Alte Werkstatt wachgeküsst

SCHWELLBRUNN. 46 Jahre lang lag die Schwellbrunner Schmitte unberührt im Dornröschenschlaf. Wachgeküsst hat sie kein Prinz, sondern ein Florist. Mit den alten Werkzeugen gestaltet er seine Meisterprüfung im Air Force Center Dübendorf.

Karin Erni
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Die ehemalige Schmitte bietet reiche Ausbeute für Walter Zellweger. Die originale Einrichtung ist komplett erhalten geblieben. (Bild: ker)

Die ehemalige Schmitte bietet reiche Ausbeute für Walter Zellweger. Die originale Einrichtung ist komplett erhalten geblieben. (Bild: ker)

Der Florist und Farbdesigner Walter Zellweger arbeitet bei «Blumen Barbara» in Appenzell. Seit kurzem wohnt er im Haus zum Sternen, der ehemaligen Bäckerei und Mosterei von Schwellbrunn. «Das Haus ist ein einziges Museum», sagt er und zieht wie zum Beweis einen alten, metallbereiften Handwagen aus der Garage. Damit holt er Kiste um Kiste voller Gerätschaften aus der nahegelegenen alten Schmitte im Dorf herbei: Grosse und kleine Hämmer, einen Amboss, allerlei Zangen und einen schweren Schraubstock.

Als er die Schmitte das erste Mal betreten hatte, habe er gewusst: «Das wird meine Meisterprüfung.» Alles sei noch genauso herumgelegen, wie es der Dorfschmied vor geschätzten 46 Jahren zurückgelassen hatte. So, als wollte er nur schnell Pause machen. In der funktionstüchtigen Esse liegen sogar noch halb verglühte Kohlenstücke.

Metall und Pflanzen vereint

Die archaisch anmutenden Metallteile will der Florist nun im Rahmen seiner Meisterprüfung einer zweiten Verwendung zuführen: In Kombination mit zarten Blüten und Pflanzenteilen sollen daraus neue Kreationen entstehen. «Man muss allerdings aufpassen, dass dabei kein Ballenberg-Charakter entsteht», ist sich der 28-Jährige bewusst.

Die Meisterprüfung der Floristen besteht aus fünf Elementen. Zwei unterschiedliche Dekorationsarbeiten, ein Brautstrauss, ein Gebinde und ein Trauerkranz müssen angefertigt werden. Zellwegers Idee: Das Leben des Schmieds Hans Gmünder in diesen fünf Arbeiten darzustellen. Dafür musste der angehende Meisterflorist einen 20 Quadratmeter grossen, begehbaren Stand bauen. Er ist unterteilt in fünf Räume, in denen die Arbeiten ausgestellt sind. Sie sollen die einzelnen Lebensabschnitte Gmünders versinnbildlichen.

Stationen des Lebens

Der Rundgang im Ausstellungsraum beginnt mit der Arbeitsschürze aus Leder. Walter Zellweger hat sie in der Schmitte vorgefunden. Achtlos vom Schmied aufgehängt, als ob er sie sich gleich wieder umbinden wollte. «Hier hängte der Schlosser seine Schürze an den Nagel, kurz bevor er starb.» So oder ähnlich könnte der Anfang der Geschichte lauten, sagt Zellweger. Man tritt hiermit ein ins Leben des Dorfschmieds, der wohl auch Schlosser gewesen war, denn der Schmied hatte in ländlichen Gebieten oft die Funktion eines Universalhandwerkers. Zahlreiche Werkzeuge und Schlüssel zeugen davon. Mit diesen Utensilien will Zellweger die erste Station, das Handwerk, versinnbildlichen. Er schweisst sie zu einem Gebilde zusammen, in welches florale Elemente eingeflochten werden. Um den Bund des Lebens, dargestellt mit Schlüsselbunden, geht es bei der zweiten Arbeit. In der dritten Arbeit erhalten die alten Werkzeugschubladen eine neue Funktion als Sammelbehältnisse für Fruchtstände und Samen. In der vierten dient die Gelte, in welcher der Schmied seine Werkstücke abkühlte, als Gefäss für ein Gebinde. Im letzten Raum hängt ein Trauerkranz. Er symbolisiert den Tod. So stellt sich Zellweger die wichtigsten Stationen in der Lebensgeschichte von Hans Gmünder vor.

Ausstellung im Appenzellerland

Nach der Ausstellung in Dübendorf kommt die gesamte Installation nach Gonten, wo sie im «Gade» von Golf Gonten ausgestellt wird. Am Ende der Saison, im November, werden die Teile sorgfältig demontiert. «Ich habe dem Besitzer der Schmitte versprechen müssen, dass das gesamte Inventar beisammen bleibt. Für den Fall, dass man die Schmitte eines Tages rekonstruieren will», sagt Walter Zellweger. Durch den Umgang mit dem Feuer und die Veränderung der Metalle hatte der Beruf des Schmiedes früher einen künstlerischen, ja fast magischen Aspekt. Zellweger fühlt sich durch die Arbeit mit ihm verbunden: «Ich glaube, Hans Gmünder hätte Freude, wenn er sehen könnte, dass aus seinem alten Werkzeug wieder etwas ganz Neues entsteht.»

Ausstellung der 24 Meisterarbeiten am 19. und 20. Juli im Air Force Center Dübendorf. Ab 18. September Installation von Walter Zellweger im «Gade» von Golf Gonten.

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