Savinova durch perfektes spieltechnisches Können und vitale Ausdruckskraft. Exzellent war auch das elanvolle emotionale Musizieren, die nahtlosen, lebendigen Dialoge und die hervorragenden solistischen Qualitäten des Trios.

Russisch-slawisches Flair

Schon der Konzertauftakt mit dem von Michail Glinka (1804– 1857), dem Vater der nationalen russischen Musik, während eines Italienaufenthalts in Belcanto-Manier komponierte Trio d-Moll «Pathétique» versprühte gefühlsbetontes russisch-slawisches Flair und beeindruckte durch leidenschaftliche Ausdrucksvielfalt. Die vier kurzen melodiösen Sätze stimmten optimal ein auf das folgende Klaviertrio Nr. 2 f-Moll von Anton Arensky (1861– 1906) – einem Gustostück schwelgerischer galanter Kammermusik.

Sehr gefühlsintensiv der aufwühlende Kopfsatz – geprägt durch ein ruheloses, verschlungenes Hauptthema und erregenden Stimmungswechseln. Die etwas pathetische Romanze bestätigte Arenskys Talent als Meister schöner Kantilenen. Im effektvollen, virtuosen «Scherzo» mit den kapriziösen Walzermelodien feierte der Klangsinn Triumphe, während das variationenreiche, durch expressive Crescendi geprägte Finale sanft verklang.

Emotionales Feuerwerk

Den Konzertabend krönte der packende Vortrag des dreisätzigen Klaviertrios Nr. 2 e-Moll, «Elègiaque» – ein farbenprächtiges Seelengemälde. Sergej Rachmaninow (1873–1943), der als glänzender Pianist und Komponist virtuoser Klavier- und pathetischer sinfonischer Musik berühmt wurde, hat das spektakuläre Werk zum Gedenken an Tschaikowsky komponiert. Bei der Interpretation der bewegenden Musik spielten sich die Künstler in einen furiosen Klangrausch und profilierten sich dabei auch als exzellente Solisten.

Pianistische Glanzleistung

Den Künstlern ist es gelungen, die Verzweiflung und den Seelenschmerz des Komponisten überzeugend auszuloten. Eine pianistische Glanzleistung bot Victor Yampolsky im mitreissenden Finalsatz, mit dem sich der grosse Virtuose Rachmaninow selbst ein Denkmal gesetzt hat. Das begeistert applaudierende Publikum wurde mit einer Zugabe belohnt.