Hitze
Wegen Trockenheit: Kanton Thurgau verbietet Wasserentnahme – Konstanz zieht nach

Das Thurgau ist von der Hitze zunehmend betroffen. Deshalb erlässt die Kantonsregierung nun ein Wasserentnahmeverbot. Dieses gilt so lange, bis es wieder über längere Zeit regnet. Gleiches gilt neuerdings auch für Konstanz.

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Auch der Wasserpegel des Bodensees liegt weit unter der Norm. (Symbolbild)

Auch der Wasserpegel des Bodensees liegt weit unter der Norm. (Symbolbild)

Bild: Donato Caspari

«Seit Beginn des Jahres hat es zu wenig geregnet und in den vergangenen Wochen hat sich das Wasserdefizit im Kanton Thurgau verschärft», schreibt der Kanton Thurgau in seiner neuesten Medienmitteilung vom Dienstag. Deshalb habe das Departement für Bau und Umwelt nun entschieden Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern zu verbieten.

Die Niederschläge im Monat Juni konnten das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn nicht kompensieren, schreibt der Kanton weiter. Gesamthaft würden die Niederschläge seit Jahresbeginn um ein Drittel unter der Norm liegen. Entsprechend wenig Wasser führen die Thurgauer Fliessgewässer. Weiter heisst es:

«Die Hitzewellen im Juni und Juli sowie das Ausbleiben von langanhaltenden ergiebigen Niederschlägen haben das Wasserdefizit im Kanton Thurgau weiter verschärft»

Der Wasserstand des Bodensees liege rund 80 Zentimeter unter der Norm. Auch weitere Seen und Weiher hätten sehr tiefe Wasserstände. Ausschlaggebend für ein Wasserentnahmeverbot sei die Messung der Abflusswerte der Oberflächengewässer (Q347-Bestimmung). Alle elf Pegelstationen im Kanton Thurgau mit Niedrigwasserstatistik unterschreiten laut Mitteilung den Grenzwert.

Verbot gilt bis auf Widerruf – Niederschläge nötig

Das Verbot gelte nicht nur für Bäche, Flüsse und natürliche Weiher, sondern auch für künstliche und bewirtschaftete Weiher wie Mühleweiher, Fischaufzuchtteiche und der Wasserkraftnutzung dienenden Kanäle. Das Verbot trete ab Freitag, 22. Juli 2022 in Kraft und gelte bis auf Widerruf.

Vom Verbot ausgenommen seien diejenigen Wasserentnahmen für Bewässerungen, die Wasser aus Oberflächengewässern beziehen, die noch über genügend Wasserreserven verfügen. Dies seien zurzeit der Bodensee (Obersee, Untersee, Seerhein), Hüttwilersee und der Rhein. Ebenfalls könnten Wasserentnahmen aus dem Grundwasser oder aus Quellen bis auf weiteres zugelassen werden.

Die Wetterprognose geht bis Ende Juli oder Anfangs August von einer überwiegend sonnigen, heissen und stabilen Wetterlage ohne nennenswerte Niederschläge aus. Zur Normalisierung der Abflussverhältnisse in den Oberflächengewässern sind laut Mitteilung ausgiebige und lang andauernde Niederschläge in den kommenden Wochen notwendig. Für die zweite Jahreshälfte sei sonst mit einer kritischen Situation für Quellerträge und für die Oberflächengewässer zu rechnen.

Auch Konstanz führt Wasserentnahmeverbot ein

In einer Medienmitteilung vom Dienstag informiert auch das Landratsamt Konstanz über ein kommendes Wasserentnahmeverbot. Durch die niedrigen Wasserstände werde die Gewässerökologie beeinträch­tigt. Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen würden zudem unter ansteigenden Gewässertemperaturen leiden.

«Um eine weitere Verschärfung der Situation zu verhindern, sieht sich das Landratsamt Konstanz veranlasst, das Verbot auszusprechen»

Doch auch hier gibt es Ausnahmen. So sei die Wasserentnahme aus dem Bodensee auch hier weiterhin erlaubt. Ebenso gelte dies für den Hochrhein und die Radolfzeller Aach.

Das Verbot gelte zunächst bis einschliesslich 31. Au­gust 2022 und werde bei anhaltender Trockenheit gegebenenfalls verlängert. Bei Missachtung sei mit ei­ner Geldbusse von bis zu 10'000 Euro zu rechnen. (pd/hol)