Gesundheit
«Die Talsohle ist absehbar» – Thurgauer Regierung sieht im Kampf gegen den Hausärztemangel einen Lichtblick

Auf kantonaler Ebene sind die Massnahmen beschränkt, die zu einer Verbesserung der Situation in der medizinischen Grundversorgung führen können. Als Antwort auf einen politischen Vorstoss macht die Thurgauer Regierung eine Auslegeordnung. Nun sind Ideen aus der Politik gefragt.

Silvan Meile
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Ein Hausarzt testet die Reflexe einer Patientin.

Ein Hausarzt testet die Reflexe einer Patientin.

Christian Beutler / Keystone

In vielen Thurgauer Landgemeinden wurde der letzte Patient vor Jahren untersucht, die Hausarztpraxis aufgrund Pensionierung geschlossen. Hausärztemangel auf dem Land ist schon lange ein Sorgenkind der Politik. Bald in jeder siebten Thurgauer Gemeinde praktiziert kein Hausarzt mehr. Nun versprüht die Thurgauer Regierung bezüglich der medizinischen Grundversorgung wieder etwas Hoffnung.

Die Versorgungslücke sei zwar noch nicht überwunden, die Talsohle aber absehbar, schreibt die Thurgauer Regierung als Antwort auf die Einfache Anfrage «Ärztlicher Nachwuchsmangel: Was kann der Thurgau tun?» von Stefan Leuthold (GLP), Elisabeth Rickenbach (EVP), Marina Bruggmann (SP), Bruno Lüscher (FDP) und Iwan Wüst (EDU).

Der Medical Master als einer der Lichtblicke

Es besteht Hoffnung auf eine Trendwende. Gemäss einer Studie zeigten mehr Studienplätze, eine höhere Attraktivität für den Haus- und Kinderarztberuf und neue Arbeitszeit- und Praxismodelle eine erste Wirkung, schreibt die Regierung. Ein weiterer Lichtblick sei der Studiengang Medical Master an der Universität St.Gallen. Damit haben die Ostschweizer Kantone die Ärzteausbildung in ihr Versorgungsgebiet geholt, um eine Abwanderung von künftigen Medizinern zu verhindern. Die Thurgauer Regierung schreibt:

«2022 schliessen die ersten Studierenden den Medical Master an der Universität St.Gallen ab.»

Das ist einer der Aspekte, die dem Hausärztemangel weiter entgegenwirken sollen.

Nun sollen Schritte abgeleitet werden

GLP-Kantonsrat Stefan Leuthold.

GLP-Kantonsrat Stefan Leuthold.

Bild: Kirsten Oertle

Es handle sich um eine unübersichtliche Branche, sagt GLP-Kantonsrat Stefan Leuthold. Und die entscheidenden Gesetze würden in Bern ausgearbeitet. Mit seinem Vorstoss ging es gemäss Leuthold in erster Linie darum, die Situation so weit aufzuschlüsseln, damit Verbesserungsmöglichkeiten auf kantonaler Ebene erkennbar und benennbar werden.

«Viele Massnahmen liegen in der Zuständigkeit des Bundes oder könnten von der Ärzteschaft angegangen werden, um die Versorgungssituation zu entschärfen», hält die Thurgauer Regierung fest. Denn vieles sei im Bundesrecht geregelt und könne vom Grossen Rat höchstens begrenzt beeinflusst werden. Doch der Regierungsrat listet auch konkret auf, wo beim Kanton ein Spielraum besteht. Dabei erwähnt er den Medical Master an der Universität St.Gallen, hebt aber auch «Taxpunktwertharmonisierung» und «Ausnützen des kantonalen Spielraums durch einen pragmatischen Vollzug bei der Ausstellung von Berufsausübungsbewilligungen» hervor.

Stefan Leuthold ist mit der raschen und umfangreichen Antwort der Regierung zufrieden. Nicht aber mit der Situation fehlender Hausärzte in den Thurgauer Dörfern. Deshalb gelte es nun, zusammen mit den Hausärzten die Situation vertieft anzuschauen und allfällige Massnahmen aus der Auslegeordnung, die nun vorliegt, abzuleiten. «Wir müssen uns zusammen Schritte überlegen.»