Kanton Thurgau soll Obstforschung in Güttingen übernehmen

Der Regierungsrat betont, der Agroscope-Standort in Güttingen sei gut aufgestellt. SVP-Kantonsrat Urs Schär fürchtet aber einen Abbau.

Larissa Flammer
Hören
Drucken
Teilen
Bei der jährlichen Güttinger-Tagung informieren sich die Landwirte jeweils über neue Erkenntnisse in der Forschung.

Bei der jährlichen Güttinger-Tagung informieren sich die Landwirte jeweils über neue Erkenntnisse in der Forschung.

Andrea Stalder

Der Thurgau wird nicht umsonst Mostindien genannt. Der Kanton gehört zu den grössten Beeren- und Obstproduzenten der Schweiz. Das bedeutet, dass der Obstkanton Thurgau auch überproportional von Schädlingen betroffen ist. Vor allem die marmorierte Baumwanze habe seinem Betrieb zu schaffen gemacht, sagt Landwirt und SVP-Kantonsrat Urs Schär (Langrickenbach). Er betont: «Die Insektenforschung sollte hier stattfinden, wo auch die Probleme sind.» Der Klimawandel bringe immer mehr neue Insekten in den Thurgau, mit denen sich die Bauern noch nicht auskennen würden. Schär: «Wir sollten forschen, welche Insekten Nützlinge sind und wie sie wirken.» Die Landwirte würden versuchen, Pflanzenschutzmittel zu vermeiden. «Doch dafür muss uns jemand helfen.»

Standort wird insgesamt gestärkt

Schär hat sich mit einer einfachen Anfrage an den Regierungsrat gewandt. Er befürchtete einen Abbau bei der Obst- und Beerenforschung von Agroscope beim Standort in Güttingen – unter anderem weil die Insektenforschung von dort abgezogen werde. In seiner Antwort schreibt der Regierungsrat, die Insektenforschung ziehe von Wädenswil nach Changins. Das sei zwar bedauerlich, aber verkraftbar, da der Standort Güttingen insgesamt gestärkt werde. «Der Regierungsrat setzt sich zusammen mit der Ostschweizer Regierungskonferenz für eine starke Agrarforschung in der Ostschweiz ein.» Es sei erreicht worden, dass mit den durch die Reorganisation von Agroscope frei werdenden Mitteln die Forschungsaktivitäten im Thurgau in zentralen Bereichen erhöht würden. Agroscope entwickelte auf Anregung des Kantons Thurgau zusammen mit dem Kanton Zürich und dem Schweizer Obstverband ein Kompetenznetzwerk Obst- und Beerenbau.

Kooperation funktioniere gut

In diesem Kompetenznetzwerk wird die Branche stärker in die anwendungsorientierte Forschung mit eingebunden, schreibt der Regierungsrat. Der Schul- und Versuchsbetrieb in Güttingen ist ein fester Bestandteil dieses Kompetenznetzwerkes. In der Antwort heisst es: «Es ist daher in Zukunft am Standort Güttingen mit mindestens gleichbleibenden Forschungsaktivitäten zu rechnen.» Der Schul- und Versuchsbetrieb in Güttingen sei auch Standort internationaler Projekte wie beispielsweise Interreg-Projekten mit der EU. Die Kooperation funktioniere gut.

«Fünf Jahre sind schnell vorbei»

Grundsätzlich ist Schär mit der Auskunft des Regierungsrats zufrieden. Nicht beantwortet sei aber seine Frage, ob die Thurgauer Regierung gegen den Wegzug der Insektenforschung interveniert habe. «Die Antwort lautet einfach, es sei schade, dass die Forschung weggehe», sagt der Kantonsrat. Der Pachtvertrag läuft noch fünf Jahre Er hatte auch wissen wollen, ob der Kanton sich allenfalls vorstellen könne, die Gebäude in Güttingen von Agroscope zu übernehmen, selber zu sanieren und so den Forschungsstandort attraktiv zu halten. Die Regierung schreibt, der Pachtvertrag mit dem Bund habe sich letztes Jahr um weitere sechs Jahre verlängert. «Es ist somit nicht vorgesehen, dass der Kanton die Gebäude am Standort Güttingen übernimmt.»

Schär sagt dazu: «Fünf Jahre sind schnell vorbei.» Er würde es begrüssen, wenn der Kanton den Standort übernimmt. «Die finanziellen Mittel wären ja da», sagt er mit Blick auf die TKB-Millionen und die guten Rechnungsabschlüsse des Kantons. Andere Kantone würden viel in ihre Standorte investieren und Agroscope werde sich künftig eher für die Betriebe entscheiden, die gut aufgestellt seien.

Mehr zum Thema