Kanton will Seeradweg vollenden

Noch ist der Thurgauer Abschnitt des Seeradwegs kein durchgängiger Veloweg. Die verbleibenden Lücken will der Kanton in den nächsten Jahren schliessen. Zu Enteignungen will das Tiefbauamt aber nicht greifen.

Christof Widmer
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Der Seeradweg zwischen Berlingen und Steckborn. (Bild: Donato Caspari)

Der Seeradweg zwischen Berlingen und Steckborn. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Als einen der berühmtesten Velowege Mitteleuropas bezeichnen Velotouristiker den Bodenseeradweg. «Der Seeradweg ist eine der wichtigsten Routen in der ganzen Bodenseeregion», bestätigt Monika Grünenfelder, Geschäftsführerin von Thurgau Tourismus. Doch die Strecke ist nicht durchgehend auf dem Veloweg-Standard ausgebaut. Im Thurgau führt sie an einigen Stellen zum Beispiel über zu schmale Kieswege, an anderen benützen ihn auch Wanderer. Solche Lücken gibt es bei Berlingen, westlich von Ermatingen, zwischen Ermatingen und Gottlieben, zwischen Uttwil und Romanshorn sowie zwischen Romanshorn und Egnach.

Dem will der Kanton nun Abhilfe verschaffen. Das Tiefbauamt hat den Auftrag gefasst, in den nächsten vier Jahren zumindest Lösungsansätze aufzuzeigen, wie es die Lücken schliessen will. Dieses Ziel ist dem Regierungsrat sogar so wichtig, dass er es in den Regierungsrichtlinien verankert hat.

Planerische Herausforderung

Dabei stellen sich Probleme ganz unterschiedlicher Natur. Als planerische Herausforderung bezeichnet Kantonsingenieur Andy Heller etwa den Abschnitt östlich von Berlingen. «Wo soll ich da einen drei Meter breiten Radweg in den Hang bauen?» Zumal irgendwo auch die Wanderer einen Weg brauchen, um den Velos nicht in die Quere zu kommen.

Heikel ist das Seeradwegprojekt auch wegen der Anwohner und Grundeigentümer. Das zeigt das Beispiel des Projekts zwischen Romanshorn und Egnach, wo eine Einsprache derzeit beim Verwaltungsgericht liegt. Nicht alle Einheimischen sind begeistert, wenn ein Veloweg vor ihrem Haus vorbeiführt. Die Bedenken betreffen laut Heller unter anderem Abfälle entlang des Weges.

Auch ist das Land für den idealen Verlauf nicht immer verfügbar. «Eigentumsfragen sind sehr oft ein Problem», sagt Heller. In Arbon drohte der Kanton vor Jahren gar mit Enteignung, um die dortige Lücke des Seeradwegs endlich schliessen zu können. «Das ist eigentlich nicht Usus», sagt Heller. Er strebt gütliche Einigungen an. Man müsse den Betroffenen dafür Zugeständnisse machen. Heller nennt als Beispiel einen bepflanzten Zaun für den Sichtschutz.

Velotouristen haben Ansprüche

Alles Interesse an der Schliessung der Lücken im Seeradweg hat Thurgau Tourismus. «Die Velofahrer erwarten einen guten Ausbaustandard mit möglichst wenigen anderen Verkehrsteilnehmern», sagt Geschäftsführerin Monika Grünenfelder. Die Tourismusorganisationen um den See arbeiten derzeit daran, auch im Frühling und Herbst mehr Touristen auf den Bodenseeradweg zu bringen.

Der Verband Pro Velo Thurgau begrüsst die Bemühungen des Kantons für den Seeradweg. Der Ausbau des nicht-touristischen Velowegnetzes dürfe dabei aber nicht vernachlässigt, werden, sagt Vorstandsmitglied Christian Schmid. Gerade in den Agglomerationen brauche es Infrastruktur, um den Umstieg vom Auto aufs Velo zu fördern.