Glasmalerei
Vom Mittelalter bis in die Neuzeit: Fragile Thurgauer Zeitzeugen umfassend erforscht

2022 ist das Internationale Jahr des Glases. Diese Bühne nutzt der Kanton, um das Forschungsprojekt «Glasmalerei im Thurgau» an einer Buchvernissage zum Abschluss zu bringen. «Glasmalereien sind Schätze, denn Glas, Farbe und Blei vereinen sich im Lichtspiel zu Kunstwerken», sagt Regierungsrat Dominik Diezi.

Christof Lampart
Drucken
Vernissage mit Regierungsrat Dominik Diezi (Mitte), Francine Giese (links), Moderatorin Gabriele Keck (rechts), Giovanni Menghini, kantonaler Denkmalpfleger (ganz rechts).

Vernissage mit Regierungsrat Dominik Diezi (Mitte), Francine Giese (links), Moderatorin Gabriele Keck (rechts), Giovanni Menghini, kantonaler Denkmalpfleger (ganz rechts).

Bild: Michel Canonica
(9. Juni 2022)

Bei der wissenschaftlichen Erfassung und Aufarbeitung von mehr als 1100 sakralen und profanen bunten Glasscheiben arbeiteten die kantonale Denkmalpflege, das Historische Museum Thurgau und das Vitrocentre Romont während sechs Jahren zusammen. Dies im Bestreben, den Bestand an Thurgauer Glasmalereien vom Mittelalter bis in die Neuzeit zu erforschen und für die Öffentlichkeit aufzubereiten.

Das Projekt fand nun in der Buchvernissage seinen offiziellen Abschluss, in deren Rahmen die Werke «Die Glasmalereien vom Mittelalter bis 1930 im Kanton Thurgau» (Corpus Vitrearum Schweiz, Reihe Neuzeit, Band 8) und «Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau» (Band 23 der Reihe Denkmalpflege des Kantons Thurgau, Schwabe Verlag Basel) vorgestellt wurden.

Diezi: «Glasmalereien sind Schätze»

Dass dem Festakt, der am Donnerstagabend im Rathaus Frauenfeld stattfand, Regierungsrat Dominik Diezi beiwohnte, überraschte nicht. Denn der kantonale Lotteriefonds hatte in das «Prestigeobjekt», wie Diezi es nennt, 480’000 Franken investiert. Der neue Vorsteher des Departements für Bau und Umwelt freut sich darüber, dass das Projekt mit dem Verfassen zweier Fachpublikationen und der Erstellung einer Datenbank erfolgreich zu Ende gebracht wurde. Er verweist auf dessen Wert für den Kanton:

«Glasmalereien sind Schätze, denn Glas, Farbe und Blei vereinen sich im Lichtspiel zu Kunstwerken.»

Tatsächlich gehörten Glasmalereien früher zu den kostbarsten Geschenken, weshalb die kunstvollen und farbenprächtigen Glasmalereien häufig an Fenstern von Schlössern, Rathäusern oder Klosterkreuzgängen angebracht wurden.

Fachleute betraten im Thurgau Neuland

Aufgrund des hohen kulturellen und materiellen Werts dieser Kunstwerke gibt es das internationale Forschungsunternehmen Corpus Vitrearum Medii Aevi mit einem Ableger in der Schweiz, der ans Vitrocentre Romont angegliedert ist. Doch so bewandert dessen Fachleute in Sachen Glasmalerei auch sind – sie betraten mit dem Thurgauer Projekt gewissermassen Neuland. Denn in der Regel, so die Direktorin des Vitrocentre Romont, Francine Giese, seien sie mit der Erforschung von Glasmalereien beschäftigt, die bis ins 18. Jahrhundert hineinreichten. Im Thurgauer Fall seien jedoch auch erstmals die späteren Jahrhunderte erforscht worden.

Insgesamt wurden 800 Glasmalereien in Gebäuden und 300 in Sammlungen umfassend untersucht, «sodass wir ein wichtiges kulturelles Erbe so in ein neues Licht rücken konnten, dass es nun weit über die Thurgauer Grenzen hinaus strahlt», so Giese. Weshalb sich die kantonale Denkmalpflege auf das Vorhaben einliess, erläutert deren Leiter, Giovanni Menghini:

«Die Glasmalereien sind ein grosser Teil unseres kulturellen Erbes.»

Die Kuratorin des Historischen Museums Thurgau, Gabriele Keck, nutzt die Gelegenheit zu einem Blick in die Zukunft: «Wir haben hier eine bedeutende Sammlung – und haben nun durch das Projekt den Weg freigemacht für weitere Forschungen auf diesem Gebiet.»