Kanton will Stipendienhoheit behalten

Am 14. Juni wird über die eidgenössische Stipendien-Initiative abgestimmt. Die St. Galler Regierung lehnt sie ab. Die Kompetenz im Stipendienwesen an den Bund abzugeben, sei der falsche Weg zur Harmonisierung. Ausserdem sieht sie das Konkordat in Gefahr.

Marion Loher
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Wer wie viel Stipendien erhält, entscheidet heute jeder Kanton selber. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften möchte dies ändern und hat eine Initiative eingereicht. Er findet es unfair, dass je nachdem, in welchem Kanton Studierende wohnen, sie mehr oder weniger – oder gar keine – Unterstützung erhalten. Die Stipendien-Initiative fordert deshalb, die Vergabekriterien durch den Bund zu vereinheitlichen. Die Kantone sollen zwar weiterhin die Beträge auszahlen, der Bund würde aber den gesetzlichen Rahmen festlegen. Über die eidgenössische Initiative wird am 14. Juni abgestimmt.

Erheblich mehr Kosten

Die St. Galler Regierung lehnt die Stipendien-Initiative ab, wie sie gestern mitteilte. Eine Harmonisierung sei zwar zu begrüssen, die geforderte Kompetenzverlagerung allerdings der falsche Weg. «Sie würde den freiwilligen Harmonisierungsprozess der Kantone zunichte machen», sagt Bildungsdirektor Stefan Kölliker. 16 Kantone, darunter auch St. Gallen, haben sich vor gut zwei Jahren zu einem Stipendienkonkordat zusammengeschlossen. Dieses klärt, wer in welchem Kanton Stipendien beantragen kann und für welche Ausbildungen sie gesprochen werden. Es soll garantieren, dass die Stipendien auf den tatsächlichen Unterstützungsbedarf abgestimmt werden. Stipendien sollen die private Finanzierung nicht ersetzen, sondern ergänzen. Deshalb sei es auch unnötig, das durchschnittliche Stipendium zu erhöhen sowie die Quote der Bezüger zu verdoppeln, wie es die Initianten verlangten, sagt Kölliker. Die Folgen wären erhebliche Mehrkosten und ein Autonomieverlust der Kantone. Zudem würde die Initiative lediglich die Tertiärstufe, also Hochschule und höhere Berufsbildung, berücksichtigen. Das Konkordat und das St. Galler Stipendienrecht hingegen sehen eine Unterstützung aller Ausbildungen der Sekundarstufe II und Tertiärstufe nach einheitlichen Grundsätzen vor.

Maximalansatz wird erhöht

Im Kanton St. Gallen erhalten knapp fünf Prozent der Studierenden Stipendien. Im Vergleich zu anderen Kantonen ist das ziemlich wenig. 2013 gab es pro Kopf der St. Galler Kantonsbevölkerung 21 Franken (siehe Grafik). Von Knausrigkeit will Kölliker aber nichts wissen. «Bei der durchschnittlich ausbezahlten Summe liegen wir im Mittelfeld», sagt er. «Wir erhalten verhältnismässig wenig Gesuche.» Dies sei einerseits mit dem gut ausgebauten Bildungssystem zu erklären, anderseits mit der tiefen Maturitätsquote.

In diesem Sommer wird in St. Gallen der Maximalansatz der Stipendien der Tertiärstufe von 13 000 auf 16 000 Franken erhöht, wie vom Konkordat festgelegt. «Wir wollen mehr Geld in das Stipendienwesen investieren, aber in einem vernünftigen Mass.»

Aktuelle Nachrichten