David fordert in Amerika Goliath heraus

Extremsportler Reto Schoch aus Speicherschwendi startet in sechs Monaten zum 4800 km langen Race Across America (RAAM). Vater Erich übernimmt beim Abenteuer von der West- zur Ostküste die Teamleitung.

Urs Huwyler
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Reto Schoch: Bereit für das nächste grosse Abenteuer. (Bild: uhu)

Reto Schoch: Bereit für das nächste grosse Abenteuer. (Bild: uhu)

AUSDAUERSPORT. An den 3. Dezember dürfte Reto Schoch während der nächsten Wochen öfters zurückdenken. Im Elternhaus fiel im Beisein der Helfercrew der Entscheid, sich auf das Abenteuer «Race Across America» (RAAM) einzulassen. Also auf dem Velo von Ocean Site im Westen nach Annapolis im Osten 4800 km und 30 000 Höhenmeter abzuspulen. Der 33jährige kleine Appenzeller versucht, in der grossen weiten Welt neun, vielleicht zehn Tage mit einem Minimum an Schlaf auszukommen und in 24 Stunden rund 500 km zurückzulegen.

Der temporäre Profi Reto Schoch fordert die Favoriten mit einem minimalen Budget von rund 60 000 Franken heraus. Doch weder den Fahrer noch seine acht ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vermag zu beeindrucken, dass der Konkurrenz teilweise dreimal mehr Geld zur Verfügung steht. Sie wollen in der David-Rolle die Goliaths quer durch Amerika sportlich ärgern. «Es ist eine riesige Herausforderung mit unzähligen Unbekannten», wissen Reto und Erich Schoch.

Hawaii für Triathleten

Vater Erich wird das aus Bündnern, Zürchern, Bernern und St. Gallern gebildete Team führen. «Das RAAM dürfte für alle zur extremen Belastung werden. Wir stehen zehn Tage im Dauereinsatz. Keiner weiss, wie er in hektischen Situationen übermüdet reagiert», macht sich der Hobby-Alphornbläser keine Illusionen. Seine Motivation, sich ins Abenteuer zu stürzen, ist klar: Er möchte seinen Sohn durch die drei Zeitzonen auch nachts im einsamen Kampf gegen Kälte, Wärme, Übermüdung, Hunger, Durst oder Schmerzen unterstützen.

Weshalb wagt sich der 33 Jahre alte Dr. Reto Schoch als CEO und Gründer der Swissfluidics AG an ein solch grenzwertiges Experiment heran? «Das RAAM ist so etwas wie Hawaii für die Langstrecken-Triathleten. Ich versuche, mich an meine Grenzen heranzutasten, zu erfahren, was ich unter höchster psychischer und physischer Anspannung zu leisten vermag.» Er sei sich bewusst, dass ein gewisses Risiko besteht. Andererseits möchte er nicht nur ins Ziel kommen, «sondern eine vordere Klassierung erreichen.»

«Tortour»-Sieger

«Denn sie wissen nicht, was sie tun» trifft auf das von IWC Schaffhausen gesponserte Team Schoch allerdings nicht zu. Reto Schoch gewann 2011 das «RATA» in Nauders (A) und von Vater Erich gecoacht die «Tortour» quer durch die Schweiz. Dabei distanzierte der Ex-Biker auch den zweifachen RAAM-Sieger Daniel Wyss (2006/2009), der im Juni seinen dritten Triumph anstrebt. «Bisher war ich jedoch nur 36 Stunden und nicht neun Tage unterwegs. Aber ich bin überzeugt, dass ich es schaffen kann», strahlt der Ausdauerspezialist Zuversicht aus.

Derzeit werden teilweise in Magglingen von Fachleuten Leistungstests durchgeführt, die Ernährung auf den Körper abgestimmt, das Vorbereitungsprogramm optimiert, der Trip in die USA organisiert und das Budget abgesichert. «Für mich sind nicht nur grosse Beträge, sondern alle Arten der Unterstützung wertvoll», sagt Reto Schoch. Das Ziel, am 13. Juni 2012 loszufahren und das Ziel am 23. Juni zu erreichen, treibt ihn an und vorwärts.