Thurgau
Drei suchen die Zusammenarbeit mit Europa: Das erste Podium der Ständeratskandidaten

Die Gegensätze der Kandidierenden waren zwar spürbar, doch wurden sie am Ständeratspodium in Balterswil von den Kandidierenden selbst nicht ausgeschlachtet. Und auf die Frau beziehungsweise auf den Mann gespielt wurde in der Politrunde erst recht nicht.

Christof Lampart
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Sonntagmittag in der Waldhütte mit den Ständeratskandidaten Stefan Leuthold (GLP), Kris Vietze (FDP), Brigitte Häberli (Mitte), Jakob Stark (SVP).

Sonntagmittag in der Waldhütte mit den Ständeratskandidaten Stefan Leuthold (GLP), Kris Vietze (FDP), Brigitte Häberli (Mitte), Jakob Stark (SVP).

Bild: Marius Eckert

Wer am Sonntagvormittag den bisherigen Ständeräten Brigitte Häberli (Mitte) und Jakob Stark (SVP) wie auch ihren Herausforderer Kristiane Vietze (FDP) und Stefan Leuthold (GLP) in der Waldhütte am Hackenberg in Bichelsee-Balterswil zuhörte, der bekam ein Bild eines Politquartetts vermittelt, das voller Tatendrang agiert – und doch stets sachlich blieb. Auch Mitte-Kantonsrat und Moderator Kilian Imhof unternahm keinen Versuch, die Unterschiedlichkeit der politischen Positionen allzu deutlich zu machen. Und so blieb dieses Unterfangen vor allem den Kandidierenden selbst vorbehalten.

Stark: Neues AKW nicht ausgeschlossen

Stefan Leuthold hatte als Einziger das Schaffen der Energiewende durch die Förderung alternativer Energien zum Topthema erklärt. «Mir ist es wichtig, dass wir den nächsten Generationen nicht nur eine gute Infrastruktur hinterlassen, sondern auch, dass sie eine nachhaltige Zukunft geniessen können. Der ökologische Aspekt ist mir sehr wichtig. Ich möchte in Bern den ökologischen Thurgau vertreten, der effizienter wird, neue Technologien für die Energiespeicherung entwickelt und mit Europa zusammen die Energieprobleme anpackt.»

Jakob Stark pflichtete ihm zwar bei der Förderung der erneuerbaren Energien bei – «da müssen wir voll drauflos», doch sollte man sich noch eine Hintertüre offenlassen, falls sich im Jahr 2030 herausstellen sollte, dass der Schweiz doch der Strom ausgehen könnte: «Dann sollten wir zumindest noch die Option Kernkraft haben», riet Stark.

Vietze will ein gutes Verhältnis zur EU

Mit ihr, so betonte Kristiane Vietze selbstbewusst, würde eine Person in den Ständerat gewählt werden, wie es sie in Bern aktuell nicht häufig gebe, sei doch das Unternehmertum unter der Bundeshauskuppel massiv untervertreten, sagte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Thurgau. Auch sie strebe eine gute Zusammenarbeit mit Europa an, denn «jeder zweiten Franken, den wir verdienen, kommt aus dem Export und die Hälfte davon aus der EU». Ein weiteres Thema, für das sie sich gerne in Bern einsetzte, ist die Sicherung der Altersvorsorge.

Gefragt, welches für sie eines der wichtigsten Geschäfte sei, sollte sie im Herbst als Ständerätin wiedergewählt werden, erklärte die amtierende Ständeratspräsidentin Brigitte Häberli, dass Bern dem politischen Europa einige Schritte entgegenkommen sollte, denn das Zustandekommen eines Abkommen mit der EU sei gerade für die Forschung und Bildung hierzulande von grösster Wichtigkeit.

Sehr herausfordernd sei für sie als Ratspräsidentin die ausserordentliche Session wegen der Bankenkrise gewesen. Und in internationalen Kontakten habe sie Gesprächspartnern in den letzten Monaten oft erklären müssen, warum die Schweiz keine Waffen in die Ukraine liefert und was die Haltung der Schweiz gegenüber den bilateralen Verträgen mit der EU sei.