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«Nun wird der rechtliche Spielraum geprüft»: Stadt St.Gallen will nochmals über den Erhalt des Graffiti auf der Offenen Kirche diskutieren

Die öffentliche Empörung hat etwas bewirkt: Kanton und Stadt St.Gallen wollen mit allen Verfahrensbeteiligten das Gespräch suchen rund um die angekündigte Entfernung des Graffiti an der Fassade der Offenen Kirche. Was das für die Zukunft des Wandbildes bedeutet, bleibt aber unklar.
Christoph Renn
Bleibt das Gesicht nun doch erhalten an der Fassade der Offenen Kirche? (Bild: Sabrina Stübi)

Bleibt das Gesicht nun doch erhalten an der Fassade der Offenen Kirche? (Bild: Sabrina Stübi)

Der öffentliche Aufruhr war gross, als bekannt wurde, dass das Graffiti an der Offenen Kirche weg muss. Auf den sozialen Medien haben Stadtbewohner ihrem Frust unverblümt Luft verschafft. Stadtblogger Marcel Baur startete sogar eine Onlinepetition, die schon über 2000 Personen unterschrieben haben. Nun nimmt der Fall um das Bild an der Fassade eine überraschende Wendung: Kanton und Stadt wollen nochmals mit allen Verfahrensbeteiligten das Gespräch zu suchen. «Wir waren von teils heftigen Reaktionen doch erstaunt», sagt Michael Niedermann von der kantonalen Denkmalpflege. «Wir wollen mit den Gesuchstellern eine gemeinsame Lösung finden.»

Michael Niedermann sieht die kantonale Denkmalpflege derweil als Blitzableiter der Kritik. Er stellt klar, der Beschluss sei nicht von der kantonalen Denkmalpflege getroffen worden. Federführend sei von Beginn weg die Stadt gewesen. «Wir haben eine Stellungnahme aus Sicht der kantonalen Denkmalpflege abgegeben», sagt er. So wie das auch die städtische Denkmalpflege gemacht hat.

Den Entscheid gegen den Erhalt des Wandbildes habe schliesslich die städtische Baubewilligungskommission getroffen. Nun gilt es laut Niedermann, aufeinander zuzugehen und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. «Ich denke, als Behörde muss man offen sein für ein Gespräch.

Stadträtin Maria Pappa bestätigt, dass Stadt und Kanton mit den Gesuchstellern Kontakt aufnehmen wollen. Doch für sie präsentiert sich eine andere Ausgangslage: Der Stadtrat hat sich nie gegen den Erhalt des Graffiti ausgesprochen. Im Gegenteil: Als Liegenschaftsbesitzerin wurde dessen Erhalt gutgeheissen. Pappa präzisiert, dass die städtische Baubewilligungskommission ihren Entscheid unter anderem auf Grundlage der negativen Stellungnahmen der städtischen, aber auch der kantonalen Denkmalpflege getroffen habe.

Mit dem neuen kantonalen Planungs- und Baugesetz sei bei Schutzobjekten von kantonaler oder nationaler Bedeutung die Zustimmung der kantonalen Denkmalpflege nötig. Werde diese Zustimmung verweigert, könne die Baubewilligungskommission zumindest aus denkmalpflegerischen Überlegungen keine Bewilligung erteilen. Und denkmalpflegerische Gründe seien hier ausschlaggebend gewesen. «Gegen diesen Beschluss kann der Stadtrat nichts machen», sagt Maria Pappa, die normalerweise der Kommission vorsitzt. «Weil der Stadt die Liegenschaft gehört, musste ich in diesem Fall in den Ausstand treten.»

Nun liegt der Fall bei den Juristen

Maria Pappa stellt weiter klar, dass das angekündigte Gespräch ausserhalb des rechtlichen Verfahrens stattfinden würde. Denn: «Gestern hat der Verein Wirkraum Kirche Rekurs gegen den Entscheid der städtischen Baukommission eingereicht.» Dies, nachdem der Verein zuerst ankündigt hatte, den Fall nicht weiterzuziehen. Somit beurteilen nun Juristen des kantonalen Baudepartements des Kanton den Fall. Sie entscheiden, ob sie den Beschluss der städtischen Baubewilligungskommission stützen oder aufheben.

«Wir überprüfen nun mit den Verfahrensbeteiligten den rechtlichen Spielraum und welche Lösungen angeboten werden können», sagt Pappa. Was das für die Zukunft des Graffiti bedeutet, könne sie im Moment nicht sagen.


Weiter fordert die Stadträtin Verständnis für die Anliegen beider Seiten. Es gebe auch jene, die das Graffiti als Verschandelung des Gebäudes sehen. Dazu gehört der Sohn des Architekten Ernst Kuhn. Schon als er vom Graffito am Bau seines Vaters erfahren hatte, schaltete er sich per Anwalt ein und forderte den Verein Wirkraum Kirche auf, das Wandbild unverzüglich zu entfernen. Es beeinträchtige das Ansehen seines Vaters erheblich und begründe damit «eine persönlichkeitsverletzende Entstellung des urheberrechtlich geschützten Werks», hiess es in einem Schreiben vom September 2016. Auf der anderen Seite seien diejenigen, welche sich für den Erhalt des Kunstwerkes an der Offenen Kirche einsetzten.

Verein setzt sich weiter für den Erhalt des Graffiti ein

Deshalb müsse die Frage beantwortet werden, ob die Übermalung des Wandbildes auch dann verhältnismässig sei, wenn das Gebäude einem HSG-Neubaus weichen muss. Aber auch die anderen rechtmässigen Interessen müssten berücksichtigt werden.

Über die überraschende Wendung und das Gesprächsangebot freut sich Theodor Pindl, Intendant des Vereins Wirkraum Kirche. Für ihn bleibe das Ziel aber dasselbe: Der Verein setzte sich weiter für den Erhalt des Graffiti ein. «Wir gehen nun offen ins Gespräch und hören uns die Argumente an», sagt er. Die Hoffnung, dass das Bild doch noch bewilligt wird, lebe weiter. Auch Stadtblogger Marcel Baur zeigt sich erfreut über die jüngste Entwicklung. «Genau das habe ich mir erhofft, als ich die Onlinepetition lanciert habe.»

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